Kleine Anfrage der Linksfraktion :Deutlich mehr Angriffe auf Journalisten in Deutschland
Straftaten gegen Journalisten und Medien in Deutschland haben stark zugenommen. Zwischen April 2024 und November 2025 registrierte die Polizei 818 Delikte, darunter 89 Gewalttaten.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat 2025 in Deutschland insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen gezählt. Gefährlich waren etwa Recherchen in rechtsextremen Milieus.
03.02.2026 | 0:30 minDie Zahl politisch motivierter Angriffe auf Journalisten und Medien in Deutschland ist deutlich gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Sie wurde kürzlich vom Bundestag veröffentlicht.
Demnach hat die Polizei vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 bundesweit 818 politisch motivierte Straftaten registriert, die sich gegen Medien richteten, darunter 89 Gewaltdelikte.
So ordnen die Behörden die Taten ein
Rund ein Drittel dieser Straftaten - insgesamt 244 - ordnet die Polizei dem rechten Spektrum zu, 78 dem linken. Hinter 153 Fällen sehen die Behörden eine ausländische Ideologie, bei 31 eine religiöse.
Weitere 312 Delikte laufen unter der Kategorie "sonstige Zuordnung". Die Zahlen wurden mit Stichtag 31. Dezember 2025 von den Ländern an das Bundeskriminalamt gemeldet.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die gemeldeten Fälle verteilen sich ungleich auf die Bundesländer: Allein auf Berlin entfallen laut dem Bundeskriminalamt (BKA) 406 Fälle - damit fast die Hälfte aller registrierten Straftaten. Hinter Berlin folgen Sachsen (82), Bayern (64) und Nordrhein-Westfalen (55).
Auch im Internet nehmen die Fälle zu: Für das Kalenderjahr 2024 erfasste das BKA 217 Straftaten mit dem Angriffsziel "Medien", bei denen das Tatmittel Internet vermerkt ist; 2025 waren es bereits 333. Häufig handelte es sich um Hasspostings.
Gewalt gegen Medienschaffende: Linke spricht von "erschreckendem Niveau"
Im Vergleich zum Jahr 2023 ist das ein spürbarer Anstieg. Rechnet man die Zahl der Straftaten vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 hoch, kommt man im Schnitt auf knapp 41 Fälle pro Monat. Für das Jahr 2023 seien rund 290 Fälle ausgewiesen worden, das entspreche rund 24 pro Monat, berichtet die "Rheinische Post".
Die Lage der Pressefreiheit weltweit hat sich weiter verschlechtert. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Rangliste, die der Verein "Reporter ohne Grenzen" veröffentlicht hat.
03.05.2024 | 0:23 minDavid Schliesing, medienpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, zeigte sich alarmiert. "Das Ausmaß an gewalttätigen Übergriffen und Straftaten gegen Medienschaffende erreicht ein erschreckend hohes Niveau. Bund und Länder müssen umgehend aktiv werden und deutlich mehr für den Schutz journalistischer Arbeit tun", sagte er der "Rheinischen Post".
Das sind Zahlen, die erschrecken und an die wir uns keinesfalls gewöhnen dürfen.
David Schliesing, medienpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag
In den vergangenen zwölf Monaten sind insgesamt 67 Medienschaffende bei ihrer Arbeit getötet worden, berichtet die Organisation "Reporter ohne Grenzen" Anfang Dezember.
09.12.2025 | 0:23 minReporter ohne Grenzen: Einschüchterung und Gewalt gegen Journalisten
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hatte erst vergangene Woche Einschüchterung und Gewalt gegen Journalisten in Deutschland beklagt.
Zugleich werde auch eine Delegitimierung journalistischer Arbeit von vielen Reportern als große Bedrohung für den Journalismus wahrgenommen, heißt es in dem Bericht "Nahaufnahme" zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland.
RSF hat für das Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen dokumentiert und verifiziert. Im Vorjahr lag die Zahl bei 89.
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