Neue Dunkelfeldstudie:Gewalt in der Partnerschaft: Zur Anzeige kommt es fast nie
Erstmals hat das Bundesfamilienministerium partnerschaftliche Gewalt an Frauen und Männern umfassend untersucht. Das Ergebnis: Frauen sind häufiger und stärker betroffen.
18 Prozent der Frauen erleben im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Dunkelfeldstudie des Familienministeriums.
10.02.2026 | 0:32 minEs sei die erste geschlechterübergreifende und repräsentative Studie zu partnerschaftlicher Gewalt in Deutschland, so die Beschreibung von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Mehr als 15.000 Personen habe man für die Untersuchung zu ihren Gewalterfahrungen befragt.
Das Ergebnis: Innerhalb und außerhalb von Partnerschaften seien Frauen insgesamt häufiger und stärker sowohl von psychischer als auch physischer Gewalt betroffen als Männer.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
So gaben laut der Studie 18 Prozent der Frauen an, im Laufe ihres Lebens körperliche Gewalt durch den (Ex-)Partner erfahren zu haben. Bei den Männern waren es 14 Prozent.
Unterschiede gebe es insbesondere auch im Bereich der sexuellen Übergriffe. Vier Prozent der Frauen gaben an, einen solchen Übergriff in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben. Bei den Männern waren es 1,4 Prozent.
Die Studie hatte zudem Gewaltformen wie digitale Gewalt und K.O.-Tropfen untersucht. Auch hier fiel die Betroffenheit bei den Frauen höher aus. Frauen bewerteten die Fälle zudem schwerer als Männer.
Heute macht der "Orange Day" weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. In Deutschland wurden 2024 fast 136.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft bekannt.
25.11.2025 | 1:42 minGewalt meist in laufenden Partnerschaften
Partnerschaftsgewalt findet dabei meist statt, während die Beziehung noch besteht, so die Untersuchung. Dies gilt insbesondere für psychische und körperliche Übergriffe. Sexuelle Übergriffe und digitale Gewalt werden hingegen meist außerhalb der (Ex-)Partnerschaft erlebt, durch flüchtige Bekannte oder Fremde.
Ebenfalls untersucht wurde die Anzeigequote. Die sei weiterhin extrem niedrig. Weniger als fünf Prozent der Gewalterfahrungen in einer Partnerschaft würden gemeldet. Ministerin Prien sagt, die Zahlen machten sichtbar, was lange im Verborgenen gelegen habe:
Das Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt ist riesig. Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land.
Karin Prien, CDU
Der 25. November ist internationaler Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Welche Hilfe gibt es für Betroffene? Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf im Gespräch.
25.11.2025 | 7:26 minStudie hatte Dunkelfeld untersucht
Der Bedarf an Schutz, Beratung und Prävention sei weitaus größer als bislang angenommen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesmatverbands, Joachim Rock. Er fordert gezielte Investitionen in Familienarbeit und in die Arbeit mit Täterinnen und Tätern.
Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen für alle Betroffenen, unabhängig vom Geschlecht.
Joachim Rock, Paritätischer Gesamtverband
Kooperiert hatten für die Untersuchung das Bundesfamilienministerium, das Bundesinnenministerium sowie das Bundeskriminalamt. Es handelt sich um eine sogenannte Dunkelfeldstudie, also eine repräsentative Opferbefragung, die im Gegensatz zur Polizeilichen Kriminalstatistik nicht nur die polizeilich bekannten Fälle abdeckt.
Nach Angaben der Herausgeber hatte die Studie dabei keinen juristischen sondern einen sozialwissenschaftlichen Gewaltbegriff verwendet. Dieser ist weiter gefasst und erfasst auch ein breites Spektrum an Handlungen, die sich unterhalb einer Schwelle zur Strafbarkeit bewegen.
Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin:Prien: "Es gibt zu viel Gewalt gegen Frauen"
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