Iran in Aufruhr: Was man über die Proteste wissen sollte

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Unruhen als Belastungstest für Teheran:Iran in Aufruhr: Was man über die Proteste wissen sollte

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In Iran bahnt sich der Zorn über die schlechte Wirtschaftslage und die autoritäre Staatsführung seinen Weg. Was hinter den aktuellen Protesten steckt - ein Überblick.

Exil-Iraner demonstrieren auf dem Kurfürstendamm ihre Solidarität mit den Protesten im Iran

In Iran gehen weiter Tausende gegen das Regime auf die Straßen – trotz Internetsperre und Gewaltandrohungen. Auslöser war die Wirtschaftskrise im Land.

10.01.2026 | 2:15 min

In Iran haben am zweiten Abend in Folge massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Zu Aufmärschen kam es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad.

Auslöser war zunächst die anhaltende Wirtschaftskrise, doch mittlerweile haben sich die Demonstrationen zu einem ernsthaften Belastungstest für die Staatsführung ausgeweitet. Hier einige Antworten auf zentrale Fragen.

Was sind die Auslöser der aktuellen Proteste in Iran?

Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch die massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial, die an einem Tag um gut sechs Prozent an Wert verlor. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler spontan auf die Straße, da ihnen Verluste drohten.

Scahltgespräch Gökdemir und Zamirirad

Demonstrierende spürten durch Trumps Androhung die "Verletzlichkeit autoritärer Systeme", sagt Azadeh Zamirirad, Iran-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik.

10.01.2026 | 4:06 min

Inzwischen haben sich die Proteste auf viele Landesteile ausgeweitet - und gehen weit über den wirtschaftlichen Frust hinaus. Wie bei den großen Aufständen der vergangenen Jahre fordern die Demonstrierenden inzwischen ganz offen ein Ende der autoritären Staatsführung der Islamischen Republik.

Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren - befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise, politische Repression und internationale Isolation. Am Donnerstag eskalierten die Unruhen und mündeten in Massenproteste, wie sie Iran seit Jahren nicht mehr erlebt hat.

Die Wirtschaft und das politische System in Iran stecken in einer tiefen Krise. Seit Dezember gibt es immer wieder Proteste: Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Seit der Islamischen Revolution 1979 hält sich das Mullah-Regime um den Obersten Führer an der Macht, seit 1989 ist das Ajatollah Ali Chamenei. Präsident ist seit 2024 Massud Peseschkian. Hauptstadt ist Teheran. Circa 92 Mio. Einwohner. Menschenrechte stark eingeschränkt. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut – internationale Sanktionen, Misswirtschaft und Korruption verschlimmern die Lage. Internationale Befürchtungen, dass Iran Atomwaffen bauen will.

Wer hat das Sagen in Iran?

Iran ist etwa viermal so groß wie Deutschland, rund 90 Millionen Menschen leben dort. Seit fast fünf Jahrzehnten herrscht eine autoritäre Staatsführung. Der schiitische Islam ist Staatsreligion, die Macht liegt konzentriert beim obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, der in allen strategischen Fragen das letzte Wort hat. Auch bei früheren Protesten richtete sich der Zorn der Bevölkerung offen gegen seine Autorität.

Eine iranische Flagge weht während einer Protestaktion gegen das derzeitige iranische Regime.

Die landesweiten Proteste weiten sich aus. Irans Führung hat das Internet abgestellt, nur wenig dringt aus dem Land. Auf Videos sind brennende Gebäude und Fahrzeuge zu sehen.

09.01.2026 | 2:33 min

Ein weiteres Machtzentrum sind die iranischen Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes. Sie wurden nach der Islamischen Revolution 1979 gegründet, um einen möglichen Staatsstreich zu verhindern. Heute sind sie weit mächtiger als die regulären Streitkräfte. In den vergangenen Jahrzehnten wurden sie nicht nur militärisch massiv aufgerüstet, sondern haben auch ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einfluss ausgebaut - unter anderem mit Beteiligungen an Hotelketten und Fluggesellschaften.

Warum dringen so wenige Nachrichten aus Iran nach außen?

Aktuell hat der iranische Sicherheitsapparat das Internet für die Bevölkerung komplett abgeschaltet. Laut Beobachtern verfolgt die Führung damit vor allem zwei Ziele. Zum einen soll es Demonstrierenden erschweren, Proteste zu organisieren. Zum anderen soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Unruhen unterdrückt werden.

Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad und Christian Sievers sprechen im Schaltgespräch über Iran

Es sei ein nationaler Aufstand gegen die Islamische Republik Iran. "Alle gesellschaftlichen Gruppen sind mit dabei", sagt Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad.

09.01.2026 | 4:41 min

Ein vollständiger "Blackout" des Internets mitten in einer Protestwelle schürt bei vielen Iranerinnen und Iranern derzeit die Sorge vor massiven staatlichen Repressionen - ähnlich wie zuletzt 2019. Damals verhängte der Staat eine fast einwöchige Internetsperre. Laut Schätzungen von Menschenrechtlern wurden dabei Hunderte Demonstrierende getötet.

Demonstranten nehmen am 10. Januar 2026 in Frankfurt am Main an einem Protest gegen die iranische Regierung teil.

In Berlin und Frankfurt haben Hunderte Menschen gegen die iranische Regierung und für einen Machtwechsel demonstriert.

10.01.2026 | 0:46 min

Welche Rolle spielt die Opposition?

In Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Auch die sogenannten Reformer, zu denen Präsident Massud Peseschkian zählt, gelten unter Protestteilnehmern als Teil des islamischen Herrschaftssystems, die keine grundlegenden politischen Änderungen bewirken können.

Iran: "Barrikaden auf den Hauptstraßen"

"Zigtausende sind im ganzen Land auf die Straßen gegangen", so ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Teheran. Die Polizei hätte mit "sehr viel Tränengas", geantwortet und es "habe auch Tote gegeben".

09.01.2026 | 3:13 min

Viele Landesbewohner setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan "Lang lebe der König" - ein Verweis auf den im Exil lebenden Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Er hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten in Iran aufgerufen, denen sich zahlreiche Menschen anschlossen.

Lange Zeit galt die iranische Exil-Opposition als zersplittert und zerstritten und auch jetzt ringen einige Akteure um eine Führungsrolle. Pahlavis aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet.

Lage in Teheran spitzt sich zu
:Von der Leyen: EU steht "voll" hinter Protesten in Iran

Die EU stellt sich an die Seite der Protestierenden in Iran. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilt die "gewaltsame Unterdrückung". Alle Entwicklungen im Liveblog.
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Quelle: ZDF, dpa
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, zuletzt die heute-Nachrichten am 10.01.2026 ab 19:00 Uhr, ZDF heute Xpress am 10.01.2026 ab 09:41 Uhr, sowie die heute-Nachrichten am 09.01.2026 ab 19:00 Uhr
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