Nouripour bei "illner": Kein Frieden mit dem Regime in Teheran

Iran-Debatte bei "illner":Nouripour: Kein Frieden mit diesem Regime

von Torben Schröder

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Was die USA mit dem Angriff auf Iran erreichen wollen, scheint unklar. Bliebe das Regime im Amt, drohe der Bevölkerung Leid und ein neuer Krieg, warnt Grünen-Politiker Nouripour.

Zu Gast bei Maybrit Illner im Studio: v.l. Frank Sauer, Mariam Claren, Omid Nouripour, Nicole Deitelhoff, Guido Steinberg

Sehen Sie hier die Sendung maybrit illner vom 5. März 2026 mit dem Thema „Angriff auf Iran - hat Trump keinen Plan?".

05.03.2026 | 58:15 min

Wie lange dauert der Angriff Israels und der USA auf Iran, was sind die Ziele und Folgen? "Bei den Israelis gibt es ein sehr klares Ziel", sagt Omid Nouripour (Grüne) in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Es gelte, das feindlich gesinnte Regime zu beseitigen.

Die USA jedoch würden nicht einmal so tun, als hätten sie eine Zielvorstellung für die Zeit nach dem Krieg. Wenn das iranische Regime an der Macht bleibe, wäre dies laut Nouripour das Drehbuch für den nächsten Krieg:

Das wäre verheerend.

Omid Nouripour (B´90/Die Grünen), Bundestagsvizepräsident

Die Interessen Israels und der USA bezüglich der Zukunft Irans seien unterschiedlich, sagt Mariam Claren von der Menschenrechtsorganisation Hawar.help. Unter Umständen könne es einen Deal des iranischen Regimes mit den USA geben, und das wäre nach Clarens Einschätzung für die Zivilgesellschaft fatal.

Denn dann werde das Regime sich wohl rächen. "Der Apparat nach innen ist leider noch stark genug." Die Realität auf der Straße sei, dass man entweder von einer Bombe getroffen werden könne - oder von einer Kugel der eigenen Regierung.

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Wird das Regime in Teheran überleben?

"Das politische Ziel des Regime Change wird aller Voraussicht nach nicht erreicht werden können, zumindest nicht absehbar", sagt der Politikwissenschaftler Frank Sauer. Operativ sei es offenbar gelungen, die militärischen Kapazitäten Irans deutlich zu verringern. Die Befürchtung sei, dass die USA sich schnell wieder zurückziehen und für die Zivilbevölkerung dann gar nichts gewonnen ist.

Wenn jetzt kein Regime Change kommt, dann war das Massaker im Januar nur ein Warmlaufen des Regimes.

Frank Sauer, Experte für Sicherheitspolitik an der Universität der Bundeswehr in München

Angesichts der absehbaren, verheerenden Folgen von versuchten Regime Changes ohne den Einsatz von Bodentruppen könne man einen solchen Angriff eigentlich nicht fahren, sagt die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff. Die Alternative wäre ein gut vorbereiteter Angriff mit Begleitung des Regime Change vor Ort gewesen.

Wir sehen eigentlich keinen Plan, und das finde ich einen doppelten Verrat an der iranischen Bevölkerung.

Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Kurdistan: Ein potentieller Konfliktherd

Für einen kurzen Krieg spricht nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Guido Steinberg die Präferenz sowohl Israels als auch von US-Präsident Donald Trump für kurze Kriege. Das wiederum spreche gegen einen Regime-Wechsel.

"Was man maximal erreichen kann - woran ich aber auch nicht glaube - ist, Kurdistan einigermaßen vom Regime zu befreien und damit einen Konfliktherd zu schaffen." Das sei aber eher Vorbote eines neuen Bürgerkriegs und von Racheaktionen.

Zudem, sagt Nouripour, würden dann wohl andere Staaten mit kurdischen Minderheiten zulasten der Kurden einschreiten, allen voran die Türkei. Auch die iranische Zivilbevölkerung werde sich nicht, wie wohl von Trump gewünscht, gleichsam als Bodentruppen einbringen können. Nach einem Regime-Wechsel aus den Reihen des Regimes selbst sehe es aktuell auch nicht aus.

Auf der rechten Seite des Bildes zu erkennen ist eine protestierende Person aus dem Iran, auf der linke Seite zu sehen ist Host Mirko Drotschmann

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Wie es weitergehen könnte

"Es gibt seit Jahren in Iran ein Drehbuch für diesen Augenblick der Enthauptung, wenn der Revolutionsführer weg ist. Das wird gerade umgesetzt", sagt Nouripour. Es habe Endzeit-Charakter: "Man ballert einfach um sich."

In dem Fall, dass die USA die Nato aktivieren, könne auch Deutschland kaum Nein sagen, denn dann drohe die US-Unterstützung in der Ukraine verloren zu gehen. Jüdische, israelische, amerikanische Einrichtungen, die Bundeswehr und die iranische Diaspora hierzulande seien allesamt Ziele, die nun geschützt gehörten.

Die Iraner verderben es sich im Moment mit ganz vielen Staaten, mit denen sie in den letzten Jahren eigentlich keine Probleme mehr hatten.

Guido Steinberg, Islamwissenschaftler bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP)

Steinberg vermutet, in Europa werde ein Angriff wohl eher durch Terroranschläge erfolgen. "Sie sind im Moment so blindwütig, dass wir davon ausgehen müssen, dass sie alle Verbündeten und Freunde der USA und der Israelis bestrafen wollen", so Steinberg.

Über dieses Thema berichtete "maybrit illner" am 05.03.2026 ab 22:15 Uhr.

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