Keine Proteste in Teheran mehr zu sehen:Gaa in Iran: "Angst unter den Leuten ist sehr groß"
Von Protesten sei in Irans Hauptstadt Teheran nichts mehr zu sehen, berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa. Die Menschen fürchteten sich vor der Gewalt der Regimeschergen.
Trotz der Warnungen von US-Präsident Donald Trump klagt die iranische Justiz erste Demonstranten an und droht dabei auch mit der Todesstrafe. Phoebe Gaa berichtet vor Ort.
14.01.2026 | 1:24 minNach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen im Iran herrscht in den Metropolen eine angespannte Ruhe. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtet aus der Hauptstadt Teheran: "Das Sicherheitsaufgebot in der Stadt ist sehr groß. Die Sicherheitskräfte stehen an den Plätzen, an denen die Menschen sich am Donnerstag und Freitag versammelt hatten."
Es gibt Checkpoints in der Stadt, wo die Revolutionsgarden ganz genau beobachten, wer sich wie durch die Stadt bewegt.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
In den vergangenen Tagen und Nächten seien keine Proteste mehr zu sehen gewesen, so Gaa weiter. "Die Angst unter den Leuten ist sehr groß davor, verhaftet zu werden oder davor, dass es bei diesen Protesten dann zu Gewalteinsätzen kommt."
Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Am Dienstag wurden einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben.
Der iranische Staat scheint relativ gesichert zu sein. "Die sunnitischen Gruppen, die wichtigste Gruppe, die eigene Forderungen stellt, war nicht auf dem Plan" – so Iran-Experte Walter Posch.
14.01.2026 | 5:22 minBericht: Repression könnte Demonstranten abgeschreckt haben
Der Bericht wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der Internetsperre nur wenige Informationen nach außen gelangen. Am vergangenen Donnerstag zählte das CTP noch 156 Demonstrationen in 27 der 31 iranischen Provinzen. Die Autoren verwiesen zudem auf die hohe Zahl an Todesopfern bei den Unruhen, die sich allerdings nicht unabhängig verifizieren ließ.
"Die iranische Führung hat vor ein paar Tagen schon ganz klar kommuniziert (...), dass jeder, der sich an den regierungskritischen Protesten beteiligt (...), als Terrorist angesehen würde und dementsprechend bestraft werden würde", berichtet Phoebe Gaa.
Das sind teilweise Straftatbestände, auf denen hier im Iran die Hinrichtung steht.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw sind seit Protestbeginn mehr als 2.500 Menschen ums Leben gekommen.
Der Iran will Demonstranten nun im "Schnellverfahren" verurteilen, auch Todesurteile sollen verhängt werden. EU-Parlamentspräsidentin Metsola fordert eine stärkere Unterstützung der Proteste.
14.01.2026 | 0:28 minIrans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen Proteste vor
Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen die Massenproteste vor, die der Staat als ausländische Intervention bezeichnet. Außenminister Abbas Araghtschi verteidigte in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen das Vorgehen der Staatsmacht. Ursprünglich friedliche Proteste seien durch "ausgebildete terroristische Elemente" in Gewalt umgeschlagen, sagte er.
In einer Provinz meldete der Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden die Festnahme mehrerer "Hauptverantwortlicher" der Unruhen. Die Generalstaatsanwaltschaft warnte unterdessen vor einer Zusammenarbeit mit dem persischsprachigen Exilsender "Iran International", den viele Iranerinnen und Iraner trotz Internetsperre in den vergangenen Tagen in ihren Wohnzimmern empfangen konnten.
US-Präsident droht Teheran zum wiederholten Mal
US-Präsident Donald Trump hatte die Staatsführung der Islamischen Republik Iran vor der Hinrichtung von Teilnehmern der jüngsten Massenproteste gewarnt. "Wir werden sehr hart reagieren", sagte der Republikaner dem TV-Sender CBS News in Detroit. Näher führte Trump seine Drohung nicht aus. Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht gestellt. "Falls sie das machen, werden wir sehr entschlossen handeln", sagte Trump.
Donald Trump bekräftigt seine Absichten, den iranischen Demonstranten beim Kampf gegen das repressive Regime zu helfen. Wie diese Hilfe aussehen soll, bleibt aber bisher unklar.
14.01.2026 | 1:30 minSeit Beginn der Proteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik vor mehr als zwei Wochen hatte Trump dem Iran schon mehrfach mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet würden. Letzteren sagte er nun erneut Unterstützung zu. Hilfe sei unterwegs. Seine Drohungen blieben bislang jedoch folgenlos.
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