Darknet-Plattform mit Todeslisten:Drei Jahre Haft für Aufruf zu Politiker-Attentaten
Er hatte im Darknet Todeslisten erstellt und zu Attentaten auf Politiker aufgerufen: Ein Rechtsextremist aus Dortmund ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Ein 50-jähriger Rechtsextremist wurde vom Oberlandesgericht in Düsseldorf zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Verurteilte hatte Politiker-Todeslisten auf einer Darknet-Plattform veröffentlicht.
19.06.2026 | 0:41 minFür den Aufruf im Darknet zur Ermordung deutscher Politiker, Richter, Staatsanwälte und Wissenschaftler ist ein Rechtsextremist aus Dortmund (NRW) zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den 50-jährigen Informatiker schuldig.
Er habe die Plattform "Assassination Politics" (Politik der Attentate) geschaffen und betrieben, auf der Politiker-Todeslisten veröffentlicht, Krypto-Kopfgeld für deren Ermordung eingeworben und Anleitungen zu Mordanschlägen und Bombenbau mitgeliefert wurden. Das Bundeskriminalamt hatte die Plattform abgeschaltet.
Vorsitzender Richter: "Überzeugter Rechtsextremist"
Das Gericht sprach den Deutsch-Polen wegen Terrorfinanzierung, Anleitung zum illegalen Waffenbau und Anleitung zu Terroranschlägen schuldig. So habe er Anleitungen zum Bau von Bomben aus Düngemitteln und zur Herstellung von Napalm ins Darknet eingestellt. Der Vorsitzende Richter sagte:
Der Angeklagte ist überzeugter Rechtsextremist und vorbestraft.
Vorsitzender Richter
Er habe Kontakte in die Dortmunder Neonazi-Szene unterhalten und an einem Gedenkmarsch für den Neonazi Siegfried Borchardt ("SS-Siggi") teilgenommen.
Martin S. soll im Darknet zu Anschlägen auf Politiker aufgerufen haben. Ermittler prüfen Verbindungen zur rechtsextremen Szene und zu den Reichsbürgern. Die Hintergründe bei ZDFheute live.
11.11.2025 | 19:19 minEr selbst habe auf der Plattform geschrieben, dass diese der gewaltsamen Einflussnahme auf die Politik diene. Seine Behauptung im Prozess, es habe sich lediglich um eine Provokation der Justiz gehandelt, sei eine "äußerst fernliegende" Schutzbehauptung.
Vielmehr habe er sich sehr darum bemüht, nicht aufzufliegen und deshalb auch die Kryptowährung Monero verwendet, weil deren Zahlungsweg kaum nachvollziehbar sei. Der Angeklagte habe auf einen gewaltsamen Umsturz hingearbeitet.
Aufrufe zu Attentaten auf Merkel und Scholz
Der 50-Jährige hatte fiktive Strafakten erstellt und zu Attentaten etwa auf die Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel (CDU) aufgerufen. Der Virologe Christian Drosten und die Biontech-Gründer hätten ebenso auf seiner Todesliste gestanden. Er wolle sich in die Politik gar nicht einmischen, behauptete der 50-Jährige in seinem Schlusswort: "Aus Sicht eines Nationalsozialisten besteht kein Grund, in die Politik einzugreifen."
Wiederholt stellte sich der Informatiker als Justizopfer dar. Fünf Rechtsanwälte hätten sich gegen ihn verschworen, eine Richterin habe die Beweisaufnahme gefälscht, so seine Behauptung.
Rechtsextreme Straftaten erreichen 2024 einen neuen Höchststand. Darunter sind brutale Gewalttaten, die sich gegen politische Gegner richten. Wer sind die oft sehr jungen Täter?
19.03.2025 | 29:31 minKopfgeld in Kryptowährung
Besucher seiner Plattform sollten in der Kryptowährung Monero Geld spenden, das an erfolgreiche Attentäter ausgezahlt werden sollte. Die Bundesanwaltschaft hatte für den Angeklagten fünf Jahre Haft gefordert, der Verteidiger Freispruch. Er kündigte Revision an. Weil kein Geld eingegangen sei, handele es sich nur um versuchte Terrorfinanzierung und die sei nicht strafbar, argumentierte er.
Der Angeklagte hatte ein Teilgeständnis abgelegt und eingeräumt, die Plattform erstellt und betrieben zu haben. In seiner Wohnung seien neun Hitler-Büsten entdeckt worden. Diese seien mit Hilfe eines 3D-Druckers angefertigt worden, sagte der Richter.
Im anonymen Teil des Internets fänden Kriminelle leicht zueinander. Als Ort der Kriminalität sei das Darknet deshalb nicht zu überschätzen, sagt ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.
11.11.2025 | 4:39 minRadikalisierung und Verschwörungstheorien
Der Rechtsradikale wurde seit 2020 als politisch motivierter Straftäter der Reichsbürger-Szene eingeordnet. In der Corona-Pandemie hatte er als Maskenverweigerer auf Polizisten eingeschlagen und zwei von ihnen zum Teil erheblich verletzt. Dafür war der Mann rechtskräftig zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden - nun droht ihm zusätzlich der Widerruf dieser Bewährung.
Auch Staatsanwälte, die gegen die Rechtsextremistin Svenja Liebich und den AfD-Politiker Björn Höcke vorgingen, landeten auf seiner Todesliste.
Er wollte politische Attentäter zu eigenständigen Mordanschlägen veranlassen.
Vertreter der Bundesanwaltschaft.
Seit November in Untersuchungshaft
Der in Polen geborene Mann hatte in Deutschland auf dem zweiten Bildungsweg Informatik studiert und als Softwareentwickler zuletzt für eine Bank fünf Jahre im Homeoffice gearbeitet.
Verschwörungsmythen finden auch in Deutschland Anhänger. Sie sehen die Coronapandemie und andere Krisen als Beleg, dass dunkle Mächte im Hintergrund böse Pläne schmieden.
05.02.2023 | 44:19 minAn einer Demonstration für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck war er nach Angaben der Bundesanwaltschaft ebenfalls beteiligt. Polizisten hatten den Deutsch-Polen, der 1989 mit seinen Eltern nach Deutschland kam, im vergangenen November in Dortmund festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu Rechtsextremismus
Festnahme in Dortmund:Aufruf zu Anschlägen auf Politiker: Mann in U-Haft
mit Video19:19Der Fall Martin S.:Welche Rolle die Neonazi-Szene in Dortmund spielt
mit Video1:32Bericht über alarmierenden Trend:Immer mehr rechtsextremistische Vorfälle an Schulen
mit Video0:17Politisch motivierte Gewalttaten:Rechte Gewalt hat 2025 erneut zugenommen
mit Video0:20