Todeslisten im Darknet?:Wegen Aufruf zu Anschlägen auf Politiker Anklage erhoben
Gegen Martin S., der Todeslisten im Darknet erstellt und zu Anschlägen auf Politiker aufgerufen haben soll, wurde Anklage erhoben. Er war 2025 in Dortmund festgenommen worden.
Ein Mann soll im Darknet zu Anschlägen auf Politiker aufgerufen haben. Die Bundesanwaltschaft erhob nun Anklage gegen ihn vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.
01.04.2026 | 0:38 minDie Bundesanwaltschaft hat in Düsseldorf Anklage gegen Martin S. erhoben, der im Darknet zu Anschlägen auf bekannte Politiker aufgerufen und Spenden für mögliches Kopfgeld gesammelt haben soll. Er soll einen rechtsextremen Hintergrund haben.
Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft dem Deutsch-Polen laut Mitteilung Terrorismus-Finanzierung und die Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor.
Im November 2025 festgenommen
Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) und der Bundespolizei hatten den Verdächtigen im November in Dortmund in Nordrhein-Westfalen festnehmen lassen. Er kam auf Grundlage eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters am Bundesgerichtshof in Untersuchungshaft.
Vorwurf: Todeslisten und Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen
S. habe mindestens seit Mai vergangenen Jahres zu Attentaten auf namentlich genannte Politiker, Amtsträger und Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland aufgerufen, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Hierzu habe er eine anonyme Plattform betrieben. Darauf: Namenslisten sowie von ihm selbst ausgesprochene Todesurteile und Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen.
Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf entscheidet jetzt, ob und wann es dort zu einem Prozess kommt.
Martin S. soll im Darknet zu Anschlägen auf Politiker aufgerufen haben. Ermittler prüfen Verbindungen zur rechtsextremen Szene und zu den Reichsbürgern. Die Hintergründe beleuchtete ZDFheute live im November 2025.
11.11.2025 | 19:19 minAngeklagter soll Spenden für Kopfgelder gesammelt haben
Im Darknet können Webseiten nicht über übliche Suchmaschinen oder Browser, sondern nur mithilfe von Anonymisierungs-Netzwerken abgerufen werden. Die Kommunikation wird verschlüsselt, Urheber und Konsumenten wollen meist anonym bleiben. Die Inhalte haben häufig einen kriminellen Hintergrund.
In diesem verborgenen Teil des Internets soll der Angeklagte die anonyme Plattform betrieben haben. Sie enthielt den Vorwürfen zufolge auch weitere Informationen mit sensiblen personenbezogenen Daten potenzieller Opfer.
S. soll zudem Spenden in Form von Kryptowährung eingefordert haben, die als Kopfgeld für die Tötungen ausgelobt werden sollten, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Mit dem Aufruf zu Anschlägen habe er die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland destabilisieren wollen.
Martin S. soll zu Politikermorden aufgerufen haben. Er hatte offenbar Verbindungen zur Dortmunder Neonaziszene. Investigativjournalist Olaf Sundermeyer kennt diese seit Langem.
11.11.2025 | 12:14 minVerdächtiger hat offenbar rechtsextremen Hintergrund
Laut ZDF-Informationen standen auf der Todesliste mehr als 20 Namen - darunter der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz, Altkanzlerin Angela Merkel und frühere Bundesminister. Ermittler hätten zudem "Strafakten" und "Todesurteile" gegen Richter und Staatsanwälte sowie rechtsextreme, rassistische und verschwörungsideologische Inhalte gefunden.
Die Ermittler rechneten S. dem rechtsextremen Reichsbürger-Milieu zu. Laut ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke war er den Sicherheitsbehörden seit 2020 bekannt, weil er durch Widerstandshandlungen bei Corona-Protesten aufgefallen war. Der Hinweis auf die Aktivitäten des Mannes im Darknet kam demnach offenbar vom Bundesamt für Verfassungsschutz.
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