Reisewarnungen für Nahost:TUI-Vorstand kritisiert Kommunikation mit Auswärtigem Amt
Der Reiseveranstalter TUI holt 6.800 Urlauber von zwei Kreuzfahrtschiffen nach Hause. TUI-Chef Ebel atmet auf - und wünscht sich vom Auswärtigen Amt künftig bessere Absprachen.
Die ersten Fluggesellschaften nehmen den Betrieb trotz des Krieges in Nahost wieder auf. In Frankfurt ist ein zweiter Evakuierungsflug der Bundesregierung gelandet.
06.03.2026 | 1:41 minZDFheute: Wie ist der Stand Ihrer Rückholaktion für Kreuzfahrttouristen?
Sebastian Ebel: Die ersten Gäste unserer Kreuzfahrtschiffe sind zurück in Deutschland. Wir nutzen jede Gelegenheit, wenn ein Flughafen öffnet und Flugkorridore zur Verfügung stehen. Bis morgen wollen wir alle 2.500 Gäste der "Mein Schiff 4" aus Abu Dhabi nach Hause holen. Sie werden über die Emirate ausgeflogen, der Transport von Abu Dhabi zu den Flughäfen wird von uns organisiert. Auch die ersten Crew-Mitglieder sind auf dem Heimweg. Die 2.500 Gäste der "Mein Schiff 5" in Doha werden voraussichtlich bis Ende kommender Woche wieder zuhause sein. Hier kommen unter anderem eigene TUI-Flugzeuge zum Einsatz.
Parallel arbeitet unser Krisenstab mit Hochdruck daran, auch alle anderen Gäste in der Region nach Hause zu bringen. Hier wird die angekündigte Teil-Öffnung der Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi eine gewisse Erleichterung bringen. Zusätzlich fliegt unsere britische Tochter TUI Airways dieses Wochenende rund 500 Gäste von den Malediven nach Frankfurt und Manchester. Auf den Malediven ist die Situation besonders herausfordernd, weil die Hotelkapazitäten sehr begrenzt sind.
"Sicherheit hat oberste Priorität", sagt Sebastian Ebel, Vorstandsvorsitzender TUI, über erste Rückflüge aus Dubai.
03.03.2026 | 5:54 minZDFheute: Der Minister hat sich inzwischen für die falsche Aussage entschuldigt, es habe schon vor den Angriffen eine Reisewarnung für die Golfregion gegeben. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt inzwischen?
Ebel: Auf operativer Ebene läuft die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt sehr gut. Es gibt eine bewährte, lange Zusammenarbeit in Krisenfällen zwischen den Krisenstäben der TUI und denen im Auswärtigen Amt.
Auf politischer Ebene würde ich es begrüßen, wenn in Zukunft mehr miteinander statt übereinander gesprochen wird.
Sebastian Ebel, TUI-Chef
"Die Bundesregierung hat weitere Charter-Flüge angekündigt", berichtet ZDF-Reporter Markus Wolsiffer zu den Rückholaktionen deutscher Touristen aus der Golfregion vom Frankfurter Flughafen.
05.03.2026 | 3:16 minZDFheute: Im Raum steht aber auch der Vorwurf, gerade Reiseveranstalter wie TUI hätten vor den Angriffen massiv dafür lobbyiert, eben keine Reisewarnung auszusprechen, aus Angst vor Stornierungen und Buchungseinbrüchen. Was ist da dran?
Ebel: Das ist völlig unzutreffend.
Wir hatten weder Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, um mögliche Reisewarnungen abzuschwächen, noch gab es von unserer Seite Einfluss auf das Auswärtige Amt, um Reisewarnungen zu unterlassen, den Zeitpunkt oder die Inhalte zu beeinflussen.
Sebastian Ebel, TUI-Chef
Solche Unterstellungen weise ich entschieden zurück. Wir unterstützen das Instrument der Reisewarnung ausdrücklich.
Die ersten Fluggesellschaften nahmen den Betrieb trotz des Krieges in Nahost wieder auf. In Frankfurt ist am 3. März ein zweiter Evakuierungsflug der Bundesregierung gelandet.
06.03.2026 | 1:41 minSollte dem Auswärtigen Amt eine konkrete Sicherheitslage in der Region bekannt gewesen sein, hätte es umgehend eine Reisewarnung aussprechen müssen. Es gab aber kein Reisewarnung für die Emirate, was bis zum 28. Februar auch nicht verwunderlich war. Schließlich ist Berlin von Kiew ähnlich weit entfernt wie Dubai von Teheran. Niemand würde doch auf die Idee kommen, wegen einer Reisewarnung in Kiew nicht nach Berlin zu reisen.
ZDFheute: Die Evakuierung mit einem Flugzeug der Bundesregierung kostet die Betroffenen 500 Euro. Müssen TUI-Urlauber auch einen Anteil selbst zahlen?
Ebel: Die Rückholung der Gäste im Fall einer solchen Krise ist fester Bestandteil der Pauschalreise. Das liegt in unserer Verantwortung und wir nehmen diese selbstverständlich wahr, setzen dafür auch eigene Flugzeuge ein. Dafür entstehen den Pauschalreisenden keine Zusatzkosten. Dieser besondere Schutz ist ein Alleinstellungsmerkmal und macht die Pauschalreise zur sichersten Reiseform.
Das Interview führte Christiane Hübscher. Sie ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.
- Faktencheck
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