Deutschland kauft US-Marschflugkörper:Was der Tomahawk-Deal für die Bundeswehr heißt
Die Bundesregierung will US-Tomahawks für die Bundeswehr kaufen. Wie kam es dazu? Warum sind die Waffen wichtig für Deutschland? ZDFheute beantwortet die wichtigsten Fragen.
Kanzler Merz hat in seiner Regierungserklärung angekündigt, Deutschland werde von den USA Tomahawk-Marschflugkörper kaufen. Für die deutsche Verteidigungspolitik wäre das eine Zäsur.
09.07.2026 | 1:47 minBeim Nato-Gipfel haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und sein Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch eisern über den wichtigen Deal mit US-Präsident Donald Trump geschwiegen. Aber gleich nach der Rückkehr aus Ankara machte Merz ihn am Donnerstagmorgen bekannt. Der Kauf von US-Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk in den USA war die große Neuigkeit seiner Regierungserklärung im Bundestag.
Wie kam es zu dem Deal? Warum sind die Marschflugkörper für die Bundeswehr wichtig - und welche Risiken birgt der Kauf? ZDFheute beantwortet die wichtigsten Fragen.
Es sei richtig, dass Europa innerhalb der NATO enger zusammenrücke, sagt Ex-NATO-General Egon Ramms bei ZDFheute live. Technologisch sei Europa stark genug, eigene Waffen zu produzieren.
08.07.2026 | 14:41 minWas sind Tomahawk-Marschflugkörper?
Der Typ Tomahawk ist der bekannteste Marschflugkörper der USA. Die Waffe des US-Herstellers Raytheon gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten von bis zu 2.500 Kilometern. Die herkömmliche Version erreicht eine Geschwindigkeit von rund 900 Kilometern pro Stunde.
Tomahawks sind allwettertaugliche Marschflugkörper für extrem niedrige Angriffe, die von Schiffen oder U-Booten, aber auch von Land abgefeuert werden können. Die für Deutschland bestimmte Version soll an Land stationiert werden. Daher werden Abschussrampen vom Typ Typhon mitgeliefert.
Der Nato-Gipfel endet mit einer gemeinsamen Erklärung und neuer Unterstützung für die Ukraine. Parallel dazu gibt es aber auch einen neuen Angriff der USA gegen Iran.
09.07.2026 | 2:32 minWas unterscheidet Marschflugkörper von ballistischen Raketen?
Marschflugkörper verfügen - anders als ballistische Raketen - über einen permanenten eigenen Antrieb. Nach dem Start werden Tomahawks von einem Treibstoff angetrieben, später übernimmt ein kleines Triebwerk den Flug. Sie werden auf vorher definierte Ziele gelenkt und tragen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn.
Die unbemannten Flugkörper mit einem Sprengkopf können nach dem Abfeuern ein programmiertes Ziel automatisch treffen. Bei einer Flughöhe von weniger als 200 Metern sind die rund sechs Meter langen und bis zu 1,5 Tonnen schweren Flugkörper vom gegnerischen Radar nur schwer zu orten. Die Stückkosten können je nach Version bis zu zwei Millionen US-Dollar betragen.
"Die Nato hat uns ausgelacht", sagt der US-Präsident. Die USA hätten jedoch mehr in Verteidigung investiert und verfügten heute über das stärkste Militär der Welt.
08.07.2026 | 31:26 minWarum sind die Mittelstreckenwaffen wichtig für Deutschland?
Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen, Russland aber schon. Iskander-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, sind in der Exklave Kaliningrad stationiert und könnten von dort auch Ziele in Deutschland erreichen. Moskau verlegte ab 2022 auch russische Kampfjets mit Luft-Boden-Hyperschall-Raketen vom Typ Kinschal dorthin.
Russland hat außerdem ein Waffensystem mit dem Namen SSC-8 (Russisch: 9M729) entwickelt. Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die mehr als 2.000 Kilometer weit fliegen können. Die USA kündigten wegen dieses Systems mit Rückendeckung der Partner vor einigen Jahren den INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte ballistische Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometern.
Trumps Kritik an den Partnern sehe er "weniger dramatisch". Nach dem Gipfel könne niemand bezweifeln, dass "die NATO genau weiß, was sie will", so Verteidigungsminister Pistorius.
08.07.2026 | 6:20 minWie kam der Deal mit Trump zustande?
Beim Nato-Gipfel 2024 hatten die USA unter Präsident Joe Biden für das Jahr 2026 in Aussicht gestellt, Tomahawks sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren - kostenlos und inklusive Personal zur Bedienung der Waffen.
Nach der deutschen Kritik am Iran-Krieg kündigte Trump aber dann nicht nur an, 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Kurze Zeit später wurde auch bekannt, dass die Verlegung eines sogenannten "Long Range Fires Battalion" zur Bedienung der Mittelstreckenwaffen gestoppt wurde.
Deutschland trat in Verhandlungen mit den USA ein, um die Marschflugkörper zu kaufen. Auf dem Nato-Gipfel wurde bereits am Dienstag von den Verteidigungsministern eine Absichtserklärung unterzeichnet, die zuvor auf Spitzenebene zwischen Merz und Trump vereinbart worden ist. Darin sagen die USA zu, im August die offizielle Genehmigung für den Verkauf der Marschflugkörper und die Abschussrampen Typhon zu erteilen. Die Zahl wird geheim gehalten, der Preis auch.
Am Morgen noch scharfe Kritik an einzelnen Bündnispartnern, am Mittag ein anderer Ton von Trump: ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers berichtet vom zweiten Tag des Nato-Gipfels.
08.07.2026 | 7:00 minBirgt der Kauf der US-Marschflugkörper auch Risiken?
Das ist schwer zu sagen. Befürworter argumentieren, dass das Kriegsrisiko sinkt, weil die Tomahawks die Abschreckung erhöhen und die Schwelle zum Einsatz der Waffen anheben. Kritiker entgegnen, dass moderne Mittelstreckenraketen zur Eskalation beitragen können, weil schon ihre Stationierung die Gegenseite provozieren kann. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits 2024 angekündigt, auf eine Stationierung der Tomahawks "spiegelgerecht" reagieren zu wollen.
Die Waffen gelten als besonders effektiv, weil sie von mobilen Abschussrampen abgefeuert werden, die sich hervorragend tarnen lassen. Zudem sind sie als Lenkflugkörper konzipiert und damit äußerst schnell und treffsicher. All das führt dazu, dass die Gegenseite im Fall eines vermuteten Angriffs innerhalb von Minuten reagieren müsste. Die kleinste Fehleinschätzung könnte verheerende Konsequenzen haben.
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