Wie Merz seine Freundin Aigner zur Präsidenten-Kandidatin kürt

Erste Bundespräsidentin?:Wie Merz seine Freundin Aigner zur Kandidatin kürt

Wulf Schmiese

von Wulf Schmiese

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Heute Abend wird Friedrich Merz dem CDU-Präsidium sagen, wer seine Präferenz als Bundespräsidentin ist. Jeder weiß: Dessen Präferenz ist seine langjährige Freundin Ilse Aigner.

Ilse Aigner (CSU), Präsidentin des Bayerischen Landtags (Archivfoto)

Die Entscheidung für Ilse Aigner als Bundespräsidentin scheint wohl gefallen. Große Teile der Union haben sich auf die CSU-Frau und bayerische Landtagspräsidentin verständigt.

06.11.2026 | 3:10 min

Um 20 Uhr beginnt im Konrad-Adenauer-Haus ein inoffizielles Abendessen des Präsidiums. Schon vor Wochen, beim Erhalt der Einladung dazu, ahnten die 24 vom Parteichef angeschriebenen Top-Leute der CDU, dass hier die Kür stattfinden wird.

Es schien ihnen auch höchste Zeit zu sein, denn der Name Ilse Aigner dominierte längst in den Medien. Doch die meisten Präsiden wussten da noch nicht, ob sich Merz bereits auf Aigner festgelegt hatte. Schließlich wurden einige von ihnen aus dem Präsidium selbst gehandelt.

Seit einem Jahr - und damit viel länger schon als Aigner - galt Karin Prien, die Bundesbildungsministerin, als mögliche Kandidatin. Merz schätze ihre Loyalität, obwohl sie politisch eigentlich immer links von ihm gestanden habe.

Wulf Schmiese im Gespräch Dunja Hayali

Merz habe zu lange gewartet, seine Führungskräfte in der Nachfolgefrage im Bundespräsidentenamt zu informieren. Doch nun könne für Aigner "nichts mehr schief gehen", so Schmiese.

06.11.2026 | 3:03 min

Auch Klöckner, Claus und Rhein galten als denkbar

Oder Julia Klöckner, die Bundestagspräsidentin, hielten viele sogar für Merz' Wunschkandidatin, weil sie ihn begeistere als volksnah und geradeaus.

Boris Rhein, als Hessens Ministerpräsident auch im Präsidium, hatte sich selbst zum möglichen Kandidaten gemacht - wie andere im Präsidium lästern. Ein Mann zwar, aber als konservativer Jurist jemand, der in der Bundesversammlung die wichtige SPD hinter sich haben könne, so wurde argumentiert, weil er die in Hessen den Grünen als Koalitionspartner vorgezogen hatte.

Zu den drei CDU-Namen kam dann, als die Einladung schon vorlag, noch jener der CDU-Fraktionschefin im hessischen Landtag hinzu: Ines Claus. Als ihr Name fiel, wohl von Roland Koch empfohlen, mutmaßten allerdings wichtige Präsiden: Wenn Merz jetzt eine weithin Unbekannte nennen lässt, wird er wohl wirklich niemanden ernsthaft aufbieten können gegen Aigner.

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05.11.2026 | 1:01 min

CDU-Führung von Merz genervt

Das Abwarten des CDU-Vorsitzenden hat viele in der CDU-Führung genervt. Sie sahen sich nicht in den Findungsprozess eingebunden. Erst am Freitag telefonierte Merz mit den Ministerpräsidenten und Landesvorsitzenden seiner Partei, um sie einzuweihen in seinen Plan, Ilse Aigner am Sonntag vorschlagen zu wollen.

Umgehend brach der Damm, es wurde berichtet. Noch schnell Mitwissen zu bekunden, bevor es das ganze Land weiß, war wohl eine Retourkutsche. Denn manche in der CDU-Spitze fühlten sich vom schweigenden Kanzler in mitunter peinliche Situationen gebracht.

Markus Söder und Friedrich Merz

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01.11.2026 | 3:46 min

Wahl am 30. Januar 2027

Wurden sie in Interviews gefragt, wen denn die CDU wolle oder auch nur, was sie von Aigner hielten, wussten sie wenig zu sagen - und wenn sie lobten, galten sie sogleich als mögliche Merz-Widersacher.

Noch größer wurde ihre Not, Prominente als Wahlleute für die Bundesversammlung am 30. Januar 2027 anzufragen: Für wessen Wahl denn? Das konnte bislang niemand wirklich beantworten.

Das stoische Schweigen von Merz soll nun wirken wie Strategie: den eigenen Leuten gezeigt zu haben, dass die große CDU wirklich keine überzeugendere Frau für das höchste Amt in Deutschland hat als die kleine CSU.

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06.11.2026 | 1:23 min

Aigner - politische Freundin von Merz

Aigner sei eine langjährige politische und auch private Freundin von Merz, wie im Umfeld des Kanzlers ungefragt versichert wird: Die beiden kennen sich seit 1998, als Aigner erstmals in den Bundestag einzog.

In ihrem Wahlkreis Starnberg, den sie bis zum Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 immer direkt gewonnen hat, liegt Merz` Ferienhaus in Gmund. Aigner wohnt keine halbe Stunde davon entfernt in Feldkirchen-Westerham. Die beiden hätten in Oberbayern denselben Freundeskreis und seien stets sommers gemeinsam gewandert.

Im August hatten sie sich dort getroffen und Merz ihr gesagt, dass er sie sich sehr gut vorstellen könne als Bundespräsidentin. Aber dass die CDU voll dahinterstehen müsse, ebenso die SPD und idealerweise auch die Grünen. Denn, so das Ziel, die Mitte müsse Stabilität zeigen. Es dürfe kein enges Rennen werden, sondern eine Entscheidung im ersten Wahlgang am 30. Januar 2027.

Schaltgespräch mit Wulf Schmiese und Christoph Wiesel-Lancé

Obwohl die Bekanntmachung des Kanzlers, wer neue Bundespräsidentin werden solle, für viele deutlich zu spät kam, sei nun klar: „Alle sind für Ilse Aigner“, so Wulf Schmiese.

07.11.2026 | 0:52 min

Merz wird Aigner am Montag nominieren

An diesem Montag soll Ilse Aigner nun offiziell Kandidatin werden. Um neun Uhr wird sie im CDU-Präsidium anwesend sein und von Merz vorgestellt werden. Nach der Sitzung mit Einführung und Aussprache wird es um elf Uhr ebenso wiederholt werden im fast doppelt so großen CDU-Bundesvorstand.

Gegen 13 Uhr werden dann im Foyer des Adenauer-Hauses der Kanzler und Aigner gemeinsam vor die Medien treten, um gleich anschließend nach München zu fliegen. Dort ist ein Festakt geplant mit der israelitischen Kultusgemeinde, gefeiert werden 20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge und damit die gelungene Rückkehr jüdischen Lebens im Zentrum Münchens.

Seit langem schon steht der gemeinsame Termin, übrigens auch mit Markus Söder. Dieser 9. November sollte Abschluss einer wochenlangen Choreografie sein. Merz ist der Letzte, der sie geheim hielt.

Wulf Schmiese ist stellv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

Über dieses Thema berichtete das ZDF heute journal am 06.11.2026 ab 21:45 Uhr.

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