Gisèle Pelicot erstmals im ZDF-Interview: Wie geht es ihr heute?

ZDF-Interview mit Französin:Begegnung mit Gisèle Pelicot: "Ich war nicht nur ein Opfer"

Anne Arend

von Anne Arend

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Gisèle Pelicot spricht im ZDF über Vertrauen, Lebensfreude und warum sie ihrem Ex-Mann im Gefängnis noch eine letzte Frage stellen will. Was wir aus dem Treffen mit ihr mitnehmen.

Portrait von der Französin Gisèle Pelicot

Gisèle Pelicot ist eine der bekanntesten Stimmen im Kampf gegen sexualisierte Gewalt. Im Interview mit ZDF spricht sie über das Gerichtsverfahren vor Veröffentlichung ihrer Memoiren.

15.02.2026 | 6:44 min

Gisèle Pelicot nimmt sich Zeit an diesem Vormittag im Januar in Paris. Sie zeigt uns die deutsche Fassung ihres Buches, dann lacht sie kurz auf: "Der Titel ist ja doppelt so lang wie der französische!" Sie betrachtet das Foto auf dem Cover, das Porträt einer Frau, die glücklich ist. "Eine Hymne an das Leben" hat sie ihre Memoiren genannt. Und auch ihr Leitsatz "Die Scham muss die Seite wechseln" steht da geschrieben.

Diese Forderung hat sich eingebrannt seit dem Vergewaltigungsprozess im Herbst 2024, über den Journalisten aus aller Welt berichteten. Auch wir waren für das ZDF immer wieder dort, Interviews gab sie nie. Bis jetzt, bis zur Veröffentlichung ihrer Memoiren.

Sie erzählt, wie sie auf der Polizeiwache von Verbrechen ihres Ex-Manns erfahren hat. Wie sie es geschafft hat, nicht daran zu zerbrechen. Dass sie von ihrer Großmutter und Mutter gelernt habe, den Glauben an die Liebe nie zu verlieren.

Gisele Pelicot sitzt mit rosafarbenem Oberteil im Gerichtssaal.

Jahrelang wurde Gisèle Pelicot von ihrem Ehemann und dutzenden anderen Männern sexuell missbraucht. Ein Jahr nach dem Prozess trauen sich in Frankreich mehr Frauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Neues Vertrauen

Für all das bittet Gisèle Pelicot weder um Bewunderung noch um Mitgefühl. Sie will einfach ihre Geschichte selbst erzählen, vor, während und nach dem Vergewaltigungsprozess in Avignon, in dem ihr Leben auseinandergenommen wurde.

Mit einem Mal gab es viele Versionen ihrer Geschichte. "Aber ich erkannte mein Leben nicht wieder, wenn es andere zusammenfassten. Ich war glücklich gewesen, ganz bestimmt. Ich war nicht nur ein Opfer", schreibt sie in ihren Memoiren.

Sie strahlt, wenn sie von ihrem neuen Partner erzählt, von ihren Gemeinsamkeiten, die sie nach und nach entdeckt haben. Jean-Loup bleibt im Hintergrund, aber immer in ihrer Nähe. "Ich freue mich auf ein ruhigeres Leben, umgeben von den Menschen, die ich liebe", gesteht Gisèle Pelicot. Sie sei immer noch in der Lage zu vertrauen.

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Wunden in der Familie

In dem Interview spricht Gisèle Pelicot auch über die Risse, die die Enthüllungen in ihrer Familie hinterlassen haben. Es sei noch immer schwer. Und noch immer gebe es offene Fragen zu den Fotos, die von ihrer Tochter gefunden wurden, schlafend und in Unterwäsche.

"Man muss wissen, dass Caroline heute etwas äußerst Schmerzhaftes durchmacht", sagt Pelicot. "Ihr Leiden erschüttert mich zutiefst, ebenso wie der quälende Zweifel, dass auch sie zu ewiger Verdammnis verurteilt sein könnte."

Deshalb wünsche ich mir, dass sie Antworten erhält, die ich ihr selbst nicht geben kann.

Gisèle Pelicot

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Eine letzte Frage an ihren Ex-Mann

Das sei einer der Gründe, warum sie noch einen letzten Schritt tun müsse. Sie will ihren Ex-Mann Dominique Pelicot im Gefängnis aufsuchen und ihn fragen: "Warum hast du mir all diese Grausamkeiten zugefügt, wenn du doch sagst, dass ich die Liebe deines Lebens bin?"

Gisèle Pelicot erzählt uns, dass es unerträglich war, die Videos von den Vergewaltigungen und dem Missbrauch anzusehen. Wie sie leblos da lag. Sie sei "auf dem Altar des Lasters" geopfert worden, sagt sie. Und dann ergänzt sie leise: "Zum Glück habe ich keine bewussten Erinnerungen daran, denn ich glaube, sonst würde ich heute nicht so vor Ihnen sitzen."

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Was sich ändern muss

In ihrem Fall war die Beweislage durch die Videos außergewöhnlich klar. Alle 51 Angeklagten wurden im Dezember 2024 schuldig gesprochen. Selten lassen sich Vergewaltigungen und Missbrauch so eindeutig belegen. Gisèle Pelicot weiß das. Sie tauscht sich viel aus mit Frauen, die auch sexualisierte Gewalt erlebt haben.

"Wir müssen den Kampf weiterführen. Es gibt so viele Opfer, die nicht gehört werden. Wir dürfen nicht lockerlassen." Eine besondere Rolle sieht sie auch bei den Schulen und Vereinen. Der Umgang von Männern mit Frauen müsse immer wieder hinterfragt werden, das beginne mit Erziehung und Aufklärung.

Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal im Beitrag "Interview mit Gisèle Pelicot" am 15.02.2026 um 10 Uhr.

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