Gefälschte Fotos und Fortnite-Account:KI-Fakes: Epstein lebt nicht unbehelligt in Israel
von Nils Metzger, Kevin Schubert
Mit KI generierte Fotos sollen angeblich belegen, dass sich der verstorbene Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in Israel aufhalte. So lassen sich solche erfundenen Geschichten widerlegen.
Spaziert Jeffrey Epstein ungehindert durch Israel? Nein, natürlich nicht. Das Bild ist ein KI-Fake.
Quelle: Reddit.com / Fit-Tip5662Der Fall Jeffrey Epstein ist weiter eines der großen Redethemen im Netz. Diese Aufmerksamkeit führt auch zu einer stetigen Flut an erfundenen Behauptungen und gefakten Bildern.
Eine der viral erfolgreichsten Verschwörungserzählungen der vergangenen Tage: Epstein sei weiterhin am Leben und würde sich in Israel aufhalten. ZDFheute zeigt, warum es dafür keine glaubwürdigen Belege gibt.
Was sieht man auf den gefälschten Bildern?
Mehrere Fotos kursieren seit mehreren Tagen, die den 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle verstorbenen Epstein am Leben zeigen sollen.
Unter anderem diese, mit KI erstellten Bilder verbreiten sich zehntausendfach im Netz.
Quelle: X.com / @TitanJayGoatDie Person auf den Bildern trägt Bart und Sonnenbrille, im Hintergrund sind Schilder mit hebräischer Schrift und unter anderem den Worten Tel Aviv zu sehen. Begleitet wird sie von Männern, die optisch Personenschützern ähneln.
Doch die Bilder lassen sich leicht als Fälschung entlarven.
Millionen Dokumente und tausende Videos: Die Epstein-Akten sorgen weltweit für Schlagzeilen – auch in Europa. Immer neue prominente Namen stehen im Fokus.
09.02.2026 | 2:07 minSo können die Bilder verifiziert werden
In der unteren rechten Ecke sieht man etwa das Wasserzeichen von Googles Gemini KI-Dienst. Manche Nutzer schneiden die Bilder deshalb so zu, dass man diesen Hinweis nicht sieht.
Dieses Foto soll Epstein in Israel zeigen. Markiert sind das Gemini-Wasserzeichen und die falschen Straßenschilder.
Quelle: Reddit.com / Fit-Tip5662Aber es gibt weitere Anhaltspunkte: Die für Israel typischen Straßenschilder im Hintergrund sind etwa nicht korrekt dreisprachig - die arabische Version fehlt, beziehungsweise ist unvollständig. Die hebräischen Schriftzeichen ergeben keinen Sinn. Einen Ort "Haangus Ev." gibt es in Tel Aviv nicht.
Google hinterlegt außerdem bei allen mit Gemini erstellten Bildern eine unsichtbare Markierung, eine sogenannte SynthID, die ihr Chat-Bot auslesen kann, wenn man das Bild dort hochlädt. Das Ergebnis:
[Die] Analyse hat ergeben, dass dieses Bild eine SynthID-Markierung enthält. Das bedeutet, dass Teile dieses Bildes mit Google-KI-Tools erstellt oder bearbeitet wurden.
Ergebnis der SynthID-Analyse mit Google Gemini
Warum soll Epstein ausgerechnet in Israel sein?
Zudem wird keine Quelle angegeben, woher das Bild stammt und wer es angefertigt haben soll. Ohne solche wichtigen Kontextinformationen sollte man grundsätzlich skeptisch bei solchen spektakulären Bildern sein.
Bei den Akten wurden Namen durch Schwärzungen geschützt. "Bei unzulässigen Schwärzungen könnte der Kongress Zwangsmaßnahmen gegen das US-Justizministerium verhängen.“ - Elmar Theveßen ZDF-Korrespondent in Washington.
09.02.2026 | 2:51 minDass Tel Aviv als Ort für solche KI-Fakes gewählt wurde, ist kein Zufall. In den Epstein-Files findet man zahlreiche Verbindungen nach Israel, etwa zu namhaften Politikern wie dem früheren Ministerpräsidenten Ehud Barak.
Im Netz wird auch angedeutet, Epstein sei ein Werkzeug israelischer Geheimdienste gewesen, um in den USA Einfluss zu sichern. Stichhaltige Beweise liefern die Epstein-Files dazu bislang nicht, Inhalte mit Bezug zur nationalen Sicherheit sind jedoch vermutlich geschwärzt. Verbindungen zu Einzelpersonen, auch einflussreichen, belegen noch keine Instrumentalisierung durch einen Staat oder Regierung.
Umfangreiche Daten zum Sexualstraftäter Epstein bringen weitere Prominente in Bedrängnis. Auch der britische Ex-Wirtschaftsminister Mandelson steht wegen möglicher Vorwürfe im Fokus.
07.02.2026 | 1:39 minMasse an falschen Epstein-Inhalten kursiert
Das große Interesse für den Fall Epstein führt dazu, dass das Netz mit allen Arten von Fake-Inhalten geflutet wird. Die Motivation dahinter reicht von politischer Propaganda über Geld bis zu Krawall und virale Reichweite.
Da wird Melania Trump in ein Gruppenfoto mit Ghislaine Maxwell montiert, oder ein altes Foto von Epstein mit einem Bart manipuliert. Auch hier als vermeintlicher Beleg, er würde noch leben.
Lüge mit Bart: Hier wurde ein Foto aus einer Dokumentation über Jeffrey Epstein mit einem digitalen Bart versehen.
Quelle: Original: imdb.com / Jeffrey Epstein: Stinkreich - Fake: X.com / @TitanJayGoatEpstein hat sich nicht im Videospiel "Fortnite" verraten
Was ebenso als vermeintlicher Beleg für einen lebendigen Epstein herangezogen wird, ist das Videospiel Fortnite. Was dieses Gerücht so verlockend macht: Es greift Fakten auf, die nachprüfbar sind, was zunächst Glaubwürdigkeit vermittelt.
So wird Fortnite tatsächlich in den Epstein-Files erwähnt. In einer E-Mail vom 7. Mai 2019 schreibt eine unbekannte Person einem anderen unbekannten Empfänger: "Die Gebühr von 25,95 US-Dollar war für V-Bucks auf Fortnite." V-Bucks sind die digitale Spielwährung in Fortnite, mit der Spieler Zusatzinhalte kaufen können.
Fortnite-Mail aus den Epstein-Files: Absender und Empfänger sind geschwärzt.
Quelle: Department of Justice, Epstein LibraryIn der vergangenen Woche stießen Internetnutzer dann auf einen nach wie vor aktiven Fortnite-Account namens "littlestjeff1". Aus den Epstein-Files ist bekannt, dass Epstein sowohl einen YouTube-Kanal namens "littlestjeff1" als auch eine E-Mail-Adresse namens littlestjeff@yahoo.com besaß. Über Webseiten wie fortnitetracker.com oder fortnite.gg lässt sich nachvollziehen, dass jener Account auch nach Epsteins Tod im August 2019 noch aktiv war. Allein im vergangenen Jahr hätte die Person dahinter 74 Fortnite-Partien gespielt.
Angeblicher Epstein-Account: 74 Partien und sieben Fortnite-Siege im Jahr 2025.
Quelle: fortnite.ggEs war ein Troll: Fortnite-Team stellt die Gerüchte richtig
Die Gerüchte verbreiteten sich so stark, dass sogar die Fortnite-Entwickler eine Stellungnahme auf X veröffentlichten.
Diese Fortnite-Tracker zeigen nur deinen aktuellen Namen an, nicht etwaige frühere Änderungen.
Stellungnahme von Epic Games
Tim Sweeney, Chef des milliardenschweren Fortnite-Entwicklers Epic Games, betonte zudem, dass der fragliche Account mit keiner der bekannten E-Mail-Adressen von Epstein verknüpft sei.
Hinter dem Account steckt also ein Troll, der seinen Account lediglich umbenannt hat. Das soll laut dem Fortnite-Team erst vor wenigen Tagen geschehen sein, also nachdem die Dokumente zu Epsteins YouTube-Account "littlestjeff1" öffentlich geworden sind.
Zwar ist bekannt, dass Epstein durchaus Videospiele gespielt haben soll - ein Konto auf der Plattform Xbox Live wurde 2013 gesperrt. Dass er zu Lebzeiten tatsächlich bei Fortnite aktiv war, das belegt auch die E-Mail nicht.
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