"Irreführende Informationen":Deutsche-Welle-Korrespondent in der Türkei festgenommen
Die Vorwürfe wiegen schwer: Verbreitung irreführender Informationen, Beleidigung des Präsidenten und der Türkei. Ein Deutsche-Welle-Korrespondent ist in Ankara festgenommen worden.
Deutsche-Welle-Intendantin Barbara Massing nennt die Vorwürfe gegen den Korrespondenten Alican Uludag "haltlos".
Quelle: dpaEin seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle (DW) in der Türkei tätiger Korrespondent ist in Ankara festgenommen worden. Alican Uludag sei vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten abgeführt worden, teilte der deutsche Auslandssender am Abend mit.
Er wurde in den Hauptsitz der höchsten Polizeibehörde Istanbuls gebracht, wo der Investigativjournalist heute dem Haftrichter vorgeführt werden soll. DW-Intendantin Barbara Massing forderte seine umgehende Freilassung.
"Beleidigung des Präsidenten und der türkischen Nation"
Vorgeworfen werden ihm laut DW "Verbreitung irreführender Informationen an die Öffentlichkeit", "Beleidigung des Präsidenten" sowie "Beleidigung der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen". Die Vorwürfe bestätigten auch türkische Medien und beriefen sich dabei auf die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft.
Bei der Pressefreiheit belegt die Türkei laut "Reporter ohne Grenzen" nur Platz 159 von 180. Für kritische Berichterstattung drohen Journalist:innen mehrjährige Haftstrafen.
20.07.2025 | 2:41 minDie DW erklärte, Uludags Wohnung sei durchsucht und IT-Geräte mitgenommen worden. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf einen etwa eineinhalb Jahre alten Post auf der Plattform X. Darin habe Uludag Maßnahmen der Regierung kritisiert, die mögliche Terroristen des Islamischen Staates freigelassen habe. Der Regierung habe er Korruption vorgeworfen.
Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet Uludag laut DW über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse.
Deutsche Welle: Vorwürfe gegen Uludaq "haltlos"
DW-Intendantin Barbara Massing bezeichnete die Vorwürfe gegen Uludag als haltlos. Er sei sehr gut vernetzt und habe Zugang zu wichtigen Quellen. Damit könne er der Regierung - aus deren Sicht - gefährlich werden.
Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung.
DW-Intendantin Barbara Massing
Der Vorfall zeige, "wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt".
Im Jahr 2021 war Uludag in Deutschland mit dem Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus ausgezeichnet worden. Mit der Auszeichnung werde die Arbeit des Justizkorrespondenten in einer Zeit gewürdigt, in der unabhängiger Journalismus in der Türkei stark unter Druck stehe, teilte die Friedrich-Naumann-Stiftung damals mit. Uludag deckte den Angaben zufolge mit seinen Artikeln Korruption in Regierungskreisen auf und recherchiert zur Arbeit von Strafverfolgungs- und Sicherheitsdiensten.
Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordert die sofortige Freilassung des Journalisten. "Ich fordere die türkische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass Alican Uludag sofort aus der Haft zu entlassen wird", sagte Weimer (parteilos) und betonte:
Journalistische Arbeit ist keine Straftat.
Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister
Viele Journalisten in der Türkei in Haft
Unzählige Journalisten sitzen laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) in der Türkei in Haft. Die Türkei belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten. Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung.
In der Türkei gehen Tausende junge Menschen auf die Straße – sie protestieren für ihre Überzeugungen und gegen Präsident Erdogan. Dafür drohen ihnen Verhaftungen und Repression.
02.04.2025 | 6:37 minErst vor knapp einem Monat war ein DW-Korrespondent im Niger festgenommen worden. Auch in diesem Fall stehe die DW in engem Austausch mit seinen Angehörigen sowie Anwälten vor Ort, teilte der Sender mit.
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