Proteste in Iran: Welche Videos trotz Internetsperre echt sind

Faktencheck

Iran-Aufnahmen in Sozialen Medien:Online trotz Zensur: Sind diese Protestvideos echt?

von Jan Schneider, Kevin Schubert

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Seit der Internetsperre dringen kaum noch Bilder und Videos aus Iran nach außen. Sind aktuelle Aufnahmen in Sozialen Medien trotzdem echt? ZDFheute hat einige Videos verifiziert.

Brennende Autos und protestierende, vermummte Menschen.

Obwohl die Führung Irans eine strikte Internetsperre verhängt hat, schaffen es Videos in die Sozialen Medien. ZDFheute hat überprüft, ob die Aufnahmen authentisch sind.

12.01.2026 | 1:42 min

Trotz einer weitreichenden Internet- und Telefonsperre in Iran gelangen weiterhin Videos von Protesten aus dem Land nach außen. Eines dieser Videos zeigt Demonstrationen im Heravi-Viertel im Nordosten Teherans. Zu hören sind Sprechchöre, in denen die Demonstrierenden das Ende der klerikalen Herrschaft fordern.

ZDF Faktenchecker Jan Schneider in einem Bürostuhl vor einem Bücherregal.

Solange keine Verifikation vor Ort möglich sei, werden Videos und Bilder aus Iran mit verschieden Tools mehrfach auf Aktualität und Verortung geprüft, so ZDF-Faktenchecker Jan Schneider.

12.01.2026 | 5:04 min

ZDFheute hat die Aufnahmen überprüft und verifiziert: Markante Gebäude entlang der Straße lassen sich eindeutig der 5th Golestan Straße in Teheran zuordnen und mit Bildern aus Google Street View abgleichen. Das Video gilt damit als authentisch.

Das Bild zeigt eine Gegenüberstellung mehrer Bilder. Darauf sind einerseits Protest-Szenen aus dem Heravi-Viertel im Nordosten Teherans zu sehen - und andererseits ein Screenshot von Google Street View vom gleichen Ort, der belegt, dass die Proteste dort tatsächlich stattgefunden haben.
Quelle: ZDFheute

Video zeigt schwere Zusammenstöße

Ein anderes Video zeigt schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften des Staates: Demonstrierende ducken sich hinter Barrikaden, während aus einiger Entfernung Schüsse abgegeben werden. Ein Bus steht in Flammen.

Das Bild zeigt eine Gegenüberstellung mehrerer Bilder. Einerseits sind Screenshots aus einem aktuellen Protest-Video in Mashhad zu sehen. Andererseits ist ein Screenshot von Google Street View zu sehen, der belegt, dass die Proteste tatsächlich dort stattgefunden haben.
Quelle: ZDFheute

Das Videomaterial stammt aus Maschhad im Nordosten des Iran - ein markanter Brunnen am Vakil Abad Highway lässt sich eindeutig mit bekannten Aufnahmen der Gegend abgleichen, was die Authentizität der Szene bestätigt.

Nicht alle aktuellen Aufnahmen stammen aus Iran

Auch diese Aufnahmen werden aktuell tausendfach in Sozialen Medien geteilt: Eine junge Frau zündet ihre Zigarette an einem brennenden Porträt des Obersten Führers des Iran an, Ajatollah Ali Chamenei. Auf X werden Screenshots davon als "eines der stärksten Bilder der iranischen Revolution gegen die Tyrannei" gefeiert. Ein anderer Nutzer kommentiert: "Das Ende der Unterdrückung im islamischen Iran beginnt hier. Eine freie Frau - keine Burka, keine Scharia."

Eine junge Frau zündet eine Zigarette an einem Bild von Ajatollah Ali Chamenei an. In Sozialen Medien wird fälschlicherweise behauptet, dass das Bild in Iran aufgenommen wurde. Ein Abgleich mit Google Street View zeigt aber, dass es auf einem Parkplatz in Richmond Hill in Kanada aufgenommen wurde.
Quelle: ZDFheute

Allerdings stammen das Video und die daraus geteilten Bilder nicht aus Iran, sondern aus Kanada. Die Bilder wurden auf einem Parkplatz in Richmond Hill aufgenommen, nördlich von Toronto. Auf Google Street View lässt sich das Gebäude im Hintergrund des Videos eindeutig als Oak Ridges Library identifizieren.

Dass die Aufnahmen bereits aus dem Jahr 2022 stammen sollen, wie auf X mehrfach behauptet wird, kann ZDFheute dagegen nicht bestätigen. Bilder-Rückwärtssuchen zeigen, dass sie erstmals in der vergangenen Woche im Internet hochgeladen wurden. Auch der Abgleich mit Wetterdaten für Richmond Hill lässt keine Zweifel an der Aktualität des Bildes aufkommen.

Proteste im Iran: brennende Barrikaden auf der Straße in Gorgan

Die autoritäre Staatsmacht in Teheran reagiert mit aller Härte. Zugleich mehren sich Hinweise auf diplomatische Initiativen. "Der Iran will verhandeln", sagte US-Präsident Trump.

12.01.2026 | 2:42 min

So lässt sich die Internetzensur umgehen

Doch wie kommen überhaupt aktuelle Bilder aus Iran in die Sozialen Medien? Die Internet-Beobachter Netblocks verweisen auf X auf mehrere Möglichkeiten, die Zensur zu umgehen:

  • Satellitengestützter Internetzugang - etwa über den Dienst Starlink von SpaceX
  • Nutzung von Satellitentelefonen
  • Kurzwellen- und Amateurfunk
  • Mobilfunkmasten an der Grenze

Videos können zudem mit Zeitverzug von Menschen veröffentlicht werden, die Iran verlassen haben.

Bilder aus Iran zeigen auch Tote

In den Sozialen Medien kursieren auch Bilder von Toten. So gibt es beispielsweise Aufnahmen mehrere geschlossener Leichensäcke in einer Halle, die sich südlich von Teheran befinden soll. Diese Aufnahmen sind aktuell nur schwer zu verifizieren.

Iraner versammeln sich während einer Protestaktion in Teheran, Iran, am 9. Januar 2026 und blockieren dabei eine Straße. Die landesweiten Proteste gegen die gescheiterte Wirtschaftspolitik begannen Ende Dezember im Großen Basar von Teheran, breiteten sich auf Universitäten und andere Städte aus und umfassten wirtschaftliche, politische und regierungsfeindliche Parolen.

Trotz steigender Todeszahlen und Drohungen der Behörden gehen die landesweiten Proteste gegen die Führung in Teheran weiter. Der Zugang zum Internet bleibt gesperrt.

11.01.2026 | 3:02 min

Die Proteste in Iran hatten sich seit dem 28. Dezember ausgeweitet. Sie entzündeten sich zunächst am Rekordverfall der Landeswährung Rial gegenüber dem Dollar und richteten sich bald zusehends gegen die iranische Theokratie insgesamt.

Nach Angaben von Aktivisten sind dabei bislang mehr als 500 Menschen getötet worden, überwiegend Demonstranten. Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk Human Rights Activists News Agency (HRANA) sprach am Montag von mindestens 544 Todesopfern und einer womöglich hohen Dunkelziffer. Zudem seien mehr als 10.600 Menschen festgenommen worden.

Weitere Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit in unserem Liveblog zu den Protesten in Iran.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 12.01.2026 ab 19:30 Uhr.

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