Pistorius warnt vor Verteidigungslücke ohne Tomahawk-Raketen

Interview

US-Mittelstreckenraketen:Pistorius warnt: Tomahawk-Raketen fehlen Europas Verteidigung

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Neben dem Truppenabzug werden die USA wohl auch keine Tomahawk-Raketen in Deutschland stationieren. Für Verteidigungsminister Pistorius die "beunruhigendere Nachricht".

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Der US-Truppenabzug beunruhigt den Verteidigungsminister weniger - vielmehr aber das drohende Aus für die Tomahawks: Europa müsse diese Fähigkeitslücke nun selbst schließen.

04.05.2026 | 7:02 min

Der angekündigte Abzug von US-Soldaten aus Deutschland war nach der Einschätzung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zu erwarten. Doch auch bei der Lieferung von Tomahawk-Mittelstreckenraketen zögern die Vereinigten Staaten. Das werfe grundlegende Fragen zur Verteidigungsfähigkeit Europas auf, machte der Minister im ZDFheute journal deutlich.

Sehen Sie das Interview mit Boris Pistorius in voller Länge oben im Video oder lesen Sie hier eine Zusammenfassung.

Pistorius von Zeitpunkt des US-Truppenabzugs überrascht

Pistorius betonte, der Schritt der USA sei "in der Sache nicht überraschend", auch wenn der Zeitpunkt unerwartet komme. Schon 2023 habe er damit gerechnet, dass Washington sich stärker auf den Indopazifik konzentrieren werde. Die europäischen Länder müssten deshalb "mehr Verantwortung für ihr Gebiet in der Nato" übernehmen.

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Eine Reduzierung um 5.000 Soldaten schwäche aus seiner Sicht "nicht wirklich die Abschreckungsfähigkeit". Die Entwicklung sei Teil einer länger absehbaren strategischen Verschiebung, bei der europäische Partner stärker in die Pflicht genommen würden.

Sorge um fehlende US-Mittelstreckenwaffen

Deutlich kritischer bewertet der Minister die mögliche Nichtstationierung von Tomahawk-Mittelstreckenwaffen. "Das ist für mich auch die Nachricht, die mich mehr beunruhigt als alles andere", so Pistorius. Europa habe bereits eine Fähigkeitslücke, was weitreichende strategische Waffen angehe, die sich weiter verlängern könnte.

Bei der Tomahawk-Rakete handelt es sich um einen präzisen US-Marschflugkörper, der mit Unterschallgeschwindigkeit in extrem geringer Höhe fliegt, um feindliches Radar zu unterlaufen. Mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern könnte die Bundeswehr damit Ziele in Russland treffen.
Der Bundeswehr zufolge hatten Deutschland und die USA vereinbart, dass ab 2026 US-Tomahawk-Marschflugkörper auf deutschem Boden zeitweise stationiert werden sollen. Die Stationierung sollte eine Fähigkeitslücke in der Nato-Verteidigung schließen und insbesondere gegen russische Raketendrohungen schützen.

Quellen: Bundeswehr, US-Verteidigungsministerium


Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am Sonntag in der Sendung "Caren Miosga" gesagt, dass er aktuell nicht mehr mit der 2024 von Präsident Biden zugesagten Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern aus US-Beständen rechne.

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Verteidigungsminister: Masse kann Qualität ersetzen

Pistorius verwies auf das Projekt European Long Range Approach (ELSA), das gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich weitreichende Waffen entwickeln soll. Zudem arbeite das Verteidigungsministerium mit der Ukraine zusammen, um Langstreckendrohnen zu entwickeln. Es sei auch eine Frage der Masse, so Pistorius: "Masse kann Qualität ersetzen und kaltstellen, aber am Ende geht es um die Kombination."

Gleichzeitig räumte er ein, dass ein europäischer Ersatz Zeit brauche und man eine US-Zusage zum Kauf von Tomahawks seit eineinhalb Jahren nicht erhalten habe. "Um ehrlich zu sein, mache ich mir da angesichts der aktuellen Lage auf der Welt auch nicht allzu viel Hoffnung", so der Verteidigungsminister.

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Pistorius setzt nicht auf schnelle Abrüstung

Forderungen aus der eigenen Partei nach Abrüstungsgesprächen mit Russland wies Pistorius indirekt zurück. Gespräche seien zwar grundsätzlich möglich, "aber im Augenblick geht die Diskussion leider in die andere Richtung". Präsident Wladimir Putin sei aus seiner Sicht kein verlässlicher Verhandlungspartner.

Putin redet mit niemandem. Und diejenigen, mit denen er redet, die belügt er in der Regel.

Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister

"Und deswegen brauchen wir eine stärker ausgestattete Bundeswehr, eine starke Nato", folgerte Pistorius.

Wehrpflicht weiterhin nicht geplant

Eine Rückkehr zur Wehrpflicht sei jedoch keine Lösung. Selbst wenn man sie politisch wollte, fehle es der Bundeswehr an Infrastruktur und Material. Die Kasernen und Ausstattungen, die nötig wären, um 100.000 oder 150.000 Wehrpflichtige pro Jahr in die Truppe zu holen, stünden so schnell gar nicht zur Verfügung.

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"Es ist nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch der objektiven Möglichkeiten", so der Verteidigungsminister. Stattdessen setze er auf Freiwilligkeit, die Bewerberzahlen seien bereits gestiegen.

Das Interview führte Marietta Slomka. Autorin der Zusammenfassung ist Anne Sophie Feil.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 04.05.2026 ab 21:45 Uhr.

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