Iran: Tote bei Protesten gegen Inflation und Staatsführung

FAQ

Demonstrationen im ganzen Land:Iran: Tote bei Protesten gegen Inflation und Staatsführung

|

Schwere Wirtschaftskrise und politische Wut: Im Iran eskalieren die Proteste gegen das System. Das Regime reagiert mit Härte, es gibt Tote.

Demonstranten marschieren in der Innenstadt von Teheran bei einem Protest gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen.

Wegen der schlechten Wirtschaftslage und massiv steigender Preise gehen in Iran landesweit seit Tagen Menschen gegen die Regierung auf die Straße.

31.12.2025 | 1:33 min

Den fünften Tag in Folge sind Menschenmassen im Iran angesichts der schweren Wirtschaftskrise gegen die autoritäre Staatsführung auf die Straße gegangen. Während Augenzeugen zufolge in den Metropolen Sicherheitskräfte mit einem massiven Aufgebot einrückten, ging der Staat vor allem auf dem Land mit Härte gegen Demonstrationen vor.

Mindestens drei Menschen kamen bei den Protesten ums Leben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den aktuellen Entwicklungen:

Warum gibt es jetzt neue Proteste?

Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan gingen vor allem Händler von Elektronikgeschäften in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Angesichts der Kursschwankungen konnten sie keine verlässlichen Preise für ihre Importware mehr nennen und wussten nicht, welche Verluste ihnen aus bereits verkauften Produkten drohen.

Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studierendenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen erneut zu Demonstrationen auf.

Mindestens zwei Demonstranten wurden in Lordegan im zentralen Süden getötet, wie die Menschenrechtsgruppe Hengaw berichtete. Auch die staatsnahe Nachrichtenagentur Fars meldete zwei Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Protestteilnehmern und Sicherheitskräften in der Stadt. Zudem gibt es Berichte über einen weiteren Toten in Kuhdascht in der westlichen Provinz Lorestan.

Wie steht es um die wirtschaftliche Lage des Irans?

Die wirtschaftliche Lage im Iran bleibt prekär. Trotz umfangreicher Ölreserven steckt das Land mit seinen knapp 90 Millionen Einwohnern in einer schweren Krise - ohne erkennbare Perspektive auf Besserung. Scharfe internationale Sanktionen haben Teheran zunehmend in die Arme von Russland und China getrieben.

Allein im vergangenen Monat verlor die Landeswährung Rial fast 20 Prozent an Wert. Die Inflation liegt laut offiziellen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders die junge Generation fürchtet den sozialen Abstieg. Zugleich wächst die Kritik an der außenpolitischen Linie der Führung: Im Konflikt mit Israel fließt ein erheblicher Teil des Haushalts in militärische Ausgaben.

Iran-Israel-Konflikt

Ihr Verhältnis war über Jahrzehnte von Kooperation und enger Partnerschaft geprägt. Doch heute stehen die Zeichen auf Eskalation. Woher kommt die Rivalität und der Hass?

24.11.2024 | 30:05 min

Was fordern die Demonstranten?

Die Demonstrierenden fordern einen tiefgreifenden politischen Wandel hin zu einem säkularen System und das Ende der islamischen Herrschaft. Ihr Ziel: ein moderner Iran - frei von religiösen Vorschriften und staatlicher Repression, in Frieden mit der Welt, einschließlich des langjährigen Erzfeindes Israel.

Wie könnte es jetzt weitergehen?

Ob sich die aktuellen Proteste erneut zu einem landesweiten Aufstand wie im Herbst 2022 ausweiten, bleibt ungewiss. In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Iran immer wieder von massiven Protestwellen erschüttert - die Führung reagierte jedes Mal mit Repressionen. Nach den Demonstrationen unter dem Slogan "Frau, Leben, Freiheit" ließ die Justiz mehrere Männer hinrichten und Tausende Menschen festnehmen.

Nach dem zwölftägigen Krieg im Juni und dem anhaltenden Konflikt mit Israel steht die Führung erneut unter Druck. Die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht und wirtschaftlicher Machtfaktor mit Beteiligungen an Hotels, Fluggesellschaften und Rüstungsfirmen, haben dabei ein doppeltes Interesse am Status quo: politisch und ökonomisch.

Vor diesem Hintergrund überraschte die Regierung mit versöhnlichen Signalen. Präsident Massud Peseschkian räumte Fehler seiner Regierung ein. Mit ungewöhnlicher Offenheit erklärte er, Staat und Banken trügen die Schuld an der hohen Inflation. Der Präsident kündigte Reformen an und setzte den umstrittenen Zentralbankchef ab. An seine Stelle rückte ein Vertrauter Peseschkians, Abdolnasser Hemmati, der bereits früher das Amt innehatte. Ob er mit seinen Maßnahmen Gehör findet, ist unklar.

Narges Mohammadi - 2025

Die iranische Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi ist Mitte Dezember laut Unterstützern festgenommen worden - zusammen mit weiteren Aktivisten.

12.12.2025 | 0:32 min

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete die Sendung heute am 31.12.2025 ab 19 Uhr.
Thema

Mehr zum Iran

  1. Iranische Ladenbesitzer und Händler protestieren gegen die wirtschaftlichen Bedingungen in Teheran, Iran, 29.12.2025.
    FAQ

    Demonstrationen im ganzen Land:Iran: Tote bei Protesten gegen Inflation und Staatsführung

    mit Video1:33

  2. Demonstranten marschieren in der Innenstadt von Teheran bei einem Protest gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen.

    Nachrichten | heute 19:00 Uhr:Massenproteste in Iran

    von Isabelle Tümena
    Video1:33

  3.  Demonstranten demonstrieren gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in Teheran.

    Kritik an der Regierung:Iraner protestieren gegen Wirtschaftskrise

    Video0:21

  4. US-Präsident Trump empfängt Israels Ministerpräsident Netanjahu

    Treffen mit Netanjahu in Florida:Trump droht Iran mit Militärschlag im Fall von Neuaufrüstung

    mit Video2:34

  5. Helene Reiner in "heute journal - der Podcast"

    heute journal - der Podcast:Was uns 2025 bewegt hat

    Video13:14

  6. Narges Mohammadi - 2025

    Friedensnobelpreisträgerin:Narges Mohammadi im Iran festgenommen

    Video0:32

  7. Trump mit ernstem Blick

    Sanktioniertes Öl soll Grund sein:Trump: USA haben Tanker vor Venezuela beschlagnahmt

    mit Video0:35

  8. Kampf für Menschenrechte aus dem Exil

    Nachrichten | heute journal update:Kampf für Menschenrechte aus dem Exil

    von Kamran Safiarian
    Video2:46