ZDF-Korrespondentin in Iran:Gaa: In Teheran "keine Demonstrierenden mehr gesehen"
Teheran geht weiter brutal gegen die Protestwelle im Land vor. Als eine der wenigen ausländischen Journalisten in Iran schildert ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ihre Eindrücke.
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist eine der wenigen westlichen Journalisten in Iran. Am Telefon schildert sie ihre Eindrücke aus Teheran.
14.01.2026 | 2:05 minDie Lage in Iran ist unübersichtlich. Aktivisten melden mehr als 2500 Tote bei den Protesten. Weil die iranische Staatsführung das Internet im Land abgeschaltet hat, dringen nur wenige Informationen nach außen. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist eine der wenigen ausländischen Journalisten in Iran - und berichtet exklusiv aus Teheran:
Die Lage hier ist einigermaßen angespannt, die Stimmung sehr gedämpft.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
Größere Proteste seien derzeit nicht zu erkennen. An den Orten in Teheran, an denen am vergangenen Donnerstag und Freitag große Demonstrationen stattgefunden hatten, habe sie am gestrigen Abend "nur Sicherheitskräfte gesehen".
Der iranische Staat scheint relativ gesichert zu sein. "Die sunnitischen Gruppen, die wichtigste Gruppe, die eigene Forderungen stellt, war nicht auf dem Plan" – so Iran-Experte Walter Posch.
14.01.2026 | 5:22 minRevolutionsgarden kontrollieren auf den Straßen Teherans
Die Revolutionsgarden des iranischen Regimes hätten "Checkpoints" in der Hauptstadt des Landes eingerichtet: "Es wird ganz genau beobachtet, wer sich durch die Stadt bewegt."
Aber wir haben keine Demonstrierenden mehr gesehen.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
"Die Menschen hier haben ja sehr wenige Informationsquellen", berichtet Gaa weiter. Über zwei iranische Exil-Sender, die über Satellit empfangbar seien, hätten sich die Nachrichten über die vielen getöteten Demonstranten verbreitet.
Das macht den Leuten hier große Sorge.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
"Es ist wahnsinnig gefährlich, auf die Straße zu gehen und sich regierungskritisch zu zeigen", beschreibt ZDF-Reporterin Gaa die Lage in Iran.
13.01.2026 | 4:55 minTrump droht Irans Regierung - Bevölkerung gespalten
US-Präsident Donald Trump hatte Iran im Falle der Hinrichtung festgenommener Demonstranten zuletzt mehrfach mit einer scharfen Reaktion gedroht. In einem Post auf der Online-Plattform stellte Trump zudem US-Unterstützung in Aussicht: "Hilfe ist unterwegs", schrieb er dort. Angesichts der Drohungen zeige sich die iranische Führung "sehr entschlossen", berichtet Gaa.
Ein Militärschlag im Iran sei schwer vorstellbar. "Wir wissen, dass die USA derzeit keinen Flugzeugträger, keine Flugzeugträgergruppe in der Region haben", so Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent.
14.01.2026 | 1:31 minTeheran habe angekündigt, für den Fall eines US-Eingreifens Militärbasen der USA sowie Schiffe der US-Marine in der Region zu "legitimen Zielen" zu erklären, so Gaa. Ein mögliches Eingreifen werde in der iranischen Bevölkerung gespalten aufgenommen:
Bei den Leuten sehe ich eine geteilte Reaktion.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
"Es gibt Menschen, die sich hier tatsächlich wünschen, dass die Proteste irgendwie aus dem Ausland unterstützt werden", da sie befürchteten, dass die Straßenproteste andernfalls nicht weitergehen würden.
Donald Trump bekräftigt seine Absichten, den iranischen Demonstranten beim Kampf gegen das repressive Regime zu helfen. Wie diese Hilfe aussehen soll, bleibt aber bisher unklar.
14.01.2026 | 1:30 min"Es gibt aber auch sehr viele Menschen, die Angst genau davor haben, dass sich ausländische Kräfte einmischen", so Gaa. Es bestehe die Sorge, "dass das dann bedeuten könnte, dass das zu einer Eskalation hier führen könnte."
Aktivisten melden mehr als 2.500 Tote
Die Zahl der Todesopfer bei den Protesten in Iran ist nach Angaben der in den USA ansässigen Gruppe Human Rights Activists News Agency (HRANA) auf mindestens 2.571 gestiegen. Bei mehr als 2.400 der Toten handele es sich um regierungskritische Demonstranten, 147 weitere hätten mit der Führung in Teheran in Verbindung gestanden. Mehr als 18.100 Menschen seien verhaftet worden.
"Es ist extrem schwierig für die Menschen, sich zu versammeln", sagt Phoebe Gaa in Teheran.
13.01.2026 | 1:54 minUnabhängig ließen sich die Zahlen von HRANA nicht überprüfen. Bei früheren Protesten hatte die Organisation aber verlässliche und letztlich akkurate Zahlen geliefert.
Das Interview führte ZDF-Mima-Moderatorin Mirjam Meinhardt. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.
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