Klimapolitik & erneuerbare Energien: Deutschland liegt zurück

Index: Deutschland rutscht ab:Dänemark als "FC Bayern" in der Klimaschutz-Liga

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Es gibt deutlich sichtbare Fortschritte beim Klimaschutz, stellt ein jetzt auf der COP vorgestelltes Ranking fest. Dänemark ist ganz vorne, Deutschland nur noch auf Platz 22.

Industriegebiet mit rauchenden Schloten

Während Trumps Amerika Klimaschutz aktiv bekämpft und der Green Deal in Europa wankt, werden die Elektrifizierung und die Dekarbonisierung für China zum Exportschlager.

09.11.2025 | 43:16 min

Fußball-Vergleiche sind vielleicht nicht immer angebracht. Thea Uhlich von Germanwatch und Co-Autorin des auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém vorgestellten Klimaschutz-Index, wagt es trotzdem:

Dänemark ist mittlerweile so eine Art FC Bayern München des internationalen Klimaschutzes.

Thea Uhlich, Germanwatch

Denn ähnlich wie der Rekord-Meister in der Fußball-Bundesliga führt unser nördlicher Nachbar auch diesmal wieder das Ranking der Klimaschutz-Ambitionen an - bereits zum fünften Mal in Folge. Dänemark schafft das mit seiner Klimapolitik und dem konsequenten Ausbau der Erneuerbaren.

Spitzenplätze bleiben traditionell frei

Anders als in der Bundesliga-Tabelle bleiben im Klimaschutz-Index die ersten drei Plätze aber auch in diesem Jahr wieder frei, da, so die Autorinnen und Autoren, kein Land mit "sehr gut" bewertet werden konnte. Dänemark liegt also auf "Spitzenplatz" vier - vor Großbritannien und Marokko.

Eine brasilianische Flagge weht vor dem Veranstaltungsort des UN-Klimagipfels COP30 in Belem.

In der brasilianischen Millionenstadt Belém verhandeln aktuell fast 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung verlangsamt werden kann. Zur Halbzeit der Konferenz fällt die Bilanz gemischt aus.

15.11.2025 | 1:46 min

Der jährlich veröffentlichte Klimaschutz-Index, eigentlich Climate Change Performance Index (CCPI) wirft einen Blick auf die Klimaschutz-Ambitionen von 63 Ländern plus EU. Zusammen sind diese für 90 Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Germanwatch und das New Climate Institute fassen in dem Ranking nach eigenen Angaben die Bewertungen von etwa 450 Expertinnen und Experten verschiedener ThinkTanks zusammen. Die Kategorien: Emissionen, Erneuerbare Energien und Energieverbrauch. Daneben wird bewertet, was die Länder unternehmen, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.


Das nordafrikanische Land hat damit zwei Plätze gut gemacht. "Marokko hat mit 2,6 Tonnen pro Kopf noch immer sehr niedrige Emissionen und überzeugt mit großen Investitionen in den öffentlichen Verkehr", erklärt Prof. Niklas Höhne vom New Climate Institute.

Schwache Platzierung für Deutschland

Deutschland dagegen rutscht um sechs Plätze auf Rang 22 ab - die schwächste Platzierung seit sechs Jahren. Beim Energieverbrauch schneidet das Land zwar gut ab und liegt bei den Erneuerbaren im Mittelfeld. Bei der Klimapolitik gibt der Index aber schlechtere Noten.

Klimaschutz-Index 2026

ZDFheute Infografik

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"Gründe dafür sind die angekündigten Rückschritte in Teilen der Klimapolitik, der starke Fokus auf Gas und die Tatsache, dass in den Problemsektoren Verkehr und Gebäude noch immer Maßnahmen zur Emissionssenkung fehlen", so Jan Burck von Germanwatch.

Harald Lesch und Dunja Hayali sprechen im Schaltgespräch

Anlässlich der COP30 fordert Astrophysiker Harald Lesch eine entschiedenere Klimapolitik. Es werde oft so getan, als ob Ökonomie und Ökologie im Widerspruch zueinander stünden.

12.11.2025 | 7:10 min

Ein weiterer Grund seien neue Daten zu den deutschen Wäldern, die eine schlechtere Klima-Bilanz aufweisen als bisher verzeichnet. Um "wieder auf Kurs zu kommen", müsse die Bundesregierung beim in Kürze erwarteten Klimaschutzprogramm "entscheidende Weichen stellen".

Fortschritte beim Klimaschutz "unübersehbar"

Um das Klimaabkommen von Paris zu erfüllen, reiche das Ambitionsniveau weltweit zwar noch längst nicht, so das Fazit des Index. Immerhin: "Fortschritte sind über die Jahre unübersehbar", so Uhlich. In Kategorien wie Emissionen oder Erneuerbare Energien hätten nun deutlich mehr Länder gute oder sogar sehr gute Ergebnisse. Mehr als 100 Länder hätten sich Klimaziele für Netto-Null-Emissionen verordnet.

Nicht dazu gehören die USA. Sie sind unter Präsident Donald Trump, der den Klimawandel als "Betrug" bezeichnet, im Ranking um acht auf den 65. Platz abgerutscht, also deutlich in der Abstiegszone. Nur Iran und Saudi-Arabien sind noch schlechter.

Demonstrierende geraten mit Sicherheitspersonal aneinander, draußen vor dem Gebäude, wo die UN-Klimakonferenz stattfindet.

Bei der Klimakonferenz entlädt sich die Wut einiger indigener Aktivisten. Sie dürfen über ihren Lebensraum nicht mitverhandeln. Ob das Klima bei der COP gewinnt, bleibt abzuwarten.

12.11.2025 | 2:23 min

China: Massiver Ausbau, aber hohe Emissionen

Auffallend ist, dass auch China trotz des E-Auto-Booms und des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien nur auf Platz 54 gelistet wird. Ein Grund: Auch die fossile Energieproduktion hat stark zugenommen und noch gehen die hohen Emissionen nicht zurück. Aber:

Wir sehen klare Anzeichen, dass der Emissionshöhepunkt in China bald erreicht sein könnte.

Prof. Niklas Höhne, New Climate Institute

Entscheidend sei nun, dass China weiter "in Rekordzeit grüne Technologien" ausbaue, gleichzeitig aber auch aus den Fossilen aussteige. "Letzteres passiert bisher noch zu wenig", so der Klimaforscher.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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Wie verändert die Zerstörung des Regenwalds das Klima auf der Welt? ZDF-Umweltreporter Sherif Rizkallah und Wissenschaftlerin Mira Pöhlker wollen das auf einer Amazonas-Expedition herausfinden.

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Quelle: dpa

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