Kanzler zur Bundespräsidenten-Wahl:Merz: CDU hat Anspruch auf eigenen Kandidaten
von Diana Zimmermann, Tokio
Wie geht es weiter in der Diskussion um die bevorstehende Bundespräsidentschaftswahl? Dazu äußert sich nun auch Kanzler Merz. Derweil ist eine neue CDU-Kandidatin im Gespräch.
Die CDU berät über die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier, legt sich aber noch nicht fest. CSU-Chef Söder wirbt für Ilse Aigner. Kanzler Merz will Anfang November einen Vorschlag vorlegen.
27.10.2026 | 2:40 minWährend seiner Asienreise äußert sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur in Deutschland entbrannten Diskussion um den nächsten Bundespräsidenten beziehungsweise vermutlich die erste Bundespräsidentin.
Über sein Umfeld ließ Merz wissen, als Kanzler und CDU-Vorsitzender habe er ein Interesse "an einem geordneten Prozess" zur Vorbereitung auf die Wahl zum nächsten Bundespräsidenten beziehungsweise zur Bundespräsidentin. Der erste Termin dafür sei die Sitzung des CDU-Präsidiums am 9. November. Bis dahin fänden Gespräche mit Landesvorständen, Ministerpräsidenten, im Präsidium der CDU und mit der CSU statt.
Ärger in der CDU über CSU
Im nächsten Schritt sollen zunächst der Koalitionspartner SPD und dann die Grünen eingebunden werden. "Die Entscheidung soll breit abgefedert sein", heißt es aus Merz' Umfeld.
Dass die CSU früh Ilse Aigner auf ihr Schild gehoben hat, die beim Parteitag der CSU am vergangenen Wochenende von den Delegierten gefeiert wurde, als sei sie bereits nominiert, hat in der CDU für Ärger gesorgt. Sie verfügt über das Vorschlagsrecht. Der Kanzler ließ denn auch wissen: "Die CDU hat als größte Fraktion den Anspruch, eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorzuschlagen."
Der Kanzler selbst habe bisher "weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet".
Viele Delegierte hatten auf Merz' Unterstützung für Ilse Aigner als Bundespräsidentin gehofft. Doch der Kanzler bleibt vage und beschwört den Zusammenhalt.
24.10.2026 | 2:34 minHessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus im Gespräch
Im Gespräch ist nun auch die 49-jährige hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus, die außerhalb von Hessen kaum bekannt ist. Anders als die 61-jährige Aigner ist Claus Juristin, eine Qualifikation, die viele als unerlässlich erachten, wenn es in der nächsten Legislatur zu komplizierten Mehrheitsverhältnissen kommen sollte.
Trotz des "Anspruchs" der CDU, eine der Ihren ins höchste Amt des Staates zu befördern, könnte die Wahl dennoch auf Aigner fallen. Denn mit ihr als Bundespräsidentin wäre Markus Söder der Weg ins Kanzleramt versperrt.
Ein Argument, das nicht nur aus Perspektive der CDU insgesamt für die 61-jährige Ilse Aigner sprechen könnte, sondern auch für Friedrich Merz und insbesondere Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Hendrik Wüst attraktiv wäre.
Die CSU gilt als männerdominierte Partei und verzichtet bis heute auf eine Frauenquote. Ilse Aigner hat sich dennoch an die Spitze gekämpft und steht beim Parteitag besonders im Fokus.
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