Großbritannien: Verehrung und Verachtung:Könnte das Königshaus über Andrews Verstrickungen stolpern?
Der Buckingham-Palast zieht Besucher trotz des Skandals um den Ex-Prinzen Andrew und seine Verbindungen zu Epstein an. Doch was denken die Untertanen des britischen Königs Charles?
Der ehemalige Prinz Andrew wurde von der britischen Polizei festgesetzt – es stehe „Missbrauch in einem öffentlichen Amt“ im Raum. ZDF-Korrespondentin Britta Jäger und ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior berichten.
20.02.2026 | 6:34 minDie Schocknachrichten über den früheren Prinzen Andrew halten die Massen nicht vom weltberühmten Buckingham-Palast fern. An diesem Nachmittag, kurz vor dem Wochenende, deutet im Zentrum Londons nicht viel darauf hin, dass der Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, in den der 66-jährige Bruder von König Charles III. verwickelt ist, endgültige Auswirkungen auf das Vereinigte Königreich hat. Weiterhin werden Andenken gekauft und Fotos von dem prunkvollen Palast gemacht.
Die britischen Menschen mögen die Idee der Monarchie.
John, 77, Passant
John fügt hinzu: sofern diese Monarchie auch die Werte der Britinnen und Briten widerspiegle. Deshalb, glaubt er, werde das Königshaus auch den Skandal um Andrew überleben. Mit seinen bisherigen Reaktionen habe Charles III. "das Richtige" getan.
Stehen die Wolken über dem Buckingham-Palast sinnbildlich für den Zustand der Monarchie? (20.02.2026)
Quelle: ImagoAndrew aus der Familie verstoßen
Der König hatte zeitig, nachdem Andrew wegen des Verdachts des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt vorübergehend festgenommen worden war, eine Stellungnahme veröffentlichen lassen. Er stellte klar, dass das Gesetz seinen Lauf nehmen müsse. Sein Bruder wurde mit dessen neuem, bürgerlichem Namen erwähnt: Andrew Mountbatten-Windsor. Im Gegensatz zu früheren royalen Zeiten wird das als sehr offener Umgang mit Problemen gewertet.
- Schon in Umfragen vor der Festnahme war Andrew, der zweite Sohn von Queen Elizabeth II., das in der Bevölkerung mit Abstand unbeliebteste Mitglied der Königsfamilie.
- An der Spitze der Lieblinge wechselten sich zuletzt Charles III., sein Sohn William als Thronfolger und dessen Ehefrau Kate ab.
- Grundsätzlich kommen die Royals in Umfragen, auf die die großen Medien zurückgreifen, nicht wirklich schlecht weg. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sahen im Januar sechs von zehn Briten die königliche Familie und die Institution der Monarchie in einem positiven Licht. Etwa ein Drittel bewertete die Royals negativ. "Ausgesprochen stolz" auf die britische Monarchie waren im Januar 47 Prozent der Befragten.
Strafverfahren werden in Großbritannien im Namen des Monarchen geführt. Es hieße also "die Krone gegen Mountbatten‑Windsor", sagt die ZDF‑Studioleiterin in London, Hilke Petersen.
20.02.2026 | 6:18 minDie große Krise der modernen Monarchie
Die aktuelle Entwicklung wird in Großbritannien stellenweise mit Zynismus aufgenommen. "Das alles überrascht mich nicht", sagt der 24 Jahre alte Emil vor den Toren des Buckingham-Palastes. "Ich glaube, das bedeutet gar nichts, traurigerweise. Sie werden das ohne große Änderungen überleben." Viele junge Britinnen und Briten scheinen ähnlich zu denken, sie sind nicht strikt gegen die Monarchie - sie ist ihnen schlicht gleichgültiger als älteren Mitmenschen.
Allerdings formiert sich in Großbritannien mit wechselnder Intensität auch organisierter Widerstand gegen die Krone, die nach Meinung der Kritiker für überzogenen Reichtum, undurchsichtige Geldflüsse und ein altes, patriarchalisches System steht. "Die Unterstützung für die Monarchie ist seit Jahren ziemlich stetig zurückgegangen", sagt Graham Smith, Chef der Anti-Monarchie-Organisation Republic.
Der Andrew-Skandal werde zu Veränderungen führen, meint Smith. "Es wird für sie nahezu unmöglich sein, sich davon zu erholen und ihren Ruf wiederherzustellen." Die bisherigen Reaktionen des Königshauses seien das "absolute Minimum" gewesen.
Das Einzige, was bemerkenswert ist, ist, dass sie überhaupt etwas gesagt haben.
Graham Smith, Chef der Anti-Monarchie-Organisation Republic
König Charles muss sich Vorwürfen stellen. Sein Bruder Andrew pflegte enge Kontakte zu Sexualstraftäter Epstein. Der Reichtum der Familie befeuert die Kritik.
05.02.2026 | 29:15 minDie Erwartungen an die Royals
William und Kate haben sich persönlich noch nicht zu Andrew geäußert. Dem Vernehmen nach haben sie den König in jeder Hinsicht bei dessen Vorgehen unterstützt. Eine Passantin in Norfolk, dem Wohnort von Andrew sagt, man erwarte vom Königshaus, dass sie ihre Verantwortung "ehren und ehrenhaft sind."
Wenn man dann solche Dinge über ein Mitglied der königlichen Familie hört, dreht sich einem der Magen um.
Eine Passantin in Norfolk
So wie damals, unter Queen Elizabeth II., sei es nicht mehr: "Es gibt nicht mehr dieselbe Ehrerbietung."
Prinz William und seine Frau Kate äußern sich erstmals zum Fall um Jeffrey Epstein. Sie seien besorgt und in Gedanken bei den Opfern. Das ließen sie vor ihrer Saudi Arabien-Reise mitteilen.
09.02.2026 | 0:47 minIn Windsor, wo die Polizei am Freitag die luxuriöse Royal Lodge, Andrews früheren Wohnsitz, durchsuchte, sagt ein Passant, niemand könne sagen, was die Königsfamilie von Andrews Verwicklungen in den Epstein-Skandal gewusst habe. "Aber ich glaube, sie haben alles getan, um sich von ihm zu distanzieren."
Dieser Meinung sind jedoch nicht alle. Die Königsfamilie hätte früher auf die Vorwürfe gegen Andrew reagieren sollen, meint ein Anwohner. "Sie haben viel zu lange gewartet." Ein anderer richtet wiederum ein paar lobende Worte Richtung Charles: "Sein Bruder, der König, ist sehr diplomatisch. Das ist genau das, was man von ihm erwarten würde. Er ist immer sehr akribisch und vorsichtig mit dem, was er sagt."
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Recherche zu Ermittlungsakten :Epstein-Netzwerk: Missbrauch und Geschäfte
Video19:44Im Zusammenhang mit Epstein-Files:Ex-Prinz Andrew nach Festnahme wieder frei
mit Video2:16Festnahme von Ex-Prinz: Andrew-Festnahme: "Das ist eine große Krise"
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