Flaute in der Chemiebranche:Chemie- und Pharmabranche: Mehr Geld für Beschäftigte
Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC haben sich geeinigt: Arbeitnehmer in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie sollen demnach mehr Geld bekommen.
Rund 585.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmabranche bekommen mehr Geld. Die Einigung von Gewerkschaft und Arbeitgeber sieht ein Plus um erst 2,1 und ab 2028 um 2,4 Prozent vor.
25.03.2026 | 0:33 minLohnplus in schwierigen Zeiten: Die rund 585.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie erhalten mehr Geld. Darauf haben sich die Branchengewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC nach zweitägigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig geeinigt. Zudem verpflichten sich die Arbeitgeber zu Zahlungen für die Beschäftigungssicherung in der kriselnden Chemieindustrie.
Demnach steigen die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten in zwei Stufen: Ab Januar 2027 um 2,1 Prozent und ab Januar 2028 um weitere 2,4 Prozent. Von März bis Dezember des laufenden Jahres bleiben die Entgelte aber auf bisherigem Niveau. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags reicht über 27 Monate bis Ende Mai 2028. Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um drei Monate vorziehen.
Die bundesweiten Tarifverhandlungen für rund 585.000 Beschäftigte in der Chemie- und Pharmaindustrie gehen in die dritte Runde. Die Gewerkschaft fordert mehr Lohn und eine Beschäftigungsgarantie.
24.03.2026 | 0:18 minBeitrag zur Jobsicherung
Für 2026 und 2027 zahlen die Unternehmen zudem einen Beitrag zur Beschäftigungssicherung von je 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Für Auszubildende sind 150 Euro vorgesehen. Das Geld fließt in den seit 2010 bestehenden Demografiefonds der Branche, der bisher genutzt wird, um etwa Altersteilzeit und betriebliche Altersversorgung zu finanzieren.
Er wird nun zur Jobsicherung erweitert: Aus dem Topf können Projekte zur Standortsicherung, Umqualifizierung oder Arbeitszeitreduzierung bezahlt werden. Das sei ein bundesweites Novum in einem großen Flächentarifvertrag, so die IG BCE. Katja Scharpwinkel, BAVC-Präsidentin, sagte:
Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider.
BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel
Nach immensen Preissprüngen, vor allem in den Corona-Jahren, hat sich die Inflation eingependelt. Dennoch haben viele Menschen weiterhin nicht das Gefühl, mehr Geld in der Tasche zu haben.
06.01.2026 | 2:43 minMatthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgeber betonte, die lange Laufzeit gebe Firmen viel Planungssicherheit. Zudem zahlten die Arbeitgeber erst ab 2027 - "und das zu krisengerechten Konditionen". Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis betonte, für den Krisen-Abschluss seien die Arbeitnehmer bis an die Schmerzgrenze gegangen. Er meinte weiter:
Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch ihren Beschäftigten zugesetzt.
IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis
Die Gespräche in Bad Breisig waren die dritte Verhandlungsrunde auf Bundesebene. Die IG BCE wollte Jobs in der Konjunkturflaute sichern und höhere Entgelte über der Inflationsrate erreichen, wenngleich sie auf eine konkrete Lohnforderung verzichtete. Die Arbeitgeber pochten dagegen auf Lohnzurückhaltung angesichts der Krise der Chemie. BAVC-Verhandlungsführer Bürk betonte, die Branche produziere 20 Prozent weniger als 2018, zahle aber deutlich höhere Tariflöhne. Der aktuelle Tarifvertrag war Ende Februar ausgelaufen.
Pharmabranche wächst
Die Chemie- und Pharmabranche ist die drittgrößte Industriebranche in Deutschland nach dem Auto- und Maschinenbau. Dem Chemieverband VCI zufolge erzielte sie 2025 einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro. Während die Pharmabranche wächst, steckt die Chemie seit langem in der Flaute. Ihr machen teure Energie, US-Zölle, die schwache Konjunktur und Überkapazitäten am Weltmarkt zu schaffen.
Nach dem Urteil des Supreme Courts könnten Unternehmen bereits gezahlte US-Zölle zurückfordern. Deutsche Wirtschaftsverbände sind skeptisch: Die Rückabwicklung ist kompliziert und kein Selbstläufer.
23.02.2026 | 1:45 minDer Iran-Krieg hatte die Lage verschärft, denn die Branche ist vom Anstieg der Energiepreise stark betroffen. Sie verbraucht viel Öl und Gas, zugleich spielen die Rohstoffe eine zentrale Rolle als Ausgangsstoffe etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika.
Schwere Zeit in Chemiebranche
Chemiekonzerne wie BASF und Evonik haben bereits Sparmaßnahmen samt Stellenabbau verkündet. Der US-Konzern Dow schließt Chemieanlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt und Wacker Chemie aus München meldete einen Rekordverlust für 2025. Nach Einschätzung von BASF-Chef Markus Kamieth erlebt die Chemieindustrie "wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren". Aus Sicht des Ifo-Instituts drohen der Branche dieses Jahr weitere Produktions- und Jobkürzungen.
Arzneimittel sollen bei Importen in die USA mit 100 Prozent Zoll belegt werden. Für die deutsche Pharmaindustrie ein schwerer wirtschaftlicher Einschnitt, denn die Vereinigten Staaten sind ihr wichtigster Exportmarkt.
26.09.2025 | 1:49 minDer Chemie-Abschluss ist die erste größere Einigung in der deutschen Industrie in diesem Jahr. Für den öffentlichen Dienst der Länder hat Verdi einen Abschluss über 27 Monate erreicht, der den Beschäftigten in drei Stufen 5,8 Prozent mehr Geld bringt. Im Herbst verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern über die Gehälter von rund 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. In der Chemieindustrie wiederum haben es die Tarifpartner erneut geschafft, ohne Arbeitskämpfe zu einer Einigung zu kommen.
Mehr aktuelle Nachrichten
"Tag der Freiheit" in Belarus:Warum Alexander Lukaschenko genau heute nach Nordkorea reist
von Felix Klausermit Video2:09WM-Testspiele der Nationalmannschaft:Havertz, die stille Variante einer Führungskraft
von Frank Hellmannmit Video2:26Zeitplan der Bundesregierung:Gesundheit, Rente, Steuern: Wann kommen die Reformen?
mit Video1:58- Liveblog
Aktuelle Entwicklungen der Eskalation:Iran-Krieg: Alle Nachrichten im Liveblog