Gaa zu Lage in Iran:Bei Sicherheitskräften keine "Form von Müdigkeit" erkennbar
ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtet als eine von wenigen westlichen Journalisten aus Iran. Das Regime mache sich Trumps Hilfsversprechen zu nutze, erklärt sie im Interview.
Trumps Hilfsankündigung sorge beim iranischen Volk für Hoffnung, berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Teheran.
14.01.2026 | 4:43 minChristian Sievers: Phoebe, Du hast uns gestern gesagt, die Proteste haben stark abgenommen. Wie ist denn die Lage heute, was erlebst Du auf den Straßen von Teheran?
Phoebe Gaa: Wir sind auch gestern Nacht wieder durch die Stadt gefahren und haben diese Orte abgefahren, an denen es am Donnerstag und Freitag zu Protesten gekommen war.
Wir haben Sicherheitskräfte gesehen, aber keine Protestierenden.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
Auch heute den Tag über habe ich keine Proteste wahrnehmen können. Die Menschen, mit denen ich spreche, die auch Kontakte in andere Teile des Landes haben, berichten Ähnliches.
US-Präsident Trump will Demonstranten in Iran beim Kampf gegen das repressive Regime helfen – wie, bleibt unklar. Das iranische Regime geht mit Gewalt gegen die Proteste vor.
14.01.2026 | 1:31 minSievers: Jetzt gab es ja immer wieder die Hoffnung, die iranischen Sicherheitskräfte seien irgendwann selbst demotiviert - auch wegen der miserablen Wirtschaftslage im Land. Das brutale Durchgreifen scheint allerdings das Gegenteil zu zeigen. Wie siehst Du die Lage da?
Gaa: Also ich kann im Moment nicht erkennen, dass bei den Sicherheitskräften irgendeine Form von Müdigkeit erkennbar ist. Wir waren heute bei einer Veranstaltung, die war organisiert vom Regime. Das war sozusagen eine Trauerzeremonie für die getöteten Sicherheitskräfte. Es soll ja bei den Protesten eben auch einige tote Polizisten gegeben haben.
Zu dieser Veranstaltung sind viele Tausend Menschen gekommen, obwohl sie an einem Werktag stattfand, mittags - ich glaube, so um 2 Uhr war das. Die haben diesen Sicherheitskräften, den Revolutionsgarden, den Milizen ihre Unterstützung signalisiert.
Es standen da Spendenboxen rum, wo die Leute sogar trotz der Wirtschaftskrise und obwohl sie selber so wenig haben, Geld an die Sicherheitskräfte gespendet haben.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
Natürlich war diese Veranstaltung vom Regime organisiert und die Menschen, die dort hingehen, gehören dem sehr konservativen Teil der Bevölkerung an. Aber es sind eben schon auch immer mehrere Tausend, die sich da zusammenfinden.
Die Proteste im Iran nehmen ab. Die wenigen Informationsquellen "verbreiten die Nachrichten von vielen Toten, die es gegeben haben soll, das macht den Leuten große Sorge", berichtete ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.
14.01.2026 | 2:21 minSievers: Jetzt beginnt morgen das iranische Wochenende. Es ist natürlich schwierig, in die Zukunft zu schauen, aber kann man irgendwie absehen, womit dann zu rechnen sein wird?
Gaa: Das ist wirklich schwierig im Moment, weil ja immer noch die Kommunikationswege so beschnitten sind. Nach wie vor ist das internationale Internet gesperrt. Heute kam die Ansage, dass das auch bis auf Weiteres so bleiben soll.
Das heißt, die Menschen sind darauf angewiesen, sich über lokale Webseiten zu informieren. Das sind dann aber meistens die, die den Staatsmedien zuzuordnen sind. Chatprogramme iranischer Anbieter gibt es auch, aber die stehen im Verdacht, überwacht zu werden. Das heißt, darüber über Proteste oder über Kritik am Regime zu kommunizieren, ist höchst gefährlich. Insofern gibt es wenig Möglichkeiten, einen Eindruck davon zu bekommen, was sich tatsächlich so tut unter der Oberfläche.
Ein Militärschlag im Iran sei schwer vorstellbar, sagt US-Korrespondent Elmar Theveßen. "Wir wissen, dass die USA derzeit keinen Flugzeugträger, keine Flugzeugträgergruppe in der Region haben."
14.01.2026 | 1:31 minSievers: Dann lass uns bitte noch über den US-Präsidenten sprechen. Der liebt es ja, Andeutungen zu machen. Gestern hat er gesagt, Hilfe sei unterwegs Richtung Iran. Heute macht er so weiter, hält allerdings vieles im Ungefähren. Ist denn Trumps Hilfe, wie immer sie aussehen mag, sowas wie die letzte Hoffnung der Protestierenden oder macht das auch Sorge?
Gaa: Es gibt hier schon viele Leute, die das auf jeden Fall als Hoffnungsschimmer sehen und die es eigentlich fast schon ungeduldig erwarten. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Sohn des Schahs. Da haben wir jetzt mit Leuten gesprochen, die fragen: "Ja, wo ist er denn jetzt? Der hatte doch gesagt, er kommt jetzt in den Iran und hilft uns."
Also da ist so eine Art Hoffnung zu spüren, aber gleichzeitig gibt es eben auch viele, die Angst haben, welche Form von Eskalation dem dann folgen würde, wenn Trump - wie auch immer - hier eingreifen würde.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Teheran
Und vielleicht noch ein Wort zum Regime: Das nutzt natürlich Trumps Aussagen für seine eigene Version, seine eigene Darstellung der Ereignisse und nimmt es als Beleg, um zu sagen: Seht her, das ist diese ausländische Einmischung. Die sagen ja, dass diese Protestbewegung eben aus dem Ausland gesteuert und initiiert sei. Und solche Postings von Trump spielen ihnen dann sozusagen in die Hände.
Über die aktuelle Lage in Iran halten wir Sie in unserem Liveblog auf dem Laufenden:
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