Mehr Ärzte in deutschen Praxen - doch längst keine Entwarnung

Trend zur Teilzeit verstärkt sich:Mehr Ärzte in deutschen Praxen - doch keine Entwarnung

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Mehr und jüngere Ärzte - die Auswertung der KBV gibt Hoffnung. Doch die Lage für Patienten bleibt oft angespannt und unterscheidet sich je nach Region.

Ein Hausarzt sitzt in einem Sprechzimmer seiner Hausarztpraxis an einem Schreibtisch und arbeitet am Computer.

Die Zahl der Praxisärzte in Deutschland steigt. Ende 2025 gab es 192.000 zugelassene Ärzte und Psychotherapeuten. 40 Prozent arbeiten in Teilzeit, was die Versorgung regional belastet.

12.03.2026 | 0:55 min

Die Zahl der Praxisärzte steigt, und im Schnitt sind sie mittlerweile sogar ein kleines bisschen jünger - doch die Behandlungskapazitäten für die Patienten bleiben oft angespannt und unterschiedlich je nach Region. Ende vergangenen Jahres waren 191.875 Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung in Deutschland tätig. Das waren 2.324 mehr als Ende 2024, wie eine Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab.

Mehr Teilzeit auch bei Ärzten

Zugleich verstärkt sich aber ein Trend zu Teilzeit und flexiblerem Arbeiten. "Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt", sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Viele junge Ärztinnen und Ärzte tendierten auch zu einer Anstellung statt zur eigenen Praxis. "Diese Entwicklung muss ernst genommen werden", mahnte Gassen. Denn ohne die Praxen laufe in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts. Die Politik müsse daher für attraktive Bedingungen sorgen.

Im Schnitt aller Fachgruppen nahm der Teilzeitanteil weiter auf 40 Prozent zu. Voll arbeiten nun 98.447 Ärztinnen und Ärzte, das sind zwölf Prozent weniger als vor zehn Jahren. Die Zahl derjenigen mit reduzierten Stundenzahlen stieg dagegen um deutliche 135 Prozent auf 45.795. Unter den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dominiert der Teilzeitanteil schon länger und wächst weiter.

Björn Parey, Allgemeinmediziner, impft seine Patientin Christa Janssen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in seiner Praxis für Allgemeinmedizin in Hamburg-Volksdorf.

Laut einer Studie ist das Ausmaß des Hausärztemangels größer als bekannt. Bis 2040 sollen mehrere Tausend Ärzte fehlen. Vor allem auf dem Land fehlen die Mediziner.

02.10.2025 | 1:45 min

Der Trend führt dazu, dass die Zahl der Medizinerinnen und Mediziner stärker steigt als die Behandlungskapazität. Denn einen vollen Arztsitz zur Versorgung gesetzlich Versicherter können sich zum Beispiel auch zwei Ärztinnen teilen.

Regional große Unterschiede

Beim Versorgungsangebot vor Ort gibt es weiterhin regionale Unterschiede. Am dichtesten ist das Netz in Heidelberg mit 434,7 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner, wie aus den Daten des Bundesarztregisters mit Stichtag 31. Dezember 2025 hervorgeht. Am wenigsten niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner in diesem Verhältnis gibt es mit 87,6 im Landkreis Coburg in Bayern.

Auf Länderebene liegt Hamburg mit 315,1 an der Spitze. Schlusslicht ist Brandenburg mit 199,3 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Schild in einer Wiese vor einem Landhaus mit Aufschrift: Landarzt.

Vor allem in ländlichen Regionen müssen wenige Ärzte immer mehr Menschen versorgen. Ein neues Praxiskonzept soll die Situation verbessern.

31.12.2025 | 1:51 min

Mediziner im Schnitt nur wenig jünger

Das Durchschnittsalter bei den Ärztinnen und Ärzten ging verglichen mit Ende 2024 leicht von 54,5 auf 54,4 Jahre zurück. Das sei aber kein entwarnendes Zeichen, heißt es bei der KBV.

Setzt sich der Teilzeittrend fort, bedeute das: In den kommenden 20 Jahren werden 25.000 in Vollzeit tätige Ärztinnen und Ärzte altersbedingt ausscheiden. Um diese Kapazität auf Teilzeitbasis zu ersetzen, bräuchte es möglicherweise 50.000 Ärztinnen und Ärzte.

Arztlotsen gegen Ärztemangel

Viele Hausärzte stehen vor dem Ruhestand. Nachfolger zu finden gestaltet sich jedoch schwer. Im Kreis Soest geht man das Problem mit sogenannten Arztlotsen an, die sich um Nachwuchs bemühen.

30.09.2024 | 2:07 min

Lage bei Hausärzten angespannter

Auch die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte stieg nun leicht um 343 auf 55.778 im Vergleich zu 2024. Angesichts des Teilzeittrends sei die Zahl der vollen Hausarztsitze aber um 0,1 Prozent gesunken, erläuterte die KBV. Rund 5.000 Sitze sind ohnehin unbesetzt.

Dabei sollen Hausarztpraxen nach Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bald noch eine wichtigere Rolle als erste Anlaufstellen spielen und Patienten zu Terminen bei Fachärzten lotsen.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Mehr Ärzte in Deutschland" am 12.03.2026 um 13:21 Uhr.

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