Epstein-Files: Sensible Opferdaten landen offen im Netz

Schwärzungen oft nachlässig:Epstein-Files: Sensible Opferdaten landen im Netz

Autorenfoto Nils Metzger

von Nils Metzger

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Mit den Millionen neuen Dokumenten zum Epstein-Skandal hat das US-Justizministerium auch private Informationen von Opfern freigegeben. Die Schwärzungen haben haarsträubende Lücken.

Ein Dokument mit einem E-Mail-Schriftwechsel von Jeffrey Epstein.

Informationen über mutmaßliche Opfer sollen gar nicht oder uneinheitlich geschwärzt worden sein. Jetzt sind die Gesichter und Namen von Opfern sexueller Misshandlung öffentlich einsehbar.

06.02.2026 | 0:22 min

Transparenz bei den Tätern, Schutz für die Opfer - das wird seit Jahren mit Blick auf die Veröffentlichung der Epstein-Files gefordert. Nun, da das Justizministerium in den USA Millionen weitere Dokumente frei zugänglich gemacht hat, wird klar, dass sie an diesem Anspruch offenbar gescheitert sind.

Vollständige Namen von Opfern, die bislang nicht öffentlich in Erscheinung getreten sind, Fotos in anzüglichen Posen mit unverpixelten Gesichtern, Telefonnummern, Mailadressen, Privatanschriften. All das lässt sich an vielen Stellen in den Dokumenten finden.

Opfer und Betroffene können identifiziert werden

ZDFheute konnte zahlreiche Frauen, die bislang nicht öffentlich in Zusammenhang mit dem Epstein-Fall erwähnt wurden, anhand der in den Dokumenten enthaltenen unzureichend geschwärzten Informationen identifizieren.

Häufig betrifft das Screenshots von Social-Media-Seiten der Models, die sich Jeffrey Epstein und seine Geschäftspartner zuschickten, oder mit denen sich die Frauen mit Hoffnung auf eine Arbeitsmöglichkeit an Epstein wandten. Zwar sind die Gesichter der Frauen meist geschwärzt, andere Details blieben aber offen. Etwa Namen von Model-Agenturen in den Instagram-Biografien, oder Kommentare unter den Bildposts.

Justice Department Jeffrey Epstein

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02.02.2026 | 2:53 min

Betroffene löschte ihre Social-Media-Profile

In anderen Fällen ist nicht einmal eine lange Recherche nötig. Die Bewerbung einer bis heute aktiven russischen TV-Schauspielerin für einen Model-Vertrag bei Epstein findet sich mit ihrem vollen Namen inklusive Lebenslauf. Der Name der Person, die sie an Epstein vermittelte, ist hingegen geschwärzt.

Ungeschwärzter Name eines mutmaßlichen Opfers in den Epstein-Files

Die Schwärzungen stammen vom US-Justizministerium, andere Unkenntlichmachungen durch ZDFheute

Quelle: DOJ

In den Mailwechseln findet sich die Handynummer und private Mailadresse eines Profi-Models, das über Epstein an einen Kontakt zum Regisseur Woody Allen kommen wollte. Epstein antwortet ihr mit sexuellen Andeutungen. Auf einem weiteren Model-Foto, das Epstein von einem Partner erhält, ist das Gesicht geschwärzt, ein Wasserzeichen mit vollem Namen am unteren Rand wurde vergessen.

Ungeschwärzter Name eines mutmaßlichen Opfers in den Epstein-Files

Die Schwärzungen stammen vom US-Justizministerium, andere Unkenntlichmachungen durch ZDFheute

Quelle: DOJ

In einem anderen Fall wurde die Mailadresse eines Models zensiert, ihr vollständiger Name direkt dahinter aber genannt. Mit dieser Information lässt sich ihre Mailadresse an anderer Stelle im Datensatz finden - in Nachrichten, in der ihre Flüge zur Epstein-Insel geplant wurden.

Auch Arztrechnungen der Frau, die Epstein häufig "Little [Name]" nennt, sind einsehbar. Mehrere Social-Media-Seiten eines Models mit dem gleichen Namen waren am Freitag auf privat gestellt oder gelöscht. Zeitgleich diskutierten Nutzer in einem Onlineforum zum Epstein-Fall über die Betroffene unter Nennung ihres Namens. Ein Fiasko für die Privatsphäre der Opfer.

Keir Starmer

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Schwärzungen oft dilettantisch schlecht durchgeführt

Vereinzelt sind die schwarzen Balken der Schwärzungen so klein geraten, dass man problemlos die Telefonnummern dahinter entziffern kann. In mindestens einem Fall auch von einem der Opfer. In einem anderen Fall nennt ein Polizeibericht die private Anschrift eines Opfers.

Hinzu kommt eine große Zahl in Unterwäsche posierender Frauen ohne Unkenntlichmachung. Die Nachrichtenagentur AP fand sogar Fotos von Frauen mit nacktem Oberkörper, deren Gesichter nicht verdeckt sind.

Dabei ist nicht immer klar, wie alt die dort zu sehenden Frauen sind, wie viele von ihnen in direkten Kontakt mit Epsteins Missbrauchssystem kamen, und wie die Aufnahmen genau in den Unterlagen gelandet sind.

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Datenschutz für Haustiere, nicht für Epstein-Opfer

Teils sind identische Fotos und Nachrichten von den Behörden mehrfach hochgeladen worden - mal mit Schwärzungen und mal ohne. Klare Regeln scheint es oft nicht gegeben zu haben.

In einigen Fällen schoss man sogar über das Ziel hinaus und produzierte unfreiwillig komische Schwärzungen. In einer E-Mail wurde offenbar der Name eines Haustieres zensiert. "Ich habe eine Stunde damit verbracht, [geschwärzt] auszuführen und dann eine weitere Stunde, sie zu baden, zu trocknen und zu bürsten. Ich hoffe, sie riecht nun besser."

Auch in Dokumenten technischer Natur finden sich merkwürdige Schwärzungen. In einer Auflistung an Gemälden sind etwa Titel teils geschwärzt, obwohl es sich um Werke bekannter, historischer Künstler handelt. Eine Zeichnung des belgischen Malers James Ensor ist dort zensiert als "Les Bains [geschwärzt]" gelistet.

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Opfer und Anwälte kritisieren Vorgehen der Behörden

Vereinzelt sind Dokumente auf der Webseite des Justizministeriums inzwischen depubliziert und nicht mehr abrufbar. Gründe dafür wurden nicht kommuniziert.

Einige Frauen, die Epstein Straftaten vorwarfen, und ihre Anwälte forderten das Justizministerium in dieser Woche auf, die Website vom Netz zu nehmen und einen unabhängigen Beobachter zu ernennen, um weitere Fehler zu verhindern.

Opfer-Anwältin Brittany Henderson sagte der Nachrichtenagentur AP:

Es ist ein Versagen beim Schutz von Menschen, denen unsere Regierung Schutz versprochen hat. Solange nicht jedes Dokument ordnungsgemäß redigiert ist, dauert dieses Versagen an.

Brittany Henderson, Anwältin von Epstein-Opfern

Annie Farmer, die nach eigenen Angaben 16 Jahre alt war, als sie von Epstein und seiner Vertrauten Ghislaine Maxwell sexuell misshandelt worden sei, sagte dem US-Sender NBC News, dass ihr Geburtsdatum und Telefonnummer zu Unrecht veröffentlich worden seien. "Die Tatsache, dass dies auf so überaus fahrlässige Weise geschehen ist, wodurch Menschen in Gefahr gebracht werden, ist wirklich entsetzlich."

Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, im Hintergrund Dokumente

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04.02.2026 | 17:51 min

Justizministerium will Fehler nachbessern

Das Justizministerium machte technisches oder menschliches Versagen für die Probleme verantwortlich und erklärte am Donnerstag, viele der problematischen Inhalte seien von der Seite genommen worden. Es werde daran gearbeitet, korrekt bearbeitete Versionen erneut zu veröffentlichen. ZDFheute konnte viele solcher Inhalte am Freitag weiterhin aufrufen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Fehler bei Zensierung in Epstein-Akten" am 06.02.2026 um 20:00 Uhr.

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