Vorsichtsmaßnahmen wegen Anfeindungen:Wie Marcant auf Social Media gegen Rechts kämpft
von Max Neidlinger und Ulrich Hansen
Seit zwei Jahren interviewt Youtuber und Tiktoker Marcant rechtsextreme Demonstranten. Hunderttausende schauen sich das an. Sein Leben hat das komplett verändert.
Er ist 24 Jahre und erhält täglich Morddrohungen. Marcant geht auf Nazi-Demos. "Verpiss Dich!", rufen einige dem großen jungen Mann zu, der freundlich, aber bestimmt Fragen stellt.
05.07.2026 | 27:05 minMarc ist 24. Unter dem Namen "Marcant" hat er auf YouTube und TikTok je eine halbe Million Follower. Angefangen habe alles vor zwei Jahren: "Ich war auf TikTok und habe immer mehr rechte Content Creator gesehen."
Marc macht als Marcant Content gegen Rechts
Wie kann das sein, habe er sich gefragt: "Vor 80 Jahren war der Holocaust und jetzt werden den Holocaust verherrlichende Lieder gelipsynct von 14-jährigen Mädchen. Irgendwas stimmt hier nicht." Seitdem interviewt er Menschen auf Veranstaltungen von Rechtsextremen, Verschwörungstheoretikern und der AfD.
In Deutschland zählen immer mehr Menschen zu politischen Extremisten. Den größten Anteil machen laut aktuellem Verfassungsschutzbericht weiterhin Rechtsextremisten aus.
30.06.2026 | 1:29 minSo ist er im Februar auf dem Weg zu einer Demonstration in Dresden zum Jahrestag der Bombardierung, angemeldet vom Neonazi-Kader Lutz Giesen. "Hast Du mehr Angst, dass die Technik nicht funktioniert oder mehr Angst, dass Nazis dich verprügeln", fragt Marc seinen Mitarbeiter und schaut in den Rückspiegel. "Ist ein mulmiges Gefühl", antwortet der von der Rückbank. "Bisher war ich ja eher im Schnitt aktiv." Der Mitarbeiter fährt zum ersten Mal mit zu einer rechtsextremen Kundgebung, wird als Kameramann filmen.
Kurz und knapp: Da treffen sich 2.000 Nazis, um einen Opfermythos zu erschaffen, dass sie, also die Deutschen, die Leidtragenden sind des Zweiten Weltkriegs und all der Verbrechen, die da passiert sind.
Marc, macht seit zwei Jahren Content gegen Rechts
Randale, Hakenkreuzschmierereien, in Cottbus nehmen mutmaßliche rechtsextreme Vorfälle zu. Mehr Polizeischutz und Videoüberwachung sollen dagegen wirken, aber das Problem scheint tiefer zu gehen.
16.05.2026 | 4:13 minMarc hat Vorsichtsmaßnahmen gegen Anfeindungen getroffen
Nicht jeder findet sein Engagement gut. "Du bist so ein Hurensohn, du linker Drecksjude, wenn ich dich treffen würde, wärst du einen Kopf kürzer, du linke Schwuchtel, warte mal ab, du Missgeburt." Marc zeigt dem ZDF-Team die anonyme Nachricht, die er bekommen hat, als sie in Dresden sind.
"Ich habe Vorsichtsmaßnahmen ergriffen", erzählt Marc: sein Umfeld geschmälert, private Accounts gelöscht, mehrfach umgezogen.
Ich habe alles gekappt aus meinem alten Leben, was irgendwie kappbar war.
Marc, lebt aus Sicherheitsgründen anonym
Für sein Engagement gegen rechte Narrative erhielt Marcant (M.) den Preis der Theodor Heuss Stiftung 2026.
Quelle: ZDFÜberzeugen mit Fakten und Wissen
Auf einer Elbbrücke nimmt er eine Moderation auf: "Vor 81 Jahren ist hier Bomber Harris mit seinen Jungs rüber geflogen und hat angeblich 250.000 bis 300.000 Menschen ermordet. In Wahrheit waren es 25.000. Aber natürlich: Jeder Tote ist ein Toter zu viel."
Er argumentiert mit Fakten, Bildung, Wissen. Manchmal mit Geschichte, manchmal mit Biologie. Dass ein afghanischer Flüchtling biologisch nicht anders ist als sie selbst, geben dann irgendwann sogar Rassisten zu.
An diesem Tag schlägt ihm Ablehnung entgegen. "Verpiss Dich!" sagt einer. "Ich sehe hier keine Nazis", ein anderer. Marc deutet auf die Mitdemonstranten: "Warum sehe ich hier Thor-Steinar-Klamotten? Warum sehe ich Schwarze Sonnen, warum laufen hier verurteilte Nationalsozialisten rum, die sich auch selbst so nennen?"
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23.11.2025 | 27:06 minMarc spricht ganz bewusst mit Neonazis
Mit einem bekannten Neonazi auf der Demo, Thorsten Heise, kommt Marc nicht ins Gespräch. Mit einem anderen, Michael Brück, gelingt ihm das. Er fragt ihn, ob er denn auch beim Holocaust-Gedenktag gewesen sei. "Ich weiß nicht, was ich da gemacht habe", antwortet Brück. Das sei doch erst vor zwei Wochen gewesen, entgegnet Marc. "Ich arbeite viel, ich habe nicht an jedem Tag Zeit", meint Michael Brück, sagt: "Jeder Mensch muss für sich Prioritäten setzen. Wenn Sie dahin gehen, ist das doch völlig in Ordnung, wenn Ihnen das wichtig ist." Marc fragt ihn daraufhin: "Warum ist Ihnen das nicht wichtig?"
"Der Spruch 'Mit Nazis redet man nicht', der war valide, vor zehn Jahren," erklärt Marc seine Vorgehensweise. "Aber inzwischen reden die Nazis in Parlamenten, reden die Nazis überall auf Straßen, zu hundertfach. Reden im Internet, haben hunderttausende Follower und Followerinnen."
Spät verlassen er und sein Team Dresden. Er deutet in Richtung der Gegendemonstranten. "Wir kommen und gehen. Und da stehen immer noch Tausende, die gegen Faschismus demonstrieren. Denen applaudiert halt irgendwie keiner. Das wollen wir auch zeigen."
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