Iranische Community voller Sorge:Demonstranten in Iran "werden einfach abgeschlachtet"
von Lisa Jandi
Das iranische Regime geht brutal gegen die eigene Bevölkerung vor. Menschenrechtsgruppen sprechen von tausenden Toten. Wie Exil-Iranerinnen und Iraner bangen - und was sie fordern.
Zwischen Angst, Mitgefühl und Hoffnung verfolgt die iranische Community in Deutschland die Unruhen in Iran. Wegen Internetsperren ist Kontakt zu Angehörigen kaum möglich.
13.01.2026 | 2:33 minApameh Schönauer klebt förmlich am Handy in diesen Tagen, ständig kommen Nachrichten von befreundeten Iranerinnen und Iranern, die wieder etwas aus ihrer Heimat gehört haben. Das islamische Regime hat das Internet und damit die Kommunikation mit der Außenwelt lahmgelegt. Aber wenn etwas nach außen dringt, verbreitet es sich schnell.
Der Blick der deutsch-iranischen Architektin verfinstert sich, als sie die gerade eingetroffene Audio-Nachricht auf Farsi abhört: "Das ist eine Freundin von einer Freundin, die erzählt, ihrem Cousin haben sie letzten Donnerstag ins Herz geschossen und er ist gestorben, mitten auf der Straße."
Videos aus dem Iran zeigen unzählige Leichensäcke
Auf Handy-Videos, die vereinzelt - etwa über das Satellitennetzwerk Starlink - an die Öffentlichkeit gelangen, sind seit Tagen zahllose Leichensäcke zu sehen, verzweifelte Angehörige, die neben Toten knien:
Demonstranten, die ohne irgendeine Waffe auf die Straße gehen, werden einfach abgeschlachtet
Apameh Schönauer
Solange keine Verifikation vor Ort möglich sei, werden Videos und Bilder aus Iran mit verschieden Tools mehrfach auf Aktualität und Verortung geprüft, so ZDF-Faktenchecker Jan Schneider.
12.01.2026 | 5:04 minDer iranischsprachige Exil-Sender Iran International mit Sitz in London hat mithilfe von Quellen innerhalb des Regimes recherchiert: 12.000 Tote sollen seit Beginn der Demonstrationen zu beklagen sein. Die Zahlen lassen sich bislang nicht überprüfen.
Es wäre das größte Massaker der jüngeren iranischen Geschichte.
Daniela Sepehri, Menschenrechtsaktivistin
Es sei "ein Krieg eines Regimes gegen die eigene wehrlose Bevölkerung", sagt die deutsch-iranische Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri.
Offener Brief an Bundesregierung soll Druck erhöhen
Sie fordert massiven Druck der Bundesregierung auf die Machthaber in Teheran und hat dafür einen offenen Brief initiiert. Eine Solidaritätsbekundung mit der Freiheitsbewegung im Iran, unterzeichnet von mehr als 30 Prominenten wie Schauspielerin Katja Riemann. "Halbherzige Appelle reichen nicht" heißt es darin.
Im Iran ist die Zahl der Toten weiter gestiegen, Aktivisten sprechen inzwischen von mehr als 2.500. US-Präsident Trump wiederholte seine Drohung an das Regime in Teheran.
14.01.2026 | 0:24 minDie Bundesregierung solle sich unter anderem für die Aufhebung der Internetsperre und ein Ende der Gewalt durch das Regime im Iran einsetzen. Auch dürfe nicht weiter in den Iran abgeschoben werden.
Kundgebung von Exil-Iranern: "Help us President Trump"
Fast täglich finden derzeit Kundgebungen von Exil-Iranern mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung statt. Vor der amerikanischen Botschaft in Berlin hält eine Gruppe am Dienstag Bilder des Shah Sohns Reza Pahlavi in die Höhe - und von Präsident Trump. "Help us, President Trump" oder "Save Iran" steht darauf.
Der US-Präsident hat dem iranischen Regime wiederholt mit Militärangriffen gedroht, wenn es weiter gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehe. Auf seinem Kurznachrichtendienst schrieb er "Hilfe ist unterwegs" - ohne zu verraten, was genau damit gemeint ist.
In Iran gehen Tausende gegen das Mullah-Regime auf die Straße - trotz Lebensgefahr. ZDFheute live über die Brutalität des Regimes und wie das ZDF Bildmaterial auf Echtheit prüft.
12.01.2026 | 24:21 minJede Hilfe, die das Blutbad stoppen kann, ist richtig, findet Schönauer. Es sei ein zweischneidiges Schwert, sagt Sepehri "weil Menschen in einem Krieg sich natürlich in erster Linie vor Bomben schützen und nicht auf die Straße gehen. Nichtsdestotrotz gibt es Menschen im Iran, die so verzweifelt sind, dass sie denken, nur ein militärisches Eingreifen der USA kann sie vor diesem Regime noch retten."
Angst um Angehörige in Teheran
Im persischen Buchladen "Hedayat" versucht Inhaberin Mehregan Maroufi seit Donnerstag ihre Verwandten in Teheran zu erreichen, doch die Telefonleitungen sind tot. "Das ist eine Geiselnahme, ohne Strom, ohne Internet. Das ist für uns alle schrecklich". Sogar ihre 70-jährigen Tanten seien demonstrieren gegangen, erzählt sie, in der Hoffnung, dass sie es diesmal schaffen, das Regime zu stürzen, ein freies Land für ihre Kinder zu erkämpfen.
Donald Trump bekräftigt seine Absichten, den iranischen Demonstranten beim Kampf gegen das repressive Regime zu helfen. Wie diese Hilfe aussehen soll, bleibt aber bisher unklar.
14.01.2026 | 1:30 minGroß ist die Angst bei dem Gedanken, was passieren könnte, wenn die Demonstrationen niedergeschlagen werden. "Die werden die Menschen abschlachten, sodass sie sich nie wieder trauen, einen Fuß auf die Straße zu setzen" sagt Schönauer.
Schauprozesse, Hinrichtungswellen - das ist es, was die Iraner und Iranerinnen befürchten. In den sozialen Netzwerken tauchen bereits Fotos von Getöteten auf: Frauen, Männer, Kinder. Der Protestierende Erfan Soltani könnte eines der ersten Opfer solcher Schauprozesse sein. Seine Hinrichtung sei laut Menschenrechtsorganisationen für heute angesetzt.
Bundeskanzler Merz hat bei seinem Besuch in Indien geäußert, dass er mit einem baldigen Ende der iranischen Regierung rechne. Könne sich ein Regime nur über Macht halten, sei es am Ende, so Merz.
13.01.2026 | 0:26 minLisa Jandi berichtet aus dem ZDF-Studio in Berlin.
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