Norwegen: Epstein, Høiby-Prozess - Druck auf Mette-Marit wächst

Norwegens Königshaus im Fokus:Epstein-Akten, Høiby-Prozess: Druck auf Mette-Marit wächst

von Sigrid Harms, Oslo

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Brisante Kontakte zu Sex-Straftäter Epstein, ein Sohn unter Vergewaltigungsverdacht - täglich wächst der Druck auf Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit. Wird sie jemals Königin?

Norwegen, Oslo: Journalisten warten in einer langen Schlange vor dem Gericht, in dem der Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, beginnen soll.

In Oslo hat der Prozess gegen Marius Borg Høiby begonnen, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Gleichzeitig taucht ihr Name in neu veröffentlichten Akten zur Epstein-Affäre auf.

03.02.2026 | 1:32 min

Auch in Norwegen gilt ein ungeschriebenes Gesetz, das seit fast 100 Jahren die Gesellschaft in den skandinavischen Ländern prägt: Das "Jantelov". Das vom dänischen Schriftsteller Aksel Sandemose 1933 beschriebene Moralkonzept besteht aus zehn Geboten. Es warnt vor Überheblichkeit: "Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besonderes bist!"

Dass dieses Ideal nicht für alle gleichermaßen gilt, ist derzeit für viele Norweger eine schmerzliche Erkenntnis. Zwei Skandale werfen dieselbe Frage auf: Welche Regeln gelten für eine Königsfamilie in einer Gesellschaft, die Gleichheit und Bescheidenheit hochhält?

Marius Borg Høiby weint vor Gericht

Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, steht vor Gericht. Er soll mehrere Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Unter Tränen sagte der 29-Jährige aus:

Ich bin nur als Sohn meiner Mutter bekannt. Als nichts anderes.

Marius Borg Høiby, Sohn von Mette-Marit, an diesem Mittwoch vor Gericht

Er stellte das als eine Bürde dar. Doch auch wenn Høiby kein Prinz ist, führte er ein privilegiertes Leben. Seine Herkunft ermöglichte ihm ein ausschweifendes Partyleben mit Sex, Drogen und Alkohol - ohne ein eigenes festes Einkommen. Auch die Polizei schien ein Auge zuzudrücken, als sie ihn bei einem Festival mit Drogen erwischte.

Marius Borg Høiby, der älteste Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit.

Marius Borg Høiby steht von Dienstag an vor Gericht. Dem Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit wird unter anderem Vergewaltigung und häusliche Gewalt vorgeworfen.

02.02.2026 | 0:35 min

Ist bei Mette Marits Sohn ein Auge zugedrückt worden?

Die Medien fordern eine umfassende Aufklärung: Was wusste die Polizei über das Umfeld und die Machenschaften von Borg Høiby? Warum wurde das Königshaus über seine bevorstehende Verhaftung informiert? Offizielle Antworten gibt es bislang nicht.

Für das Königshaus ist der Fall eine enorme Belastung - auch wenn Borg Høiby aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammt und nicht zum Königshaus gehört.

König Harald von Norwegen

König Harald von Norwegen (88) hat aktuell noch hohe Zustimmungswerte.

Quelle: instagram.com/detnorskekongehus

Bislang blieb das Vertrauen in die Monarchie jedoch stabil. Ende 2025 sprachen sich laut Umfragen mehr als 70 Prozent der Norweger für König Harald als Staatsoberhaupt aus.

Norwegische Zeitungen berichten über die Königsfamilie

In Norwegen wird im Prozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit die Aussage von Marius Borg Høiby erwartet. Dem 29-Jährigen wird unter anderem mehrfache Vergewaltigung vorgeworfen.

04.02.2026 | 0:24 min

Neue Epstein-Dokumente bringen Mette-Marit unter Druck

Doch nun gerät die Kronprinzessin selbst in den Fokus. Neue Dokumente zeigen, dass Mette-Marit engen Kontakt zu Jeffrey Epstein hatte.

Dass sich die beiden kannten, hatte das Königshaus bereits 2019 eingeräumt. Doch wie gut sie sich offenbar kannten, geht erst aus den nun veröffentlichten Akten hervor.

Presse steht vor dem Gericht vor dem ersten Tag des Prozesses gegen Marius Borg Høiby, der in Saal 250 des Osloer Gerichtsgebäudes stattfindet.

Neue Enthüllungen belasten das Königshaus: Akten zeigen engen E-Mail-Kontakt von Kronprinzessin Mette-Marit zu Jeffrey Epstein. Gleichzeitig begann in Oslo der Prozess gegen ihren Sohn.

03.02.2026 | 1:33 min

Der Name der Kronprinzessin taucht hunderte Male auf. Sie tauschten E-Mails und SMS aus, sprachen über private Dinge. 2013 wohnte Mette-Marit gemeinsam mit einer Freundin in Epsteins Haus in Palm Beach.

2011 schrieb sie ihm, sie habe ihn "gegoogelt". "Das sieht nicht gut aus", schrieb die Kronprinzessin. Was sie damit meinte, ist heute eine der zentralen Fragen, denn zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits das erste Mal wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.

Mette-Marit schweigt

In einer Stellungnahme erklärte Mette-Marit am 31. Januar, sie habe nicht gewusst, dass Epstein ein verurteilter Sexualstraftäter war. Sie bedaure, seinen Hintergrund nicht genauer geprüft zu haben.

Ich habe schlechtes Urteilsvermögen gezeigt und bereue, überhaupt Kontakt mit Epstein gehabt zu haben. Das ist schlichtweg peinlich.

Aus der Stellungnahme Mette-Marits

Mette-Marit feiert ihren Geburtstag

Das norwegische Königshaus gibt bekannt, dass Prinzessin Mette-Marit eine Lungentransplantation benötigt. Laut einer Pressemitteilung hat sich ihr Gesundheitszustand erheblich verschlechtert.

19.12.2025 | 1:57 min

Seit dieser Erklärung verweigerte das Königshaus jeden Kommentar.

Organisationen beenden Kooperation mit Mette-Marit

Erst am Freitag kam eine neue schriftliche Mitteilung: "Es ist mir wichtig, mich bei allen zu entschuldigen, die ich enttäuscht habe", zitierte das Königshaus Mette-Marit darin. "Teile des Inhalts der Nachrichten zwischen Epstein und mir repräsentieren nicht den Menschen, der ich gerne sein möchte." Sie bedaure auch die Situation, in die sie das Königshaus - besonders König Harald V. und Königin Sonja - gebracht habe, hieß es.

Mette-Marit wolle ausführlicher erklären, was geschehen sei, so ihr Mann, Kronprinz Haakon. Aber sie sei derzeit nicht in der Lage dazu. "Die Kronprinzessin befindet sich in einer äußerst belastenden Situation. Sie hofft auf Verständnis dafür, dass sie Zeit braucht, um sich zu sammeln."

König Harald bricht Schweigen über Høiby-Fall

Norwegens König Harald V. äußert sich zum Vergewaltigungsprozess gegen seinen angeheirateten Enkel Marius Borg Høiby. Gemeinsam mit Königin Sonja spricht er allen Betroffenen sein Mitgefühl aus.

19.12.2025 | 1:32 min

Das Schweigen sorgt für politischen Druck. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre forderte die Kronprinzessin öffentlich auf, zu erzählen, wie ihr Verhältnis zu dem inzwischen verstorbenen Epstein aussah. Die Sache hat außerdem Konsequenzen für ihre Rolle als Schirmherrin von Organisationen. Eine beendete die Zusammenarbeit mit der Kronprinzessin, vier weitere forderten eine Stellungnahme des Königshauses.

Kann Mette-Marit Königin werden?

Unterdessen fällt die Unterstützung für die Monarchie. In Umfragen ist der Zuspruch binnen weniger Tage um sieben Prozentpunkte auf 66 Prozent gesunken. Noch dramatischer: 44 Prozent der Befragten halten Mette-Marit inzwischen für ungeeignet für die Rolle als Königin.

Marius Høiby sagt aus
:Mette-Marits Sohn: Viel Sex, viele Drogen und viel Alkohol

Wilde Eskapaden, Tränen und Erinnerungslücken: Im Prozess erzählt der Angeklagte Marius Høiby von seiner wilden Jugend im royalen Schatten. Missbrauchsvorwürfe weist er zurück.
Sigrid Harms, Oslo
mit Video2:18
Gerichtszeichnung: Marius Hoiby

Der Historiker Trond Norén Isaksen sagte der Zeitung "Aftenposten", die Kronprinzessin müsse sich äußern, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Das Einzige, was sie tun kann, ist, alle Fragen zu beantworten. Das Volk ist der Arbeitgeber der Königsfamilie - und dem ist sie rechenschaftspflichtig.

Trond Norén Isaksen, Historiker

Oder, wie es das "Jantelov" formuliert: "Du sollst nicht denken, dass du besser bist als wir!"

Sigrid Harms arbeitet im ZDF-Landesstudio Schleswig-Holstein und berichtet über Nordeuropa.

Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten in dem Beitrag "Norwegisches Königshaus unter Druck" am 03.02.2026 um 17:00 Uhr.

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  1. Eine E-Mail, die in der Veröffentlichung der Jeffrey-Epstein-Akten durch das US-Justizministerium enthalten war, wurde am 30.01.2026, fotografiert und zeigt eine Kontaktverbotsverfügung aus dem Jahr 2009 in Palm Beach, Florida.

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