Iran: Teheraner schildern Verzweiflung und steigende Preise

Exklusiv

Stimmen aus Iran:Teheraner schildern Verzweiflung und steigende Preise

von Anne Sophie Feil

|

Angst, finanzieller Frust und fehlende Hoffnung: ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa hat mit Menschen in Teheran gesprochen, die von ihren aktuellen Sorgen berichten.

Iraner blockieren während einer Protestaktion in Teheran eine Straße.

US-Präsident Trump will Demonstranten in Iran beim Kampf gegen das repressive Regime helfen – wie bleibt unklar. Das iranische Regime geht mit Gewalt gegen die Proteste vor.

14.01.2026 | 1:31 min

Nach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen in Iran kehrt in den Städten allmählich Normalität zurück. Zwar seien in der Hauptstadt an vielen wichtigen Orten noch Polizisten und Sicherheitskräfte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmaß wie am vergangenen Wochenende, berichteten Einwohner der Millionenmetropole Teheran. 

Sie versuchen, ihrem Alltag wieder nachzugehen. In einer Einkaufsstraße im Norden der iranischen Hauptstadt erzählen Passanten von ihren Sorgen.

Trotz der Warnungen von US-Präsident Donald Trump klagt die iranische Justiz erste Demonstranten an und droht dabei auch mit der Todesstrafe. Phoebe Gaa berichtet vor Ort.

ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa ist eine der wenigen ausländischen Journalisten in Iran - und berichtet exklusiv aus Teheran.

14.01.2026 | 1:24 min

Steigende Preise fressen Einkommen

Die Preise für Grundnahrungsmittel belasten die Haushalte massiv. "Alles ist furchtbar teuer geworden", sagt ein Mann gegenüber ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa. Sie ist eine der wenigen Journalistinnen die aktuell aus Iran berichten.

Eine Frau aus dem Norden Teherans berichtet ihr von drastischen Preissprüngen. Für drei Liter Sesamöl zahlte sie vor zwei Monaten noch 2,1 Millionen Toman - umgerechnet etwa 14,40 Euro. Heute koste die gleiche Menge bereits 2,58 Millionen Toman - 17,70 Euro. Ihr Einkommen dagegen sei nicht gestiegen.

Alle stehen derzeit unter dem Druck der Preisentwicklung. Aber nichts zu kaufen hilft doch auch keinem weiter.

Frau aus dem Norden Teherans

"Die Proteste müssen Früchte tragen", wünscht sich die Teheranerin. Sie sehe unter den aktuellen Umständen keine gute Zukunft für Iran.

Frauen im Iran

Den Glauben an ihre Regierung haben viele Iraner schon lange verloren. Täglich wird für mehrere Stunden der Strom abgestellt. Benzin wird knapp, Wasser ist es schon.

22.08.2025 | 2:47 min

Händler: Umsatz bricht ein

Auch Händler spüren die Krise deutlich. Ein Ladenbesitzer klagt über extremen Umsatzrückgang. Seine Verkäufe sind auf ein Zehntel des früheren Niveaus gesunken. Die Wirtschaftslage verschlechtere sich von Tag zu Tag, sagt der Ladenbesitzer. Die Ursache sieht er in der Politik der Verantwortlichen.

Solange diese Politiker im Amt sind und diesen Kurs fortsetzen, wird sich unsere Lage täglich weiter verschlechtern. Mit der Denkweise dieser Politiker wird sich nichts ändern.

Ladenbesitzer im Norden Teherans

Auch er fordert: "Die Proteste müssen weitergehen." Aktuell herrsche Ruhe, weil die Kommunikationswege gekappt wurden, berichtet der Geschäftsmann. Doch er sei sich sicher, dass die Demonstrationen bald wieder zunehmen.

Die Wirtschaft und das politische System in Iran stecken in einer tiefen Krise. Seit Dezember gibt es immer wieder Proteste: Die Menschen fordern den Sturz der Islamischen Republik. Seit der Islamischen Revolution 1979 hält sich das Mullah-Regime um den Obersten Führer an der Macht, seit 1989 ist das Ajatollah Ali Chamenei. Präsident ist seit 2024 Massud Peseschkian. Hauptstadt ist Teheran. Circa 92 Mio. Einwohner. Menschenrechte stark eingeschränkt. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut – internationale Sanktionen, Misswirtschaft und Korruption verschlimmern die Lage. Internationale Befürchtungen, dass Iran Atomwaffen bauen will.

Feste werden abgesagt

Eine junge Frau bricht im Gespräch mit Phoebe Gaa in Tränen aus. Ihr Beruf sei es, Events wie zum Beispiel Hochzeiten zu planen und zu fotografieren, erzählt sie. Doch seit den jüngsten Ereignissen erhalte sie keine Aufträge mehr, Feste werden abgesagt. "Wenn die Menschen unglücklich sind, feiern sie keine Feste", sagt die Eventplanerin.

Es gibt viel Angst und Panik bei uns, und es bräuchte jemanden, der uns die Lage erklärt und uns Hoffnung macht.

Eventplanerin im Norden Teherans

Das Hauptproblem sei die Lebensgrundlage der Menschen, erklärt die junge Frau. Die wirtschaftlichen Bedingungen seien sehr schlecht. Den Menschen gehe es nicht gut, und niemand übernehme Verantwortung, sagt die Hochzeitsplanerin. Sie habe wenig Hoffnung für die Zukunft.

Protestierende gegen die iranische Regierung versammeln sich bei Nacht auf einem Platz.

In Iran werden die Massenproteste vom Regime brutal niedergeschlagen. Währenddessen stellt Präsident Trump den Demonstrierenden Unterstützung in Aussicht.

14.01.2026 | 2:45 min

"Ich glaube, dass die Dinge teurer werden und sich die Lage verschlechtern wird, aber ich hoffe, dass das nicht eintritt", wirft ihre Freundin ein. Die Menschen hätten Schwierigkeiten, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Selbst diejenigen, denen es wirtschaftlich besser gehe, seien unzufrieden.

Passant: Gesamtlage schrecklich

Die politische Lage bleibt hochexplosiv. Aktivisten melden über 3.400 Tote seit Beginn der Unruhen. Eine Zahl, die sich aktuell nicht überprüfen lässt. Ein weiterer Passant beschreibt die Gesamtlage als "schrecklich". Mehr möchte er über die Proteste oder die Politik nicht sagen, weil er versuche, in Iran vorsichtig zu sein. Die Sorge vor staatlichen Konsequenzen wiegt schwer.

Quelle: Mit Material von dpa
Über dieses Thema berichten mehrere Sendungen, zuletzt die heute-Sendung am 14.01.2026 ab 19:00 Uhr.

Mehr zur Lage im Iran

  1. Exil-Iraner protestieren vor dem Brandenburger Tor gegen das islamische Regime im Iran. Im Vordergrund ist ein Schild mit der Aufschrift "No Internet, No Truth" zu sehen.

    Iranische Community voller Sorge:Demonstranten in Iran "werden einfach abgeschlachtet"

    von Lisa Jandi
    mit Video2:33

  2. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt ein Pressestatement in Bangalore (Indien), aufgenommen am 13.01.2026

    Massendemonstrationen in Iran:Merz sieht Regime in Teheran "faktisch am Ende"

    mit Video0:58

  3. Reza Pahlavi

    Reza Pahlavi ruft zum Umsturz auf:Iran-Proteste: Welche Rolle der Sohn des Schahs spielt

    mit Video23:50

  4. US-Präsident Donald Trump
    Interview