Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye: "Ich bin eine Überwinderin"

Wie der Glaube ihr geholfen hat:Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye: "Ich bin eine Überwinderin"

von Felicia Kaul

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2024 gewann die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye Gold bei den Olympischen Spielen. Ihr Lebensweg bis dorthin war steinig - doch vor allem der Glaube gibt ihr Kraft.

Eine junge Kugelstoßerin in konzentrierter Haltung vor dem Wurf.

2024 gewinnt Yemisi überraschend olympisches Gold im Kugelstoßen. Beim harten Aufstieg von der Außenseiterin zur Olympiasiegerin findet sie Kraft im Sport und in ihrem Glauben.

28.07.2026 | 28:29 min

Der 9. August 2024 hat das Leben von Yemisi Ogunleye, die inzwischen geheiratet hat und Yemisi Mabry heißt, für immer verändert. Sie tritt als Außenseiterin bei den Olympischen Spielen in Paris an, hofft das Finale zu erreichen. Mit dem Gewinn rechnet niemand. Beim sechsten Stoß im Finale wirft sie die Vier-Kilo-Kugel 20 Meter weit. Vor 80.000 Menschen gewinnt Yemisi im Pariser Olympiastation die Goldmedaille im Kugelstoßen.

Ich stand wirklich zum ersten Mal an einem Punkt, wo ich gesagt habe: Ich bin genau für diesen Moment gemacht.

Yemisi, Olympiasiegerin 2024

Nach ihrem Olympiasieg singt sie auf der Pressekonferenz spontan den Gospel-Song "I Almost Let Go". Das Lied sei der Soundtrack ihres Lebens. "Ich habe fast aufgegeben, aber Gott hat mich gehalten", singt sie. "Ich habe fast gedacht, ich schaffe es nicht. Aber er hat mir die nötige Kraft gegeben." Das Lied habe sie aus Dankbarkeit zu Gott gesungen, erzählt sie.

Yemisi Mabry in Aktion.

Bei den Meisterschaften in Dresden ging Yemisi Mabry mit weiteren deutschen Topstars wie Malaika Mihambo an den Start.

27.05.2026 | 0:38 min

Yemisi findet Rückhalt in ihrem Glauben

Der Glaube hat Yemisi immer Kraft gegeben, auch in ihrer dunkelsten Zeit. Als Grundschülerin wird Yemisi von anderen Kindern aufgrund ihrer Hautfarbe, Haare und Größe gemobbt. Sie fühlt sich fehl am Platz und zieht sich immer mehr zurück. Mit ihren Eltern spricht sie nicht über die Ausgrenzung. Mit zwölf Jahren hat sie Suizidgedanken.

Ich habe immer gedacht, der einfachste Weg ist doch, wenn ich einfach nicht da bin, dann hören diese ganzen Aussagen auf.

Yemisi, kämpft mit den Folgen von Mobbing

Gerettet habe sie damals die Begegnung mit Abigail Bruce, der damaligen Jugendleiterin ihrer Kirchengemeinde. Sie sieht und versteht Yemisis Lage. Für Abigail war dieser Moment der Beginn einer besonderen Beziehung, erzählt sie in der Reportage "Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi" von 37 Grad.

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13.04.2026 | 43:21 min

Wegbegleiterin überlebenswichtig

Abigail wurde zur großen Schwester, zur Vertrauten und Wegbegleiterin. Vor allem aber führte sie Yemisi zu einem Glauben, der ihr Leben veränderte. In der Kirche erfährt Yemisi Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Durch den Gesang im Gospelchor schöpft sie neuen Mut.

Ich bin eine Überwinderin. Ich bin jemand, die fällt, die Fehler macht und wieder aufsteht.

Yemisi, deutsche Kugelstoßerin

Ein Jugendlicher hält ein Smartphone in den Händen. Beim Mobbing im Internet können Opfer nicht einfach nach Hause entfliehen- und sie wissen in der Regel nicht, wie viele Leute zugucken.

Eine aktuelle Studie zeigt: Jede vierte Person im Alter von 18 bis 24 Jahren hat bereits Cybermobbing erfahren. Experten fordern unter anderem, Betroffene besser zu unterstützen.

08.11.2025 | 1:56 min

Auch der Sport gibt Yemisi in dieser Zeit Kraft. Über das Turnen kommt sie zunächst zum Siebenkampf. Sie hat Spaß und Talent, beginnt von einer Karriere als Leistungssportlerin zu träumen. Doch eine Knieverletzung durchkreuzt die Pläne.

Immer wieder aufstehen

Zusammen mit ihrer Trainerin Iris Manke-Reimers erlernt sie eine knieschonende Technik und schwenkt auf Kugelstoßen um. Aus einer Notlösung entwickelt sich eine Berufung. Doch nach einem zweiten Kreuzbandriss ist unsicher, ob Yemisi jemals wieder Sport machen kann.

Doch Yemisi steht wieder und wieder auf. Sie kämpft sich zurück in den Sport. Sie habe in dieser Zeit gelernt, ihren Wert nicht an sportlichen Leistungen zu messen, sagt sie.

Für mich als Sportlerin war das die größte Lehre überhaupt, durch die Verletzungen durchzukommen.

Yemisi, erlitt zwei Kreuzbandrisse

Um ihre Leistung zu halten, trainiert Yemisi jeden Tag hart. Bei der Leichtathletik-WM 2025 belegt sie den sechsten Platz. Schnell heißt es, sie habe "nur" den sechsten Platz belegt, könnte nicht an den Erfolg der Olympischen Spiele anknüpfen. Eine Denkweise, die die 27-Jährige heute abgelegt hat: "Ich muss mich in dem Moment echt fangen und sagen: Nein, es ist der sechste Platz der ganzen Welt!"

Die deutsche Leichtathletin Malaika Mihambo nach ihrem Absprung im Weitsprung beim Internationalen Stadionfest in Berlin

Weitspringerin Malaika Mihambo fehlte eine Winzigkeit zum Sieg, bei Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye war es deutlich: In Berlin landeten sie auf den Plätzen zwei beziehungsweise drei.

06.03.2026 | 10:19 min

Menschlichkeit wichtiger als Erfolg

Ruhe findet Yemisi auch heute noch in ihrer Kirchengemeinde Christ Gospel City in Karlsruhe. Dort ist sie nicht die Goldmedaillengewinnerin, sondern ein ganz normales Gemeindemitglied. "Hier zu sein, das ist meine Familie, das ist mein Auffangbecken", sagt sie stolz.

Trotz Goldmedaille, Ruhm und öffentlicher Aufmerksamkeit definiert sich Yemisi nicht über Erfolge - nicht mal über den Sport. Sie sagt: "Ich will nicht erinnert werden nach meiner Karriere an die vielen Medaillen, die ich gewonnen habe, sondern welche Art von Mensch ich war."




Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi" von 37 Grad am 28.07.2026 ab 22:15 Uhr.
 

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