Azadeh Zamirirad:Politologin: US-Drohung ist Antrieb für Iran-Proteste
Demonstrierende spürten durch Trumps Androhung die "Verletzlichkeit autoritärer Systeme", sagt Azadeh Zamirirad, Iran-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik im ZDF.
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10.01.2026 | 4:06 minIn Iran hat es am Freitagabend erneut Proteste gegeben. Trotz des harten Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte und einer Internetblockade versammelte sich wieder eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran.
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Warum es in Iran zu den Protesten kam und welche Reaktionen aus den USA zu erwarten sind, darauf hat Iran-Expertin Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik Antworten.
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… ist Wissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Die promovierte Politologin arbeitet dort als Leiterin der Forschungsgruppe Afrika und Mittlerer Osten. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört auch der Iran.
Die SWP berät auf der Grundlage eigener Forschung Bundestag und Bundesregierung in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik.
Im Interview mit dem ZDF heute journal update betont die Iran-Expertin, dass...
... Iran unter massivem innen- und außenpolitischen Druck steht
Politikwissenschaftlerin Zamirirad sieht Iran derzeit mit einer außergewöhnlichen Zuspitzung mehrerer Krisen konfrontiert. Es sei "nicht das erste Mal", dass der Eindruck entstehe, die Islamische Republik stehe "am Rande eines politischen Kollapses", sagt sie. Gleichzeitig habe sich das System immer wieder als "erstaunlich widerstandsfähig" erwiesen.
Dennoch sei die aktuelle Situation "eine recht ungewöhnliche Gemengelage". Die "Anzahl und Intensität der Krisen", die sich in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt hätten, gingen "über das Maß hinaus, was dieses System eigentlich gewohnt ist".
Die Iran-Expertin verweist unter anderem auf:
- den Krieg mit Israel, an dem auch die USA beteiligt gewesen seien
- landesweite Lkw-Streiks und Proteste von Lehrerverbänden
- eine "beispiellose Energiekrise" mit Wasserknappheit und teils täglichen Stromausfällen, selbst in Teheran
Hinzu kämen "massiver innen- und außenpolitischer Druck" sowie neue Proteste aus dem Basar, dem einflussreichen Netzwerk von Händlern, das lange als Stütze des Regimes galt.
Das ist schon eine ungewöhnliche Mischung, die doch eine sehr ernsthafte Herausforderung darstellt.
Azadeh Zamirirad, Iran-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik
Die Proteste gegen die autoritäre Staatsführung in Iran sind weiter gewachsen. Die Demonstranten kritisieren die schwache wirtschaftliche Lage und den Verfall der landesinternen Währung.
10.01.2026 | 0:23 min... Trump willens ist in andere Staaten zu intervenieren
Nach dem Aufruf des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei zu härterem Vorgehen gegen Demonstrierende richtet sich der Blick auch auf mögliche Reaktionen der USA. Gegenüber dem ZDF erinnert die Iran-Expertin daran, dass US-Präsident Donald Trump "zumindest gezeigt [habe], dass er willens ist, in andere Staaten zu intervenieren und autoritäre Machthaber abzusetzen". Als Beispiel nennt sie Venezuela.
Auch gegenüber Iran habe Trump mehrfach Bereitschaft signalisiert, militärisch vorzugehen. "Das haben wir gesehen, als die USA sich an Militärschlägen der Israelis gegen iranische Nuklearanlagen im Sommer beteiligt haben." Damit sei "zumindest dieses Szenario denkbar".
Die landesweiten Proteste weiten sich aus. Irans Führung hat das Internet abgestellt, nur wenig dringt aus dem Land. Auf Videos sind brennende Gebäude und Fahrzeuge zu sehen.
09.01.2026 | 2:33 minSchon allein die Möglichkeit einer US-Intervention habe erhebliche Auswirkungen: Sie spricht von einem "enormen psychologischen Effekt, auch für die Demonstrierenden auf den iranischen Straßen", weil autoritäre Regime ihre Verletzlichkeit auf internationaler Ebene spürten.
Selbst die Ungewissheit darüber, ob die USA tatsächlich eingreifen könnten, "bedeutet durchaus Antrieb [...] für Demonstrierende", betont sie. Genau dieser Effekt bereite der iranischen Führung Sorge, "völlig ungeachtet davon, ob nun die Amerikaner wirklich intervenieren oder nicht".
Es gäbe keine bekannten Hinweise auf eine direkte Einflussnahme der USA in Iran, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Trump habe sich geweigert Reza Pahlavi zu treffen.
09.01.2026 | 6:32 min... Pahlavi kein gemeinsamer Oppositionsführer ist
Für Aufmerksamkeit sorgt auch der im Exil lebende iranische Kronprinz Reza Pahlavi, der unter anderem zu Kundgebungen gegen Irans Führung aufgerufen hatte. Zamirirad beschreibt den Sohn des 1979 gestürzten Schahs Reza Pahlavi als "sicherlich eine umstrittene Figur, sowohl innerhalb Irans als auch außerhalb" und betont, er sei "keine Integrationsfigur", die die Opposition hinter sich vereinen könne.
Dennoch verfüge er über "eine Plattform mit einer zum Teil recht großen Reichweite".
Es sei ein nationaler Aufstand gegen die Islamische Republik Iran. "Alle gesellschaftlichen Gruppen sind mit dabei", sagt Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad.
09.01.2026 | 4:41 minViele Iranerinnen und Iraner unterschieden zwischen Pahlavi "als Vehikel für Mobilisierung" und Pahlavi "als mögliche politische Führungsfigur". Als Mobilisierungsfaktor werde er auch von Kritikern als hilfreich gesehen, "weil sie seine Plattform als hilfreich empfinden für kollektives Handeln".
Zahlreiche Menschen seien seinem Aufruf gefolgt, doch, "das heißt aber nicht, dass er deswegen eine politische Führungsfigur für uns wäre".
Es sei unklar, wer oder was Chamenei folgen soll. Innerhalb der Eliten gäbe es nicht mehr die starke Kohärenz wie noch vor einigen Jahren, sagt die Iran-Expertin Azadeh Zamirirad.
09.01.2026 | 24:08 minDas Interview führte Nazan Gökdemir, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.
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