Adelsexpertin zu Andrews Festnahme:"Es erschüttert das Königshaus in seinen Grundfesten"
Ex-Price-Andrew verhaftet, König Charles III. distanziert, das Volk empört: Die britische Monarchie steckt in einer Krise. Wird sie die überstehen? Eine Adelsexpertin schätzt ein.
Der ehemalige Prinz Andrew wurde von der britischen Polizei festgesetzt – es stehe „Missbrauch in einem öffentlichen Amt“ im Raum. ZDF-Korrespondentin Britta Jäger und ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior berichten.
20.02.2026 | 6:34 minDas Verhalten und der Skandal um Andrew Mountbatten Windsor, dem ehemaligen Prinz Andrew, schaden dem Königshaus sehr, ist Autorin und ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior überzeugt. "Es erschüttert das Königshaus in seinen Grundfesten. Denn es trifft doch den Selbstzweck der Monarchie: nämlich den Dienst am Volk." Das habe auch König Charles in seinem Statement zu den Ermittlungen unterstrichen, in dem er sagte, man werde währenddessen weiter seine Pflicht tun. "Ein Amtsmissbrauch trifft das Königshaus in seinem Mark", resümiert Melchior und betont:
Ich glaube, das ist eigentlich die größte Krise, der das Königshaus je ausgesetzt war.
Julia Melchior, ZDF-Adelsexpertin
Der britische Ex-Prinz Andrew soll Dokumente an den Sexualstraftäter Epstein weitergeleitet haben. Nach seiner Festnahme wurde er wieder freigelassen - die Ermittlungen dauern an.
20.02.2026 | 2:25 minMan werde wahrscheinlich nie erfahren, ob und was die Queen und Charles mit Blick auf Andrew wussten, ist Melchior überzeugt.
Aber Fakt ist, dass Andrew ja schon vor 20 Jahren auffällig geworden ist in dieser Rolle als Handelsbeauftragter. Ich finde, da kann man der damaligen Königin einen Vorwurf machen, dass sie keine (...) Personalentscheidung getroffen hat.
Julia Melchior, ZDF-Adelsexpertin
Er habe sich mit zwielichtigen Gestalten umgeben, sei im Gegenzug empfänglich für "Geld und Annehmlichkeiten" gewesen. Die Queen hätte als Oberhaupt des Königshauses, das sie gerne als Firma bezeichnet habe, dann aber auch entsprechend als Chefin handeln und ihn schon damals seiner Ämter entheben müssen, "damit er nicht weiter auf Kosten des Königshauses handelt", meint Melchior.
Kosten für Königshaus höher als Nutzen
Es sei eigentlich eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung: Andrew sei kein Leistungs- und kein Sympathieträger mehr gewesen. Und: "Andrew hat das Königshaus mehr gekostet, mehr geschadet, als dass er ihm etwas gebracht hätte." Dass diese Management-Entscheidung, nicht getroffen worden sei, "das war wahrscheinlich der Fehler, den man dem Königshaus heute vorwerfen kann", sagt Melchior.
Die Epstein-Kontakte von Andrew verfolgten die britische Monarchie bereits seit Jahren und belasten das Image des Königshauses, berichtet ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich.
19.02.2026 | 16:19 minMelchior bewertet die Verhaftung von Andrew als "Höhepunkt der Eskalation". Neben dem aktuellen Vorwurf des Amtsmissbrauchs beschäftige alle ja vor allem seit Monaten der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und der Verwicklung in den Missbrauchsskandal von Epstein. "Beide Vorwürfe (...) sind etwas, das die Arbeit des Königshauses und das Selbstverständnis des Königshauses im Mark konterkarrieren".
...ist Adelsexpertin des ZDF, Autorin, Dokumentarfilmerin und Regisseurin. Kenntnisreich berichtet sie in ihren Dokumentationen über die europäischen Königshäuser. Schwerpunkte bilden dabei die britischen Royals und das schwedische Königshaus.
Andrew "Gegenteil" der Arbeit der Königsfamilie
Eine Königsfamilie habe eine Vorbildrolle, erläutert Melchior: "Sie stehen für Integrität. Sie stehen für Empathie mit Menschen. Aber Andrew ist eigentlich das Gegenteil von allem." Er sei dekadent, habe kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt, gelogen - und mutmaßlich Minderjährige missbraucht. Königin Camilla etwa setze sich seit Jahren für die Opfer von häuslicher Gewalt ein.
Diese Arbeit der Königsfamilie steht im kompletten Gegensatz zu dem, was Andrew macht. Damit schadet er diesem Haus natürlich total und es ist wichtig, dass das aufgerollt wird.
Julia Melchior, ZDF-Adelsexpertin
König Charles muss sich Vorwürfen stellen. Sein Bruder Andrew pflegte enge Kontakte zu Sexualstraftäter Epstein. Der Reichtum der Familie befeuert die Kritik.
05.02.2026 | 29:15 minCharles "der Richtige, um Königshaus durch diese Krise zu steuern"
Für die Zukunft der Royals sieht Melchior den aktuellen König in der Verantwortung: "Ich glaube schon, dass Charles der Richtige ist, um das Königshaus durch diese Krise zu steuern." Sie erwartet zudem viel mehr Transparenz über das Handeln der Royals. Da stehe das Königshaus unter großem Druck.
Sehen Sie hier ab Minute 47:17 die Berichterstattung über Ex-Prinz Andrew.
20.02.2026 | 88:05 minDer Skandal werde sich auch auf die Zukunft der jüngeren Generation auswirken, ist Melchior überzeugt. "Die Zukunft der jetzigen Königskinder wird sich auch ändern." Der Fall Harry und der Fall Andrew hätten gezeigt, dass diese "Reserve-Thronfolger", für die die Royals keine Verwendung hätten, "dann auf dumme Gedanken kommen". Um neue Perspektiven für die Lebensgestaltung aufzuzeigen, rät Melchior: "Es wird lohnenswert sein, mal einen Blick in die anderen Königshäuser zu werfen, wie die das gemacht haben".
Die Interviews führten Andreas Wunn im ZDF-Morgenmagazin und Florian Weiss in der Vollen Kanne. In Auszügen zusammengefasst hat sie ZDFheute-Redakteurin Michaela Schmehl
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