"Irreführende Informationen":Türkei: Deutsche-Welle-Journalist festgenommen
In der Türkei ist ein Journalist der Deutschen Welle festgenommen worden. Ihm wird "Präsidentenbeleidigung" und die "Verbreitung irreführender Informationen" vorgeworfen.
Der Korrespondent der Deutschen Welle, Alican Uludag, wurde in der Türkei verhaftet. Ihm wird Präsidentenbeleidigung und Verbreitung irreführender Informationen vorgeworfen.
20.02.2026 | 1:31 minDie türkischen Behörden haben den langjährigen Korrespondenten der Deutschen Welle (DW), Alican Uludag, festgenommen. Ihm werde die "Verbreitung irreführender Informationen" und "Präsidentenbeleidigung" vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul mit.
Journalist von etwa 30 Polizisten abgeführt
Nach Angaben des deutschen Auslandssenders war Uludag am Donnerstag vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten in Ankara festgenommen und in den Hauptsitz der höchsten Polizeibehörde Istanbuls gebracht worden. Dort sollte er der Staatsanwaltschaft vorgeführt werden.
Bei der Pressefreiheit belegt die Türkei laut "Reporter ohne Grenzen" nur Platz 159 von 180. Für kritische Berichterstattung drohen Journalist:innen mehrjährige Haftstrafen.
20.07.2025 | 2:41 minDie DW erklärte, Uludags Wohnung sei durchsucht und IT-Geräte mitgenommen worden. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf einen etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X. Darin habe Uludag Maßnahmen der Regierung kritisiert, die mögliche Terroristen des Islamischen Staates freigelassen habe. Der Regierung habe er Korruption vorgeworfen.
Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet Uludag laut DW über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse.
Die Deutsche Welle ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bonn und Berlin.
Ihr Auftrag ist es, ein realistisches Bild Deutschlands zu vermitteln, den internationalen Dialog zu fördern und demokratische Werte zu stärken. Das Programm richtet sich an ein weltweites Publikum in mehr als 30 Sprachen. (Quelle: dpa)
Deutsche Welle: Vorwürfe gegen Uludag "haltlos"
DW-Intendantin Barbara Massing nannte die Vorwürfe gegen Uludag "haltlos" und forderte seine umgehende Freilassung. Er sei sehr gut vernetzt und habe Zugang zu wichtigen Quellen. Damit könne er der Regierung - aus deren Sicht - gefährlich werden.
Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung.
DW-Intendantin Barbara Massing
Der Vorfall zeige, "wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt".
Die größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten und die Bundesregierung forderten die sofortige Freilassung von Uludag. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) bezeichnete die Vorwürfe der türkischen Behörden als "haltlos". Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten "in der Türkei frei arbeiten und unabhängig berichten können".
Journalistische Arbeit ist keine Straftat.
Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister
Viele Journalisten in der Türkei in Haft
Unzählige Journalisten sitzen laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) in der Türkei in Haft. Die Türkei belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten. Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung.
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