Debatte um Evakuierungen:Diplomaten luden noch kurz vor Kriegsausbruch in Golfregion
von Christiane Hübscher
Wer die Nachrichtenlage verfolgt habe, konnte wissen, was kommt, sagte Außenminister Wadephul im ZDF. Seine eigenen Diplomaten vor Ort nahmen seine Warnungen offenbar nicht ernst.
Der Konflikt im Nahen Osten beeinträchtigt den weltweiten Flugverkehr. Viele Reisende müssen alternative Wege finden, um ihr Ziel zu erreichen oder zurück nach Hause zu kommen
04.03.2026 | 2:47 minDeutsche Diplomaten in der Golfregion haben die hauseigenen Warnungen des Auswärtigen Amts vor einer drohenden Eskalation offenbar selbst nicht besonders ernst genommen.
Das Deutsche Generalkonsulat in Dubai etwa empfing noch am 24. Februar Studenten der Berliner Fresenius Universität, wie ein Instagram-Post zeigt. Die Generalkonsulin Sybille Pfaff wünschte dabei den Studenten einen "erfolgreichen und aufschlussreichen Aufenthalt in Dubai" - nur vier Tage vor den Angriffen Israels und der USA auf Iran.
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Empfänge auch in Kuwait und Abu Dhabi
Am 17. Februar begrüßte die Deutsche Botschaft in Kuwait noch eine deutsche Wirtschaftsdelegation vor Ort. Botschafter Hans-Christian Freiherr von Reibnitz betont im dazugehörigen Social-Media-Post die zahlreichen Möglichkeiten, die deutsche Firmen in Kuwait haben.
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Am 10. Februar hatte in Abu Dhabi der Deutsche Botschafter, Alexander Schönfelder, eine DFL-Fußball-Academy in dem Golfstaat eröffnet - mit zahlreich angereisten Gästen aus Deutschland. Zweieinhalb Wochen vor Kriegsbeginn.
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Offenbar "Business as Usual" noch bis Ende Februar in den deutschen Botschaften und Konsulaten der Golfstaaten.
Mitten aus der Krisenregion schildern Augenzeugen eindrücklich, was sie erlebt haben.
02.03.2026 | 2:16 minDeutsche Vertretungen eher sorglos
Die Sorglosigkeit der deutschen Auslandsvertretungen steht im Widerspruch zu den Äußerungen des Außenministers Johann Wadephul (CDU), der im heute journal Anfang der Woche gesagt hatte:
Im Übrigen, wer die Nachrichten verfolgt hat, wusste ja, dass in dieser Region sich etwas abspielen konnte.
Johann Wadephul am 2. März im ZDF
Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte geäußert: "Im Übrigen war ja auch schon seit Längerem zu sehen, dass sich Flugzeugträger in der Region befinden und auf dem Weg in die Region sind, es also möglicherweise Entwicklungen geben könnte, wie wir sie jetzt gesehen haben."
Viele Touristen fühlten sich von der Bundesregierung nicht gesehen, sagt ZDF-Moderatorin Victoria Reichelt, die am 2. März noch in Doha gestrandet war.
02.03.2026 | 5:55 minMinister Wadephul hatte sich dann relativ rasch entschuldigt für die Falschaussage im ZDF, es habe schon früher eine formelle Reisewarnung für die Golfstaaten gegeben, betonte aber im selben Post bei X:
Seit Mitte Januar warnt @auswaertigesamt vor einer möglichen Eskalation & Einschränkungen im Flugverkehr.
Johann Wadephul, deutscher Außenminister
Eine Warnung, die seine eigenen Diplomaten und Diplomatinnen offenbar ignorierten.
Das Gespräch mit Außenminister Johann Wadephul im heute journal am 02.03.2026.
02.03.2026 | 7:53 minPassagiere von TUI-Schiff sollen zeitnah zurückgeholt werden
Die Rückholaktionen für deutsche Touristen laufen derweil auf Hochtouren, sowohl die der Bundesregierung als auch die von privaten Reiseanbietern. So will der TUI-Konzern bis zum Samstag alle 2.500 Urlauber der "Mein Schiff 4" aus Abu Dhabi zurückholen. Die 2.500 Gäste der "Mein Schiff 5" in Doha sollen bis Ende nächster Woche nach Hause geholt werden.
"Sicherheit hat oberste Priorität", sagt Sebastian Ebel, Vorstandsvorsitzender TUI, über erste Rückflüge aus Dubai.
03.03.2026 | 5:54 minDen Vorwurf, gerade Reiseveranstalter wie TUI hätten vor den Angriffen massiv gegen eine Reisewarnung für die Golfregion lobbyiert, weist der TUI-Vorstandsvorsitzende Sebastian Ebel gegenüber ZDFheute zurück:
Das ist völlig unzutreffend. Wir hatten weder Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, um mögliche Reisewarnungen abzuschwächen, noch gab es von unserer Seite Einfluss auf das AA, um Reisewanungen zu unterlassen, den Zeitpunkt oder die Inhalte zu beeinflussen.
Sebastian Ebel, TUI-Chef
Solche Unterstellungen weise er "entschieden zurück". Im Übrigen, so der TUI-Chef weiter, würde er es auf politischer Ebene begrüßen, "wenn in Zukunft mehr miteinander statt übereinander gesprochen wird".
Christiane Hübscher ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.
Charterflüge der Bundesregierung:Erste Evakuierte aus Nahost in Frankfurt gelandet
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