Fretterode in Thüringen:Angriff auf Journalisten: Staatsanwaltschaft ermittelt
Im thüringischen Fretterode werden Journalisten bei ihrer Arbeit angegriffen - die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ist nicht das erste Mal, dass der kleine Ort für Aufsehen sorgt.
Nach einem Angriff auf Journalisten in Fretterode wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Zwei Tatverdächtige wurden kurzzeitig festgenommen.
26.03.2026 | 0:27 minNach einem Angriff auf Journalisten im nordthüringischen Fretterode am Mittwochabend ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Noch am Abend war die Wohnung der beiden Tatverdächtigen - ein 56-Jähriger und sein 22-jähriger Sohn - durchsucht worden.
Fretterode: Beschuldigte sollen Journalisten verletzt haben
Bei mehreren sichergestellten Gegenständen prüften die Ermittler nun, ob sie in strafrechtlicher Weise gegen das Waffengesetz verstoßen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Die Polizei hatte zunächst von "mehreren Zufallsfunden" gesprochen.
Die beiden Beschuldigten sollen ersten Ermittlungen zufolge am Abend ein dreiköpfiges Team aus Journalisten angegriffen und leicht verletzt haben, betonte der Sprecher weiter. Dabei sollen sie Pfefferspray eingesetzt haben.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat 2025 in Deutschland insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen gezählt. Gefährlich waren etwa Recherchen in rechtsextremen Milieus.
03.02.2026 | 0:30 minAngegriffene waren Team von "Spiegel TV"
Der Spiegel-Verlag bestätigte inzwischen, dass es sich bei den Betroffenen um ein Team von "Spiegel TV" handelt. Demnach hätten zwei der drei Journalisten durch den Einsatz des Reizgases, aber auch durch Schläge Verletzungen davongetragen.
Die Betroffenen wurden medizinisch versorgt und konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.
Verlagssprecherin
"Spiegel TV" habe Anzeige bei der Polizei erstattet.
2025 sind insgesamt 67 Medienschaffende bei ihrer Arbeit getötet worden, berichtet die Organisation "Reporter ohne Grenzen". Hunderte wurden inhaftiert.
09.12.2025 | 0:23 minRecherche über Rechtsextremismus
Das Team habe im Rahmen einer Recherche über "rechtsextreme Strömungen und Gruppierungen in Deutschland" vor Ort Dreharbeiten durchgeführt. "Unser Team ging dabei seiner üblichen redaktionellen Arbeit nach", erklärte die Sprecherin.
Das beschuldigte Vater-Sohn-Duo soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft der rechtsextremen Szene angehören. Die beiden waren während der Durchsuchung vorläufig festgenommen, später aber aus Mangel an Haftgründen wieder entlassen worden, heißt es weiter.
In Deutschland verbreiten sich zunehmend rechtsextreme Einstellungen. Es sind auffällig viele Frauen, die dagegen offen ihre Stimme erheben. "37°" begleitet drei mutige Frauen.
29.10.2024 | 29:15 minBereits 2018 Angriff auf Journalisten in Fretterode
Der Vorfall hatte am Mittwochabend einen großangelegten Polizeieinsatz in dem 200-Einwohner-Ort im Eichsfeld ausgelöst. Die Polizei war mit Kräften der Schutz- und Kriminalpolizei sowie der Bereitschaftspolizei im Einsatz.
Fretterode war bereits im Jahr 2018 in die Schlagzeilen geraten, weil dort Rechtsextremisten Journalisten attackiert und verletzt haben sollen. Das Landgericht Mühlhausen hatte zwei Männer deswegen im Jahr 2022 für schuldig befunden, sie aber nur zu geringen Strafen verurteilt.
Der Bundesgerichtshof hatte dieses Urteil wegen erheblicher Rechtsfehler aufgehoben, sodass sich nun eine andere Kammer des Gerichts erneut mit dem Fall befassen muss.
2024 gab es 38.000 rechtsextreme Gewalt- und Straftaten und 6.000 linksextreme. Das geht aus dem Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz hervor.
10.06.2025 | 1:56 minJournalistenverband verurteilt Übergriffe
Auch vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Attacke auf Medienvertreter verurteilt. Übergriffe auf Mitglieder der Presse würden von einigen inzwischen offensichtlich als normal empfunden, sagte die stellvertretende Vorsitzende des DJV in Thüringen, Mariana Friedrich.
Dabei können sich Täter häufig absurderweise genau in dem Rechtsstaat sicher fühlen, den sie delegitimieren und bekämpfen.
Mariana Friedrich, DJV-Vorsitzende Thüringen
Ihr Verband habe befürchtet, dass von der geringen Strafe des Mühlhäuser Landgerichts damals "eine Signalwirkung in die völlig falsche Richtung" ausgegangen sei. "Leider sind unsere Befürchtungen nun bestätigt worden."
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