Neue Dunkelfeldstudie:Gewalt in der Partnerschaft: Zur Anzeige kommt es fast nie
Erstmals hat das Bundesfamilienministerium partnerschaftliche Gewalt an Frauen und Männern umfassend untersucht. Das Ergebnis: Frauen sind häufiger und stärker betroffen.
Bei Gewalt in einer Partnerschaft kommt es fast nie zur Anzeige. Das Ausmaß nicht erfasster Straftaten stellt die Bundesregierung in einer neuen Dunkelfeldstudie vor.
10.02.2026 | 1:47 minEs sei die erste geschlechterübergreifende und repräsentative Studie zu partnerschaftlicher Gewalt in Deutschland, so die Beschreibung von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Mehr als 15.000 Personen habe man für die Untersuchung zu ihren Gewalterfahrungen befragt.
Das Ergebnis: Innerhalb und außerhalb von Partnerschaften seien Frauen insgesamt häufiger und stärker sowohl von psychischer als auch physischer Gewalt betroffen als Männer.
Eine neue Studie weist auf eine hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt hin. "Der Bund wird die Gegenmaßnahmen der Länder mit 2,6 Milliarden Euro unterstützen", sagt Karin Prien, Bundesministerin für Bildung und Familie.
10.02.2026 | 5:19 minUnterschiede zwischen Männern und Frauen
So gaben laut der Studie 18 Prozent der Frauen an, im Laufe ihres Lebens körperliche Gewalt durch den (Ex-)Partner erfahren zu haben. Bei den Männern waren es 14 Prozent.
Unterschiede gebe es insbesondere auch im Bereich der sexuellen Übergriffe. Vier Prozent der Frauen gaben an, einen solchen Übergriff in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben. Bei den Männern waren es 1,4 Prozent.
Die Studie hatte zudem Gewaltformen wie digitale Gewalt und K.O.-Tropfen untersucht. Auch hier fiel die Betroffenheit bei den Frauen höher aus. Frauen bewerteten die Fälle zudem schwerer als Männer.
Aus dem Archiv: Der "Orange Day" macht weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam.
25.11.2025 | 1:42 minGewalt meist in laufenden Partnerschaften
Partnerschaftsgewalt findet dabei meist statt, während die Beziehung noch besteht, so die Untersuchung. Dies gilt insbesondere für psychische und körperliche Übergriffe. Sexuelle Übergriffe und digitale Gewalt werden hingegen meist außerhalb der (Ex-)Partnerschaft erlebt, durch flüchtige Bekannte oder Fremde.
Ebenfalls untersucht wurde die Anzeigequote. Die sei weiterhin extrem niedrig. Weniger als fünf Prozent der Gewalterfahrungen in einer Partnerschaft würden gemeldet. Ministerin Prien sagt, die Zahlen machten sichtbar, was lange im Verborgenen gelegen habe:
Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land.
Karin Prien, CDU
Mit der Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" wurde umfassend erhoben, inwieweit Frauen und auch Männer von Partnerschafts-, sexualisierter und digitaler Gewalt betroffen sind. Die Untersuchung gilt als sogenannte Dunkelfeldstudie - sie beleuchtet Bereiche, die nicht angezeigt werden. Dies ist bei mehr als 95 Prozent der genannten Vorkommnisse der Fall. Das sind die zentralen Ergebnisse:
Männer und Frauen haben demnach in den vergangenen fünf Jahren psychische und körperliche Gewalt in Partnerschaften zwar annähernd gleich häufig erlebt. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch bei der Schwere und der Häufigkeit der Taten. So werden Frauen deutlich häufiger Opfer sexueller Übergriffe als Männer. Zudem bringen sie diese Taten deutlich seltener zur Anzeige.
36,3 Prozent der Frauen waren in den vergangenen fünf Jahren Opfer sexueller Belästigung, während es bei Männern 16,3 Prozent waren. 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer wurden Opfer einer Vergewaltigung. Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt hier bei drei Prozent. Männliche Opfer zeigen entsprechende Übergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle an - die Forscher weisen aufgrund der niedrigen Zahl von Fällen bei Männern hier aber auf mögliche Messungenauigkeiten hin.
Auch fällt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die Männer betreffen, auch von Männern verübt wird. Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen Männer gerichteten sexuellen Übergriffe auch der Täter ein Mann.
Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt hat sich innerhalb der Partnerschaft ereignet. 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer haben demnach innerhalb ihres Lebens körperliche Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner erlebt. Auffällig ist die geringe Anzeigequote: Von psychischer Gewalt, zum Beispiel Bedrohungen, berichteten 48,7 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer. Zur Anzeige gebracht werden auch diese Taten nur selten - bei psychischer Gewalt liegt die Quote unter drei Prozent.
Digitale Gewalt zeigt sich als jüngeres Phänomen vor allem im ebenfalls erfassten Zeitraum der zurückliegenden fünf Jahre. In dieser Zeit erlebten der Studie zufolge 20 Prozent der Frauen und 13,9 Prozent der Männer Formen sexualisierter Belästigung oder Gewalt im Netz, darunter etwa auch Stalking.
Quelle: epd, Reuters, dpa
Studie hatte Dunkelfeld untersucht
Der Bedarf an Schutz, Beratung und Prävention sei weitaus größer als bislang angenommen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesmatverbands, Joachim Rock. Er fordert gezielte Investitionen in Familienarbeit und in die Arbeit mit Täterinnen und Tätern.
Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen für alle Betroffenen, unabhängig vom Geschlecht.
Joachim Rock, Paritätischer Gesamtverband
Welche Hilfe gibt es für Betroffene? Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf im Gespräch.
25.11.2025 | 7:26 minKooperiert hatten für die Untersuchung das Bundesfamilienministerium, das Bundesinnenministerium sowie das Bundeskriminalamt. Es handelt sich um eine sogenannte Dunkelfeldstudie, also eine repräsentative Opferbefragung, die im Gegensatz zur Polizeilichen Kriminalstatistik nicht nur die polizeilich bekannten Fälle abdeckt.
Nach Angaben der Herausgeber hatte die Studie dabei keinen juristischen sondern einen sozialwissenschaftlichen Gewaltbegriff verwendet. Dieser ist weiter gefasst und erfasst auch ein breites Spektrum an Handlungen, die sich unterhalb einer Schwelle zur Strafbarkeit bewegen.
phoenix | phoenix vor ort:Vorstellung Dunkelfeldstudie zu Gewaltbetroffenheit
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