ZDF-Korrespondentin in Teheran:Phoebe Gaa in Iran: "Gedämpfte, angespannte Stimmung"
Nur wenige westliche Journalisten berichten aus Iran. ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa schildert exklusiv aus Teheran, warum die Ruhe auf den Straßen der Stadt nur oberflächlich ist.
Phoebe Gaa berichtet von der Verzweiflung vieler Iraner. Risse im Machtapparat könne sie zurzeit keine erkennen - doch die Führung nehme die Proteste offenbar ernst.
15.01.2026 | 2:23 min"Es ist eine sehr merkwürdige, gedämpfte, angespannte Stimmung", berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus der iranischen Hauptstadt Teheran. Nach den heftigen Protesten in Iran scheint die Lage deutlich ruhiger geworden zu sein - zumindest auf den ersten Blick:
Wenn man sich so umschaut, kann man oberflächlich fast den Eindruck bekommen, dass der Alltag weiterläuft - aber das ist eben nur die Oberfläche.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Iran
"Sobald man mit den Menschen ins Gespräch kommt, dann brechen oft wirklich sehr große Emotionen hervor", berichtet Gaa weiter. Die ZDF-Korrespondentin ist eine der wenigen westlichen Journalisten in dem Land, in dem Berichten zufolge bei der gewaltsamen Niederschlagung der landesweiten Proteste tausende Demonstranten getötet worden sind.
Phoebe Gaa berichtet über ihre Arbeitsbedingungen in Iran und über die Lage und Proteste im Land.
15.01.2026 | 1:12 minGaa: "Unmut, Verzweiflung und Wut" in Iran
Anders als es die vermeintliche Ruhe in den Straßen Teherans vermuten ließe, berichtet Gaa von großer Angst in der Bevölkerung:
Viele Menschen sind in großer Sorge wegen der vielen Berichte über Tote, über Verhaftete, über mögliche Hinrichtungen.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Iran
Auch die Drohung eines Eingreifens der USA durch Präsident Donald Trump sorgt für Unruhe: "Viele haben Angst vor einem Militärschlag, der möglicherweise bevorsteht", so Gaa. "Und dann ist da immer wieder dieser sehr weit verbreitete Unmut, diese Wut, Verzweiflung darüber, in einem Land zu leben, das vor so vielen großen Problemen steht - wirtschaftlich, aber auch außenpolitisch, für die im Moment keine Lösung in Aussicht scheint.
Trotz Warnungen von US-Präsident Trump klagt die iranische Justiz Demonstranten an - und droht auch mit der Todesstrafe.
14.01.2026 | 1:24 minIran: Regime geschwächt, Lage weiter angespannt
Dass die Proteste akute Risse im Führungsapparat der islamischen Republik verursacht hätten, könne sie nicht erkennen, so die Korrespondentin. Aber: Das Regime sei durch einige Faktoren in den letzten Monaten "eher geschwächt". Dazu gehöre die Schwächung der Hamas, der Hisbollah aber auch der Sturz von Assad in Syrien. Besonders der sogenannte 12-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran im Juni des vergangenen Jahres habe bei der Bevölkerung Zweifel am Regime ausgelöst.
Dieser 12-Tage-Krieg aus dem letzten Sommer, der hier bei vielen Menschen die Frage aufgeworfen hat, ob diese Führung der Islamischen Republik denn wirklich überhaupt imstande ist, ihr eigenes Volk zu schützen.
Phoebe Gaa, ZDF-Korrespondentin in Iran
Noch immer sei das Internet im Land gesperrt und Sicherheitskräfte in den Straßen sehr präsent, so Gaa: "Das spricht doch dafür, dass man diese Protestbewegung hier im Iran sehr ernst genommen hat - oder immer noch ernst nimmt."
Das Interview führte heute journal-Moderator Christian Sievers. Autor der Zusammenfassung ist Silas Thelen.
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