Regenbogenfamilien: Gelebte Vielfalt mit einigen Hürden

Hürden für Regenbogenfamilien:Wenn Familie mehr als Vater, Mutter, Kind ist

von Felicia Kaul

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50.000 Kinder in Deutschland leben in Regenbogenfamilien. Wie diese Vielfalt gelebt werden kann, zeigen zwei ganz unterschiedliche Familienkonstellationen.

In der Boulderhalle sitzen Judith und Andrea zusammen auf dem Boden. Ihr gemeinsamer Sohn Oskar sitzt in der Mitte.

Zwei Regenbogenfamilien kämpfen um Anerkennung und Sichtbarkeit. Zwischen Liebe, Verantwortung und rechtlichen Hürden zeigen sie, dass Familie heute mehr ist als Vater, Mutter, Kind.

16.06.2026 | 28:37 min

Oskars Familie hat drei Mütter und zwei Väter

Die Familie des zehnjährigen Oskar ist groß und bunt. Er hat drei Mütter, zwei Väter und einen Stiefbruder. Für ihn ist seine Regenbogenfamilie selbstverständlich.

Ich habe halt mehr Familienmitglieder als Normale, die eben Bruder, Vater, Mutter haben. Weil ich habe ja Mutter, Mutter, Mutter, Vater, Vater - also fünf.

Oskar

Die Familie von Oskar mit mehreren Müttern und Vätern steht vor einem Baum im Englischen Garten in München.

Oskar aus München hat drei Mütter, zwei Väter und viele Bezugspersonen. Von links: Herbert, Christian, Oskar, Andrea und Judith. Nicht im Bild ist Rita.

Quelle: ZDF

Oskar lebt abwechselnd bei seiner Adoptivmutter Andrea (58) sowie bei seiner leiblichen Mutter Judith (41), deren neuer Partnerin Rita (39) und seinem Stiefbruder Valentin. Alle zwei Wochen verbringt er einen Tag mit seinen Vätern Herbert (61) und Christian (51).

Ich finde, er hat für sein Alter ein ganz breites Bild auf die Welt. Er ist sehr gewillt, den Menschen in seiner Vielfalt zu sehen. Ich glaube auch, weil er immer so viel Vielfalt hat um sich herum.

Judith, sie glaubt, dass ihr Sohn von der gelebten Vielfalt profitiert

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Rückblick: Vier Wochen, nachdem Judith und Andrea Herbert kennenlernten, bekam er einen Anruf und eine Frage: Kannst du dir vorstellen, der Vater unserer Kinder zu werden? Das damalige Paar und Herbert entschieden sich schließlich für eine gemeinsame Elternschaft. Von Anfang an war klar, dass Herbert an dem Leben von Oskar teilhaben wird.

Ich bin nicht der Überzeugung, dass es gut ist, wenn ein Kind nicht weiß, wer sein Vater ist.

Herbert

Bisher sei die Familienkonstellation zwar auf Interesse, selten aber auf Ablehnung gestoßen, berichtet Judith. Doch die Eltern machten sich Sorgen, wie vor allem ältere Kinder mit dem Thema umgehen, als Oskar in die weiterführende Schule kam. Und ausgerechnet in dieser Umbruchszeit trennten sich Judith und Rita. Das bedeutete für Oskar: neues Zuhause, neue Routinen und vor allem weniger Kontakt mit seinem Stiefbruder Valentin.

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Brüderzeit ist für Oskar und Valentin ein großes Bedürfnis, aber für Judith und Rita auch Monate nach der Trennung noch schwer zu organisieren. Hier springen Herbert und Christian ein: Sie ermöglichen den Kindern gemeinsame, unbeschwerte Stunden.

Wir sind halt auch das Leben. Vielleicht ein bisschen komplizierter. Und da passieren halt auch diese Höhen und Tiefen wie bei jeder anderen Familie.

Herbert

Das Bild zeigt eine Szene von einer Pride Parade in Innsbruck, Österreich. Im Vordergrund sind mehrere Teilnehmer zu sehen, die fröhlich marschieren. Eine Person trägt ein auffälliges, buntes Kleid mit geometrischem Muster sowie eine orangefarbene Perücke und hat eine bewundernde Gestik. Neben ihr ist ein weiterer Teilnehmer, der ein Hemd mit tropischem Muster trägt und ein Regenbogen-Sternenbanner um die Schulter geworfen hat.   Der Mann hält einen grünen Regenschirm und hat eine fröhliche Miene. Im Hintergrund sind eine große Menschenmenge zu sehen, die ebenfalls feierlich und ausgelassen agiert. Viele tragen bunte Accessoires, wie Regenbogenflaggen oder geschmückte Kleidung. Die Straße ist gesäumt von Bäumen, die eine grüne Umgebung bieten. Die Atmosphäre wirkt festlich und voller Freude, was die Botschaft von Toleranz und Diversität unterstreicht. Der gesamte Anlass vermittelt ein Gefühl von Gemeinschaft und Unterstützung für die LGBTIQ+-Bewegung.

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15.06.2025 | 25:56 min

Lara und Jasmin: Mutterschaft durch Stiefkindadoption

Höhen und Tiefen gibt es auch in der Elternschaft von Jasmin (39) und Lara (35) - oder vielmehr auf dem Weg dahin. Den Kinderwunsch erfüllten sie sich gemeinsam: Mithilfe einer Samenspende wurden Jasmins Eizellen befruchtet. Lara trug das Kind aus.

Ich bin unfassbar stolz, ihre Gene in mir zu tragen.

Lara

Lara und Jasmin sitzen mit ihrer Tochter im Wohnzimmer auf dem Boden. Jasmin macht mit ihrer Tochter ein High-Five.

Lara (l.) und Jasmin (r.) aus Köln sind verheiratet und haben gemeinsam ein Kind. Doch Jasmin wird vom deutschen Recht nicht automatisch als zweite Mutter anerkannt.

Quelle: ZDF

Doch schon vor der Geburt wussten die beiden: Auf der Geburtsurkunde wird nur Laras Name stehen. Eine zweifache Mutterschaft sieht das Abstammungsrecht nicht vor.

Die Tatsache, dass wir momentan eine Geburtsurkunde haben, in der Lara als Mutter steht und der Platz mit dem zweiten Elternteil leer ist, fühl sich total ungerecht an.

Jasmin

Eine Frau im Kittel sitzt auf einem Krankenhausbett, über ihren Beinen hat sie eine Decke.

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Die einzige Möglichkeit für Jasmin, auch rechtlich die Mutter des Kindes zu sein, ist der langwierige Prozess der Stiefkindadoption. In den Monaten nach der Geburt musste Jasmin ihre Eignung als Mutter immer wieder beweisen: Zeugnisse einreichen, intime Fragen beantworten und Besuche des Jugendamts erdulden.

Für Lara stellt sich die Frage, wer von dem Prozess profitiert.

Die Kinder profitieren nicht davon, denn sie haben über diese ganze Zeit nur einen Elternteil. Der Elternteil, der es gerne werden möchte, profitiert nicht davon.

Lara

Am Ende profitiere auch der Staat nicht, hält Lara fest.

Neun Monate nach der Geburt endlich das Urteil vor dem Familiengericht: Zum ersten Mal waren beide Frauen rechtlich Eltern des gemeinsamen Wunschkindes.

Nicolina und Martin liegen mit der einjährigen Adoptivtochter in der Hängematte.

Für manche Paare ist Adoption der einzige Weg zum eigenen Kind. Ein Familienglück mit vielen Herausforderungen - für die Wunscheltern, aber auch für die Adoptivkinder.

10.09.2024 | 28:43 min

Über dieses Thema berichtete 37 Grad in der Sendung "Meine ziemlich bunte Familie" am 16.06.2026 ab 22:15 Uhr.

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