Soja-Moratorium vor dem Aus: Gefahr für den Amazonas?

Amazonas ohne Schutzschild?:Soja-Moratorium vor dem Aus: Was jetzt auf dem Spiel steht

von Arlette Geburtig

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Während in Brasilien Karneval gefeiert wird, rückt eine Meldung fast unbeachtet in den Hintergrund: Das Soja-Moratorium steht vor dem Aus - mit globalen Umweltfolgen.

Sojafelder kurz vor der Ernte nahe Santarem.

Die brasilianische Vereinigung der Pflanzenölindustrie verlässt das Soja-Moratorium, das den Regenwald schützt. Nun könnten neue Regenwaldflächen für den Anbau von Soja freigegeben werden.

16.02.2026 | 1:04 min

Fast 20 Jahre lang galt das Moratorium als Vorzeigeprojekt: Händler verpflichteten sich, kein Soja von Flächen zu kaufen, die nach 2008 im Amazonas gerodet wurden. Das reduzierte die direkte Entwaldung deutlich.

Doch nun zieht sich der brasilianische Industrieverband ABIOVE zurück - ausgelöst durch ein Gesetz im Bundesstaat Mato Grosso, das Unternehmen steuerlich bestraft, wenn sie strengere Umweltstandards befolgen als gesetzlich verlangt. "Der Zeitpunkt dafür ist sicherlich kein Zufall", vermutet der Greenpeace Waldschutzexperte Harald Gross, "sondern eiskalt kalkuliert, um einen größeren Skandal zu vermeiden".

Dabei ist der Kontrast kaum größer denkbar: Erst vor wenigen Monaten traf sich die Weltgemeinschaft in Belém am Rand des Amazonas zur UN-Klimakonferenz, um über den Schutz des Regenwaldes zu beraten und neue Mittel für seinen Erhalt zu mobilisieren. Nun wird ausgerechnet eines der wirksamsten freiwilligen Instrumente gegen Entwaldung faktisch aufgegeben.

Abkommen verliert Wirkung

Formell existiert das Abkommen weiter, praktisch verliert es jedoch seine Wirkung. Für Greenpeace-Experte Gross ist das "eine Katastrophe für den Amazonas Regenwald".

... ist der brasilianische Wirtschaftsverband der Soja- und Pflanzenölindustrie. Er vertritt große Verarbeiter und Exporteure von Sojabohnen, bündelt deren wirtschaftliche Interessen und spricht gegenüber Regierung und Öffentlichkeit für die Branche. ABIOVE besteht aus 13 Mitgliedsunternehmen.


Schon heute seien 17 Prozent des Amazonas zerstört. Erreiche die Vernichtung 20 bis 25 Prozent, könne der Regenwald "kippen und unwiderruflich vertrocknen". Das hätte globale Folgen, denn der Amazonas stabilisiert das Klima.

Wir riskieren extremere Dürren, Ernteausfälle und instabile Wetterlagen - auch in Deutschland.

Harald Gross, Experte für Waldschutz bei Greenpeace

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Brandbeschleuniger für Entwaldung

Mit dem Wegfall der Selbstverpflichtung steigt nach Gross der Anreiz, Urwald in Ackerland umzuwandeln. Das wirke "wie ein Brandbeschleuniger": Die CO2-Speicherfunktion des Waldes werde geschwächt.

Lebensräume für unzählige Arten gingen verloren - der Amazonas beherbergt rund zehn Prozent der global bekannten Spezies. Und: Indigene Gemeinschaften gerieten stärker unter Druck, da Landraub und Konflikte zunähmen und die Zerstörung des Wasserhaushalts ihre Lebensgrundlagen bedrohe.

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Industrie: Keine zusätzlichen Regeln nötig

Die Agrarindustrie verweist dagegen auf den strengen brasilianischen "Forest Code" und sieht keine Notwendigkeit für zusätzliche Regeln. Doch das Moratorium sendete ein klares Marktsignal - und wirkte weit über gesetzliche Mindeststandards hinaus.

Der brasilianische Forest Code ist das zentrale Umweltgesetz für private Landflächen in Brasilien. Während das Moratorium eine Null-Entwaldungs-Politik verfolgt, erlaubt der Forest Code im Amazonas-Ökosystem auf Privatbesitz legal die Abholzung von bis zu 20 Prozent der Fläche.

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Keine Konsequenzen für viele Landbesitzer

Der Forest Code wird in der Praxis schlecht durchgesetzt, kritisiert Greenpeace. "Es gibt riesige Rückstände bei der Bearbeitung von Bußgeldern, und viele Landbesitzer müssen keine Konsequenzen fürchten." Studien zeigen, dass etwa 91 bis 95 Prozent der Entwaldung im Amazonas illegal erfolgen - der Forest Code kann dies allein nicht stoppen.

Kann die EU Entwaldungsverordnung (EUDR) das ersetzen? Gross warnt: Die EUDR sei zwar verbindlich, habe aber große Schwächen. Händler könnten Soja aus gerodeten Flächen einfach in andere Märkte wie China umleiten. "Das Moratorium galt für die gesamte Einkaufspolitik - genau deshalb war es so wirksam."

... ist eine EU-Verordnung, die Produkte wie Soja, Rindfleisch oder Palmöl nur noch erlaubt, wenn sie nicht mit Entwaldung verbunden sind. Unternehmen müssen Herkunft und Entwaldungsfreiheit nachweisen.


Soja als Tierfutter in europäischer Lieferkette

Verbraucher und Unternehmen in Europa spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein Großteil des brasilianischen Sojas landet als Tierfutter in europäischen Lieferketten. Handelsketten wie Aldi, Rewe oder Kaufland betonen laut Gross, dass das Moratorium ein Erfolgsmodell sei und fordern, den Schutz sogar auf weitere gefährdete Regionen wie den Cerrado auszuweiten. Einige internationale Händler drohen bereits mit Boykotten, sollte die Lieferkette wieder intransparent werden.

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Ob die Entwaldung nun tatsächlich zunimmt, wird sich erst zeigen. Doch klar ist: Fällt das Moratorium als Schutzmechanismus weg, geraten Ökosysteme, Klima und Menschen in Gefahr. Und während Brasilien feiert, steht im Schatten der Paraden eine Entscheidung, die das globale Klima für Jahrzehnte prägen wird.

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Quelle: dpa

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Über das Thema berichtete ZDFheute am 16.02.2026 um 20:52 Uhr.

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