Krieg in Iran: Folgen für Menschen im Globalen Süden

UN-Welternährungsprogramm warnt:Iran-Krieg stürzt 45 Millionen mehr Menschen in Hunger

von Susann von Lojewski, Nairobi

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Die UN zeichnen ein düsteres Szenario: Wenn der Krieg in Nahost noch länger andauert, steigt die Zahl der Hungernden dramatisch. Erste Folgen spüren die Betroffenen schon jetzt.

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Steigende Benzinpreise, unterbrochene Lieferketten, schrumpfende Hilfsgelder: Der Iran-Krieg trifft Ostafrika hart. Das WFP warnt vor 45 Millionen zusätzlich hungernden Menschen.

27.03.2026 | 2:34 min

Der Weg in die kleine Gemeinde Nakurio im Nordwesten Kenias führt stundenlang über staubige Pisten, vorbei an dornigen Büschen und verkrüppelten Bäumen. Ab und zu laufen Menschen durch die Landschaft, die müde ihre Wasserkanister durch die Landschaft schleifen.

Hier in der Region Turkana wächst nichts. Sie zählt zu den ärmsten in Kenia, 95 Prozent der Lebensmittellieferungen bezieht der Distrikt aus Nachbarregionen.

Lebensmittelpreise stark gestiegen

Auf dem kleinen Markt in Nakurio sortieren die Verkäufer ihre Waren: ein paar Kohlköpfe, Tomaten, Sukuma Wiki, das typische kenianische Blattgemüse. Kunden haben sie kaum, denn seit die Benzinpreise durch den Krieg in Iran gestiegen sind, haben sich auch die Lebensmittelpreise verteuert. Viele Menschen in Turkana können sich das nicht mehr leisten.

"Das, was sich die Menschen hier leisten können, ist maßgeblich durch die Preissteigerungen beeinflusst, die durch den Krieg in Iran und auch in anderen Ländern wie Russland und der Ukraine verursacht wurden", sagt dann auch Philip Ewoton von der deutschen Hilfsorganisation Welthungerhilfe in Turkana.

Eine Komposition aus einem brennenden Öl-Tanker und einem fallenden Graphen.

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Keine internationalen Hilfslieferungen

Internationale Hilfslieferungen kommen in der Region schon lange nicht mehr an. Auf dem Marktplatz von Nakurio diskutiert der Gemeindevorsteher Michael Peikai Ekwee mit ein paar Bürgerinnen und Bürgern. Ratlos stützen sie sich auf ihre gewundenen Stöcke, das Gesprächsthema Nummer Eins ist der Hunger.

"Ich schreibe ständig an die kenianische Regierung, damit sie wissen, wie es den Menschen hier geht", erzählt Ekwee, "auch diese Woche habe ich wieder einen Bericht abgegeben". Ob er Antwort bekomme? "Ja, schon, sie sagen, sie würden Hilfe schicken." Passiert ist aber bisher nichts.

Das, was Ekwee im Kleinen umtreibt, ist in gewissem Sinne das, was die UN-Welthungerhilfe im Großen beschäftigt: die Unterbrechung der Lieferketten. In der Zentrale in Rom beschäftigt sich ein Krisenteam täglich damit, wie es die Transporte der UN zu Lande und zu Wasser "dirigieren" kann.

Die Karte zeigt die Straße von Hormus, eine Meerenge zwischen Oman, den VAE und Iran. Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und verflüssigten Gases (LNG) muss durch die Straße von Hormus.

Zwar gehen die Hilfstransporte nicht direkt durch die Straße von Hormus, doch weil viele Logistiker auch im Roten Meer Kämpfe fürchten, müssen Containerschiffe Tausende von Kilometern umgeleitet werden.

Die ganze Region von Subsahara-Afrika ist beeinträchtigt.

Corinne Fleischer, Direktorin Welternährungsprogramm

"Die Schiffe müssen jetzt um ganz Afrika, um das Horn von Afrika herumfahren. Und das sind 25 bis 30 Tage mehr", erklärt Corinne Fleischer, Direktorin beim Welternährungsprogramm. "Natürlich sind die Kosten auch höher, weil es längere Operationen sind und mehr Treibstoff benötigt wird. Und so sind eigentlich viele unserer großen Operationen wirklich beeinträchtigt."

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Fieberhaft versucht ein Notfallteam des UN-Welternährungsprogramms die besten, kürzesten und günstigsten Routen auszutüfteln. Jeden Tag muss nachjustiert werden. Eine Mammutaufgabe: Denn die UN transportieren 70.000 Tonnen Hilfsgüter zu Lande und zu Wasser.

Besonders betroffen: der Sudan, wo die größte humanitäre Katastrophe der Welt derzeit stattfindet. "Wir leben von der Hand in den Mund", so Fleischer.

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Tatsächlich trifft der Krieg im Nahen Osten die Vereinten Nationen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Seit nicht nur die USA, sondern auch andere Geberländer die Mittel für die UN und auch humanitäre Hilfe insgesamt gekürzt haben, leeren sich in vielen Ländern - gerade in Afrika - die Warenlager der Hilfsorganisationen dramatisch.Es gibt nichts mehr zu verteilen - Hilfsbedürftige müssen priorisiert werden.

Nun, da der Iran-Krieg noch hinzukommt, fürchten die UN-Experten, dass die Zahl der von akutem Hunger bedrohten Menschen noch einmal um 45 Millionen auf insgesamt 363 Millionen Menschen weltweit ansteigt. Die Berechnungen gehen von einem Kriegsende im Juni aus, das aber ist nicht in Sicht.

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Susann von Lojewski ist Studioleiterin im ZDF-Studio in Nairobi.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 27.03.2026 um 21:55 Uhr.

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