Rücktritts-Forderungen: Epstein-Skandal setzt Starmer unter Druck

Britischer Premier in Bedrängnis:Rücktritts-Forderungen: Stürzt Starmer über Epstein-Files?

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Der Epstein-Skandal droht auch den britischen Premier Starmer zu stürzen, hatte er doch den Epstein-Vertrauten Mandelson zum US-Botschafter ernannt. Starmer will am Amt festhalten.

Keir Starmer

Premier Starmer machte Peter Mendelson trotz seiner Verbindungen zu Sexualstraftäter Epstein zum britischen Botschafter in den USA. Nun kamen neue Details ans Licht, der Druck auf Starmer wächst.

06.02.2026 | 2:16 min

Der Epstein-Skandal erschüttert in Großbritannien sowohl die Regierung als auch das Königshaus. Das Amt von Premierminister Keir Starmer, der den Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Botschafter in den USA gemacht hatte, hängt inzwischen am seidenen Faden.

Zwei enge Vertraute von Starmer sind bereits zurückgetreten: Stabschef Morgan McSweeney und Kommunikationschef Tim Allan. McSweeney sagte, er habe Starmer geraten, Mandelson zu ernennen. Dafür übernehme er "die volle Verantwortung".

Britische Medien spekulierten, dass der angeschlagene Premier wegen miserabler Umfragewerte und gescheiterter Reformprojekte selbst zum Rücktritt gezwungen sein könnte.

Elmar Theveßen

Bei den Akten wurden Namen durch Schwärzungen geschützt. "Bei unzulässigen Schwärzungen könnte der Kongress Zwangsmaßnahmen gegen das US-Justizministerium verhängen.“ - Elmar Theveßen ZDF-Korrespondent in Washington.

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Keir Starmer will britischer Premier bleiben

Doch Starmer lehnt einen Rücktritt ab, wie er am Montag bei einem Treffen mit Abgeordneten der Labour-Partei im Parlament mitteilte:

Ich bin nicht dazu bereit, mein Mandat und meine Verantwortung gegenüber meinem Land aufzugeben.

Keir Starmer, britischer Premierminister

Und weiter: "Jeden Kampf, in den ich jemals verwickelt war, habe ich gewonnen", sagte er. Der Premierminister entschuldigte sich auch bei den Opfern Epsteins für die Ernennung Mandelsons. Starmer hatte ihn kurz nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zum Botschafter in Washington berufen.

Personalentscheidung mit Folgen für den Premier

Mandelson hatte enge Verbindungen zu Epstein, wie die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten beweisen. Dass Mandelson auch nach Epsteins Verurteilung wegen der Prostitution einer Minderjährigen den Kontakt gehalten hatte, war Starmer bekannt, wie er kürzlich eingestehen musste.

Justice Department Jeffrey Epstein

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Während seiner Zeit als Wirtschaftsminister unter Ex-Premier Gordon Brown soll Mandelson mitten in der Finanzkrise sogar marktrelevante Informationen an den US-Investor verraten haben. Die Polizei ermittelt bereits in der Sache. Mandelson wurde bislang weder verhaftet noch angeklagt und sieht sich auch keinen Anschuldigungen wegen sexuellen Fehlverhaltens gegenüber.

Starmer versprach am Montag, Unterlagen im Zusammenhang mit Mandelsons Ernennung freizugeben, die zeigen sollen, dass Mandelson die Behörden über seine Beziehungen zu Epstein getäuscht hat. Eine Veröffentlichung könnte aber noch mehrere Wochen dauern.

Schottischer Labour-Chef fordert Starmers Rücktritt

Der Druck auf Starmer wächst auch parteiintern. Der Chef der Labour-Partei in Schottland, Anas Sarwar, forderte Starmer zum Rücktritt auf. Auf einer Pressekonferenz in Glasgow am Montag sagte Sarwar:

Die Ablenkung muss aufhören und die Führung in der Downing Street muss sich ändern.

Anas Sarwar, Labour-Partei Schottland

Er bezeichnete Starmer als "anständigen Mann", der sein Leben in den Dienst des Landes gestellt habe. Es seien aber "zu viele Fehler passiert". Sarwar ist der bisher ranghöchste Labour-Vertreter, der Starmer zum Rücktritt aufforderte.

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Auch Rückhalt für Starmer

Nach der Erklärung Sarwars stärkten ranghohe Kolleginnen und Kollegen von Starmer diesem den Rücken. Der stellvertretende Premierminister David Lammy teilte bei X mit:

Wir sollten nichts erlauben, uns von unserer Mission abzulenken, Großbritannien zu verändern und wir unterstützen dabei den Premierminister.

David Lammy, stellvertretender Premierminister

Die Außenministerin Yvette Cooper teilte in einem Post mit, man sei "zu dieser kritischen Zeit für die Welt" auf die Führung durch Starmer "nicht nur im Inland, sondern auch auf der globalen Bühne", angewiesen.

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Zu Starmer haltende Abgeordnete teilten mit, seine Ansprache vor Dutzenden Labour-Parlamentsmitgliedern am Montagabend sei gut angekommen. "Natürlich gab es harte Momente", sagte der Abgeordnete Chris Curtis. Doch Starmer habe die Atmosphäre zu seinen eigenen Gunsten gedreht.

Austausch von Premierminister setzt keine Parlamentswahl voraus

Die Vorsitzende der oppositionellen Konservativen Partei, Kemi Badenoch, warf Starmer vor, "eine schlechte Entscheidung nach der anderen getroffen" zu haben. Er könne nicht mehr im Amt bleiben.

In Großbritannien können Premierminister auch ohne vorherige Parlamentswahlen ausgetauscht werden. Sollte Starmer innerhalb seiner Partei herausgefordert werden oder er zurücktreten, gäbe es eine Wahl um den Vorsitz von Labour. Die Wahlsiegerin oder der Wahlsieger bekäme dann das Premierministeramt.

Quelle: dpa, AFP, AP
Über dieses Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, zuletzt etwa in heute in Europa am 06.02.2026 ab 16:00 Uhr.

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