Der Hausarzt als Lotse? Was sich für Patienten ändern könnte

Neues Primärversorgungssystem:Warum Patienten künftig zuerst zum Hausarzt sollen

Dorthe Ferber

von Dorthe Ferber

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Volle Praxen, lange Wartezeiten auf Facharzttermine - Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will das ändern. Der Hausarzt als Lotse soll Patienten besser steuern.

Berlin: Andreas Gassen (l-r), Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, und Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverband, nehmen an einer Pressekonferenz zu Plänen für ein Primärarztsystem teil.

Eine Strukturreform soll die Wartezeit bei der Terminvergabe bei Fachärzten verkürzen, hofft Gesundheitsministerin Warken. Künftig sollen Kassenpatienten in vielen Fällen zuerst zum Hausarzt.

27.01.2026 | 0:35 min

Wie schnell kann man zum Orthopäden gehen? Kassenpatienten müssen oft wochenlang auf Termine warten. Bald soll es "Zuerst-zum-Hausarzt" heißen - und seltener, aber dafür schneller zum Facharzt.

Das "Primärarztsystem" ist ein gesundheitspolitisches Großprojekt der schwarz-roten Regierung. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass der Hausarzt als primärer Lotse im Gesundheitssystem die Patienten steuern soll.

Und auch das Handy soll zum Lotsen werden, heißt es jetzt: "Ein wesentlicher Bestandteil wird dabei ein verlässliches digitales bzw. telefonisches Verfahren zur Ersteinschätzung sowie die Weiterentwicklung der Terminvermittlung sein", sagt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) heute.

Warken hatte zuvor mit Ärzteschaft, Krankenkassen und Patientenvertretern über das Gesetz zum verbindlichen Primärarztsystem gesprochen. Bis zum Sommer soll ein Referentenentwurf vorliegen. "Nicht trivial" sei das Vorhaben, unterstreicht Warken, "wir können das nicht von heute auf morgen einführen".

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Eine Milliarde Patientenkontakte auf 98.500 Praxen

Tatsächlich ist die Dimension beachtlich: Auf fast eine Milliarde Patientenkontakte kommen die 98.500 Praxen in Deutschland laut Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Im internationalen Vergleich gehen Deutsche überdurchschnittlich häufig zum Arzt und oft zum falschen, nämlich direkt zum Facharzt.

Der ist möglicherweise aber gar nicht der richtige für die Beschwerden. Es kommt zu überflüssigen Untersuchungen und Doppeluntersuchungen. Mit dem "Primärarztsystem" soll die Hausarztpraxis erste Anlaufstelle sein. Nur bei Bedarf geht es von dort aus mit Überweisung in die Facharztpraxis.

"Wartezimmer" ist auf der Tür eines Wartezimmers in einer Arztpraxis zu lesen.

Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen den rot-schwarzen Vorschlag, Facharzttermine künftig über Hausarztpraxen zu koordinieren. Dadurch sollen Wartezeiten reduziert werden.

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Zukunftsvision: Symptome telefonisch schildern

Wenn es überhaupt direkt zum Arzt geht, denn künftig soll auch eine elektronische Ersteinschätzung bei Beschwerden helfen: Die bekannte Patientenservice-Telefonnummer 116 117 soll dazu ausgebaut werden.

Symptome telefonisch schildern und dann bei Bedarf per App über eine zentrale Plattform einen passenden Arzttermin finden, so die Zukunftsvision. Stefanie Stoff-Ahnis vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung betont:

Es ist höchste Zeit, das Gesundheitssystem in die digitale Gegenwart zu bringen.

Stefanie Stoff-Ahnis, Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung

Wer zwischen den Jahren und über Neujahr ärztliche Hilfe benötigt, kann rund um die Uhr beim Patientenservice 116117 anrufen. Unter der bundesweit kostenfreien Nummer gibt es Auskunft zu Praxen in Ihrer Nähe. Im Notfall gilt: Alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112.


2028 könnten erste Reform-Effekte spürbar werden

Erste Effekte der Reform könnten erst 2028 spürbar werden, schätzt die Gesundheitsministerin.

Mein Ziel ist es, dass es stabil läuft.

Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin

Es nütze nichts, wenn die Patientenservice-Nummer überlaufe. Zudem sind wichtige Fragen der Großreform noch offen. Was passiert beispielsweise, wenn man sich nicht an die Hausarztvorgabe hält? Man brauche ein zusätzliches Steuerungsinstrument, erklärt die Gesundheitsministerin.

Denkbar sei ein Bonus für den Hausarztbesuch, eine zusätzliche Gebühr oder auch keine Kostenübernahme durch die Kassen beim Facharztbesuch ohne Überweisung.

Fest steht bereits, dass für junge Patientinnen und Patienten die Kinder- und Jugendpraxis primäre Anlaufstelle sein soll. Auch Frauen-, Zahn- oder Augenarztpraxen sollen von der Facharztregelung ausgenommen sein. "Wir wollen nicht an Vorsorge hindern", so Warken.

Björn Parey, Allgemeinmediziner, impft seine Patientin Christa Janssen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in seiner Praxis für Allgemeinmedizin in Hamburg-Volksdorf.

Laut einer Studie ist das Ausmaß des Hausärztemangels größer als bekannt. Bis 2040 sollen mehrere Tausend Ärzte fehlen. Vor allem auf dem Land fehlen die Mediziner.

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"Primärarztsystem" in "Primärversorgungssystem" umbenannt

Aber Praxen sollen entlastet, die Zahl der Arztkontakte verringert werden, so das politische Ziel der Reform. Dabei sollen künftig auch andere medizinische Berufe in die Versorgung miteinbezogen werden, um Ärztinnen und Ärzte zu entlasten.

Folglich wurde das "Primärarztsystem" jetzt in "Primärversorgungssystem" umbenannt.

Langfristig soll die Großreform natürlich auch Geld sparen. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnt aber vor zu hohen Erwartungen: "Eine bessere Zuordnung der Patienten ist inhaltlich zweifelsohne ein Gewinn, spart aber zumindest kurzfristig kein Geld."

Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 27.01.2026 um 17:01 Uhr.

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