Kritik an Rheinmetall-Chef: Was Ukraine-Drohnen innovativ macht

Analyse

Rheinmetall-Chef irritiert mit Aussagen:Warum die ukrainische Drohnen-Industrie doch innovativ ist

Autorenfoto Nils Metzger

von Nils Metzger

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Nach abfälligen Kommentaren über ukrainische Drohnen steht Rheinmetall-Chef Armin Papperger in der Kritik. Was ist wirklich innovativ im Militär und machen Drohnen Panzer obsolet?

Ukrainische FPV (First Person View)-Drohne

Eine ukrainische FPV-Drohne: Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte sich abfällig über die ukrainischen Hersteller geäußert.

Quelle: epa

Der Chef von Deutschlands größtem Rüstungskonzern, Armin Papperger, ist bekannt für markige Sprüche. Doch selten haben Fachleute so den Kopf über den erfolgreichen Manager geschüttelt wie gerade. "Ich verstehe wirklich nicht, was ihn da geritten hat", so ein Berliner Militärexperte zu ZDFheute.

Was hat Papperger gesagt und was waren die Reaktionen?

Im US-Magazin "The Atlantic" hatte sich Papperger, der sein Geld vor allem mit Panzern und Artilleriemunition verdient, über die angeblich fehlende Innovationskraft der ukrainischen Drohnenhersteller ausgelassen. Er sprach vom "Spielen mit Lego-Steinen" und von "ukrainischen Hausfrauen", die in ihrer Küche Drohnenteile herstellten. "Das ist keine Innovation", so Papperger.

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In der Ukraine reagierte man verärgert auf die Aussagen. Bis hoch zu Präsident Wolodymyr Selenskyj:

Wenn jede Hausfrau in der Ukraine tatsächlich Drohnen herstellen kann, dann kann jede Hausfrau in der Ukraine Vorstandsvorsitzende von Rheinmetall sein.

Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

Andere verarbeiteten die Wut zu trotzigen Memes. Der ehemalige litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis schrieb auf X: "Ich hoffe sehnlichst, dass die ukrainischen Hausfrauen ihr Wissen mit uns teilen." Rheinmetall selbst betonte in einem Statement am Sonntag, dass das Unternehmen den "größten Respekt" vor der Leistung des ukrainischen Volks habe, und was es mit "begrenzten Mitteln" erreiche.

Meme in Reaktion auf die Papperger-Aussage

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Was ist militärisch wirklich innovativ?

Militärische Innovation ist weit mehr als nur das modernste Waffensystem. Innovativ kann praktisch alles sein, was hilft, einen Krieg zu gewinnen - von Logistik bis zur Ausbildung.

"Die meisten militärischen Technikinnovationen spielen sich im Mittelfeld zwischen Hightech und Improvisation der jeweiligen Zeit ab", betont Ralf Raths, Direktor des Deutschen Panzermuseums Munster. "Sie erforderten Ingenieurswissen, Geld und Zeit, aber waren eben auch von kleinen Teams oder sogar Einzelpersonen leistbar", erklärt Raths und verweist auf einschneidende historische Neuerungen wie das Maschinengewehr oder rauchloses Pulver.

Im Zweiten Weltkrieg gab es auf allen Seiten Beispiele, die zeigen, dass gute Innovation häufig aus Vereinfachung und Massenproduktion bestand. Die millionenfach und oft von Frauen gefertigte britische Maschinenpistole Sten Gun hatte praktisch kein Stück Metall zu viel. Der sowjetische T-34 Panzer konnte seine Stärke vor allem in zahlenmäßiger Überlegenheit ausspielen.

Warum sich manche Innovationen schnell durchsetzten und andere in endlosen Debatten und Verzögerungen mündeten, habe oft weniger mit Überzeugungen, sondern mit Verteilungskämpfen um Budgets zu tun gehabt, erklärt der Historiker Raths. Auch das eine Parallele zu heutigen Beschaffungsvorgängen.

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Was macht die ukrainische Drohnenindustrie besonders?

Die aktuelle Aufstellung der ukrainischen Rüstungsindustrie ist direkte Folge des Kriegsverlaufs. Weil westliche Unterstützer kaum Marschflugkörper lieferten, trieb man die Entwicklung eigener weitreichender Lenkraketen voran.

Da Russlands Bombenkampagne seit Jahren große Rüstungsstandorte ins Visier nimmt, ist die Drohnenfertigung über zahllose Werkstätten und Kleinstbetriebe verteilt. Um Drohnen möglichst schnell an neue Erfahrungen von der Front anzupassen, stehen ukrainische Einheiten oft in direktem Austausch mit Herstellern. Teils bestellen sie dort direkt anstatt über eine zentrale Beschaffungsbürokratie.

Nicht alle dieser Innovationen können sinnvoll durch Nato-Staaten übernommen werden. Aber ihren Wert ganz zu leugnen, belegt eine riskante Überheblichkeit.

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Machen günstige Drohnen teure Panzer obsolet?

Umgekehrt werden aus der rasanten Verbreitung von Kampfdrohnen aber auch viele übertriebene Schlussfolgerungen gezogen. Dazu gehört insbesondere ein Abgesang auf Panzer und andere teure Waffensysteme insgesamt. Warum sollte eine Armee Millionenbeträge in ein einzelnes Landfahrzeug investieren, das von einer Drohne für wenige Tausend Euro ausgeschaltet werden kann? Das liest man gerade häufiger.

Doch die zahllosen Videos von Panzerabschüssen durch Drohnen in der Ukraine vermitteln nur einen Teil des Bildes. Die zentralen Vorteile von Panzern - hohe Feuerkraft, bei gleichzeitig hohem Schutz, mobil im Gefecht jederzeit verfügbar zu halten - konnten auf den statischen Schlachtfeldern der Ukraine oft nur begrenzt ausgespielt werden. Und diese Kombination an Fähigkeiten ist auch weiterhin gefragt.

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Die technischen Eigenschaften eines einzelnen Waffensystems, etwa Reichweite oder Zerstörungskraft, isoliert zu betrachten, verkennt, wie moderne Streitkräfte funktionieren. Der beste Panzer wird zur Belastung, wenn keine Infrastruktur zur Wartung existiert. Eine Aufklärungsdrohne hat dann die größte Wirkung, wenn auch Artillerie verfügbar ist, um auf eine Feindbewegung schnell zu reagieren.

"Das ist zentral. Es sind exakt diese Faktoren, die eine reflektierte Betrachtung von Gewaltmaschinen überhaupt erst ermöglichen", betont Experte Raths. Erst wenn all diese Systeme gemeinsam im Verbund agieren, schöpfen sie ihr Potenzial aus.

Panzer werden auf dem Gefechtsfeld präsent bleiben, aber ihre Aufgaben und ihre dazu passende Form werden sich deutlich ändern - das ist aber nichts neues, sondern in den 100 Jahren Geschichte des Panzers die Regel gewesen.

Ralf Raths, Deutsches Panzermuseum

Es ist nicht der erste Abgesang auf den Panzer. Von Lenkraketen über Hubschrauber bis zu Atomwaffen sollten verschiedene Technologien bereits ein Ende der Panzertruppe einläuten. Am Ende war die Lösung stets Anpassungen am Gefährt und wie es eingesetzt wurde - aber kein Verschwinden. Für Rheinmetall und andere Panzer-Hersteller geht es nun darum, die richtigen Schlüsse aus dem Drohnen-Krieg zu ziehen.



Braucht Deutschland jetzt schnellstmöglich Drohnen-Truppen?

Dass Drohnen unterschiedlichster Art vom Schlachtfeld nicht mehr wegzudenken sind, da sind sich alle Experten einig. Das heißt aber nicht automatisch, dass Deutschland jetzt schnellstmöglich riesige Drohnenvorräte beschaffen sollte.

Die technische Entwicklung ist so rasant, was heute beschafft wird, könnte bei einem Konflikt in wenigen Jahren bereits überholt sein.

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Dazu kommt, dass selbst grundlegende Fragen der Doktrin, also wie Drohnen in der Bundeswehr künftig eingesetzt werden, noch unbeantwortet sind. Als Beispiel: Sollten deutsche Jägerverbände, die im Baltikum operieren, alle dezentral Drohnen-Spezialisten in ihren Zügen haben? Sollten Kamikaze-Drohnen wie Artillerie behandelt werden? Wie dicht sollte ein Netz an Abfangdrohnen an einem Frontabschnitt sein, damit es nur schwer überlastet werden kann?

Es gibt Dutzende solcher offenen Fachfragen, deren Beantwortung grundlegend verändert, welche Drohnen in welcher Stückzahl benötigt werden und wie die Bundeswehr sie künftig einsetzt.

Aktuell hat kein Land so fundierte Erfahrungen im Umgang mit Kampfdrohnen - das Wissen der ukrainischen Soldaten und "Hausfrauen" in der Industrie ist deshalb essenzielle Grundlage, damit Unternehmen wie Rheinmetall in den kommenden Jahren überhaupt innovativ sein können.

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Über die ukrainische Drohnenindustrie berichtete das heute journal update am 21.03.2026 um 00:20 Uhr im Beitrag "Ukrainische Abfangdrohnen für Golfstaaten?".

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