Deepfake-Pornografie: Betroffene erzählen von Scham und Ekel

Betroffene über sexualisierte Deepfakes:"Ich habe mich geschämt, ich habe mich geekelt"

von Alesia Harrer und Ulrich Hansen

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"So etwas kann man nur tun, wenn man Frauen in dem Moment nicht mehr als Menschen, als fühlende Wesen sieht", sagt Theresia. Sie war betroffen von pornografischen Deepfakes.

"37°Leben: Deepfakes - Leben nach digitaler Gewalt": Frau mit offenen braunen Haaren und gestreifter Bluse steht am Ufer eines Flusses und schaut angespannt. In ihren Händen hält sie ein Handy.

Pornografie, Vergewaltigung, Fetisch: Deepfakes nennen sich die gefälschten Bilder im Internet, mit denen Frauen öffentlich gedemütigt werden, oft ohne rechtliche Konsequenzen.

09.08.2026 | 27:13 min

Die 23-jährige Theresia erhielt 2023 viele Instagram-Nachrichten von Männern, die sie nicht kannte. "Oft mit einer sexuellen Konnotation, einem Unterton", erzählt sie. "Das fand ich komisch."

Dann schickte ihr jemand einen Link zu einem öffentlichen Profil von ihr: "Mit meinem Gesicht, meinen Bildern, meinem Namen." Ein Profil, das sie nicht kannte, das ein Fremder angelegt hatte.

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Viele Bilder auch mit Gewaltszenen

Sie fand dutzende Deepfakes, gefälschte Bilder: "Explizit pornografische Situationen, wo auch Penetration gezeigt wurde", berichtete sie. "Einige haben meiner Meinung nach Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt gezeigt."

Ich habe mich geschämt, ich habe mich geekelt und dann habe ich mir selbst die Schuld gegeben dafür, dass ich ein öffentliches Instagram-Profil habe.

Theresia, von Deepfakes Betroffene

So beschreibt Theresia ihre Gefühle. "Ich wusste, dass ich mich selbst für immer ein bisschen anders betrachten werde. Und dass, wenn Leute mich einmal so gesehen haben - degradiert, gedemütigt, nackt -, dass vielleicht auch sie mich für immer so sehen werden."

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Ermittlungen der Polizei bald eingestellt

Auch für die 32-Jährige Atessa hat sich das Leben nach Deepfakes verändert. Besonders getroffen hat sie die Reaktion der Ermittlungsbehörden.

Für mich ein Schlag ins Gesicht war, dass sehr schnell diese Bescheide von der Polizei über die Einstellung der Ermittlungen kamen.

Atessa

Atessa ist Ähnliches passiert wie Theresia: Ein Unbekannter veröffentlichte falsche Profile von ihr, nutzte ihre Bilder, chattete unter ihrem Namen in Sex-Foren.

Atessa sitzt auf einem Sessel in einem Wohnzimmer.

Immer wieder finden Frauen pornografische Deepfakes von sich im Internet, die Täter stammen oft aus dem Umfeld. So war es auch bei Atessa.

Quelle: ZDF

"Das netteste Forum war noch 'Matratzen-Sport'", erzählt Atessa. Unter ihren eigenen Urlaubsfotos fand die 32-Jährige zahlreiche Kommentare: "So Nettigkeiten: 'Umdrehen, vorbeugen, in den Arsch ficken lassen'. Das ist so ein exemplarischer Kommentar. Unter manchen Bildern gab es 120 Kommentare."

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Recherche auf eigene Faust

Weil die Ermittlungen immer wieder eingestellt wurden, beschloss Atessa, selbst zu recherchieren. Ihr Profil ist privat, der Täter musste also einer der 300 Follower sein. Sie teilte sie daher in Gruppen ein, postete ihnen individuelle Bilder.

So gelang es ihr, die Verdächtigen auf 20 zu reduzieren. "Einerseits wusste ich, es tut mir mental nicht gut, da immer wieder reinzugucken", erzählt Atessa.

Aber gleichzeitig war mir klar, wenn ich das nicht selbst in die Hand nehme, kümmert sich keiner drum.

Atessa

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Junger Uni-Mitarbeiter als Täter entlarvt

Drei Wochen nachdem Theresia, nicht ohne Schwierigkeiten, Anzeige erstatten konnte, bekam sie Post von einem Kriminalkommissar. Er hatte jemanden ausfindig gemacht.

"Ich war schockiert, dass es jemand in meinem Alter war. Jemand, der an der Uni arbeitet. Sich demokratisch in einer Partei einbringt." Sein Motiv: "Offiziell hat wohl die Person gegenüber der Staatsanwaltschaft gesagt, dass ihm die Deepfakes geholfen hätten, als es ihm mental nicht gut ging, damit klarzukommen und im Rollenspiel sich besser zu fühlen."

Theresia, die auch politisch aktiv ist, glaubt ihm nicht.

Ich bin der Meinung, die Intention des Täters war, durch die Demütigung und Erniedrigung von jungen Frauen, die sich politisch engagieren, ein Machtgefühl zu bekommen.

Theresia

Auch in Atessas Fall wurde der Täter gefunden. "Sitzen Sie gerade, wollen Sie wirklich den Namen wissen?", fragt der Polizist. "Dann sagte er mir den Namen", erzählt Atessa,

Ich habe angefangen zu heulen, denn das war ein sehr guter Freund zu Schulzeiten, zu Abi-Zeiten, wir haben unheimlich viel Zeit miteinander verbracht.

Atessa

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Keine Entschädigung für Demütigung

Atessa bekam 2.000 Euro wegen Verletzung des Copyrights. Eine Entschädigung für die öffentliche Demütigung bekam sie nicht. Auch Theresia erhielt keine Entschädigung. Immerhin: Der Täter wurde mit 100 Tagessätzen bestraft, wegen Verleumdung, Nachstellung und einem Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz.

Beide Frauen haben lange gebraucht, die Vorgänge zu verarbeiten. Atessa hat ihren Kraftsport intensiviert. Theresia studiert Jura - und engagiert sich für schärfere Gesetze gegen die Täter.

Über dieses Thema berichtete 37 Grad in der Sendung "Deepfakes - Leben nach digitaler Gewalt" am 09.08.2026 ab 09:03 Uhr.

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