ZDF-Korrespondentin im Iran: "Angst hier im Land sehr groß"

ZDF-Korrespondentin Gaa in Teheran:Proteste im Iran: "Angst hier im Land sehr groß"

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Barrikaden und brennende Fahrzeuge: Demonstranten im Iran haben ihre Proteste fortgesetzt. Die Wut sei groß - aber auch die Angst vor Polizeigewalt, so ZDF-Korrespondentin Gaa.

Iran: "Barrikaden auf den Hauptstraßen"

"Zigtausende sind im ganzen Land auf die Straßen gegangen", so ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Teheran. Die Polizei habe mit "sehr viel Tränengas" geantwortet.

09.01.2026 | 3:13 min

Demonstranten im Iran haben am Freitagmorgen ihre Proteste gegen die Regierung und die schwierige Wirtschaftslage fortgesetzt. Am Vorabend hatten die Demonstrationen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht - "zigtausende Menschen" gingen nach Einschätzung von Korrespondentin Phoebe Gaa im ganzen Land auf die Straßen, wie sie am Freitag im ZDF-Morgenmagazin aus Teheran berichtete.

Allein hier um unser Büro herum haben wir gesehen, wie auf den Hauptstraßen Barrikaden errichtet wurden, wie Fahrzeuge gebrannt haben, Mülltonnen.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin im Iran

Auf Videos, die in sozialen Netzwerken geteilt wurden, habe sie gesehen, dass auch eine Moschee in der iranischen Hauptstadt gebrannt haben soll. "Das zeigt ganz deutlich die Wut der Menschen, die sich aufgestaut hat gegen das islamische Regime hier im Land."

Demonstrierende maschieren über befahrene Straße in Innenstadt von Teheran

Die seit mehr als einer Woche andauernden landesweiten Proteste in Iran spitzen sich zu. Videos zeigen Menschenmassen und brennende Fahrzeuge.

08.01.2026 | 0:24 min

Korrespondentin in Teheran: "Sehr viel Tränengas" und Schüsse

Die Polizeikräfte im Iran seien mit "sehr viel Tränengas" gegen die Demonstrierenden vorgegangen, sagte Gaa weiter. Präsident Massud Peseschkian hingegen hatte die Sicherheitskräfte am Mittwoch noch zur Zurückhaltung gegenüber friedlich Protestierenden aufgerufen - nicht jedoch gegenüber gewalttägigen "Aufrührern".

Ein Demonstrationsteilnehmer habe berichtet, dass die Polizeikräfte auch gezielt auf Demonstrierende geschossen hätte. Es habe Tote gegeben. Diese Angaben ließen sich nicht überprüfen, betonte Gaa. Aber:

Wir haben auch Schüsse und Explosionen gehört.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin im Iran

Die Angst im Land sei "sehr groß, dass das Regime mit der gleichen brutalen Härte gegen diese Protestbewegung vorgeht, sie niederschlagen wird, so wie sie das eben bei früheren Protesten getan haben und zum Beispiel beginnt, verhaftete Demonstrationsteilnehmer hinzurichten".

SGS Sepehri

"Die Menschen in Iran rufen nicht nach Reformen, sie rufen nach einem Ende des Regimes", sagt die Journalistin und Aktivistin Daniela Sepehri über die andauernde Protestwelle in Iran.

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Sohn des Schahs rief zu Protesten auf

Im Vergleich zu früheren Protesten, etwa nach dem Tod von Mahsa Amini im Gewahrsam der sogenannten Sittenpolizei, gebe es einen "ganz großen Unterschied", berichtete Gaa, "dass sich hier eine Führungsfigur zeigt". Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hatte aus dem Exil zu den Protesten am Donnerstag und Freitag aufgerufen.

Pahlavi versuche seit Jahren, "sich als Oppositionsfigur zu etablieren", sagte Gaa. Er sei bisher aber "hochumstritten" gewesen, weil er seit seiner Kindheit nicht mehr im Iran gelebt habe, keine Regierungserfahrung aufweise und auch nicht klar sei, für welche politische Richtung er stehen würde.

Die Wirtschaft und das politische System in Iran stecken in einer tiefen Krise. Seit Dezember gibt es immer wieder Proteste: Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Seit der Islamischen Revolution 1979 hält sich das Mullah-Regime um den Obersten Führer an der Macht, seit 1989 ist das Ajatollah Ali Chamenei. Präsident ist seit 2024 Massud Peseschkian. Hauptstadt ist Teheran. Circa 92 Mio. Einwohner. Menschenrechte stark eingeschränkt. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut – internationale Sanktionen, Misswirtschaft und Korruption verschlimmern die Lage. Internationale Befürchtungen, dass Iran Atomwaffen bauen will.

Auf den Straßen sei immer wieder der Ruf "Lang lebe der König" zu hören, Demonstrierende schwenkten außerdem die Fahne, die vor der Islamischen Revolution im Iran galt.

Aber es ist viel zu früh zu sagen, was das tatsächlich bewirken kann und auch, ob die Opposition sich auf ihn [den Sohn des Schahs] einigen könnte.

Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin im Iran

Protest von Wirtschaftskrise ausgelöst

Die neue Protestwelle erschüttert den Iran seit Ende Dezember. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. 

Quelle: Mit Material von dpa und AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 09.01.2026 ab 5:30 Uhr.
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