Neue Details zu Solingen-Anschlag:Ermittlungen gegen mutmaßliche Unterstützer von Issa Al H.
von Ralph Goldmann
Nach dem Anschlag von Solingen mit drei Toten stehen drei mutmaßliche Unterstützer von Issa Al H. im Fokus der Ermittler. Sie sollen Al H. beeinflusst und die Tat gebilligt haben.
Nach dem islamistischen Terroranschlag mit drei Toten auf dem Solinger Stadtfest im August 2024 gibt es nun weitere Ermittlungsverfahren gegen mögliche Hintermänner.
12.05.2026 | 0:59 minNach dem islamistischen Terroranschlag mit drei Toten und acht Verletzten auf dem Solinger Stadtfest im August 2024 läuft ein Ermittlungsverfahren gegen drei weitgehend unbekannte Hintermänner der Tat. Das sagte Nele Groenewald, ermittelnde Staatsanwältin der Bundesanwaltschaft, am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss im Düsseldorfer Landtag.
Bei dem Anschlag hatte der Syrer Issa Al H. zwei Männer und eine Frau mit Stichen in den Hals tödlich verletzt. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hatte den Anschlag für sich reklamiert. Der Täter war etwas mehr als ein Jahr später zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung verurteilt worden.
Anschlag in Solingen: Al H. besprach Tatwaffe offenbar mit IS-Kontakt
Konkret ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Beihilfe gegen drei Kontakte von Issa Al H., die er in zwei Telegram-Gruppenchats wenige Wochen vor der Tat kennengelernt habe, sagte Groenewald vor dem Ausschuss. Von ihnen habe er sich das Solinger Stadtfest als Anschlagsort "absegnen" lassen. Am Vortag hatte er den dreien gegenüber einen Anschlag angekündigt.
ZDF-Bericht vom 11.09.2025: Im Prozess um den Messeranschlag von Solingen hat das Oberlandesgericht Düsseldorf Issa Al H. schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
11.09.2025 | 1:22 min"Alle drei reagierten sehr positiv", so Groenewald. Als einen der treibenden Kräfte nannte die Staatsanwältin eine Person mit dem IS-Kampfnamen Abu Faruq al-Jihadi, der bis zur Tat nicht unter Beobachtung der Behörden gestanden habe:
Bei Abu Faruq haben wir es mit einem IS-Rekrutierer zu tun, dem Leute zugeführt werden, wenn sie sich als 'anschlagsgeneigt' zeigen.
Nele Groenewald, Staatsanwältin bei der Bundesanwaltschaft
Mit ihm habe Issa Al H. noch kurz vor der Tat Kontakt gehabt, als es um die Auswahl der Tatwaffe ging. Mit dem zunächst ausgewählten Messer aus einem Dönerladen war Faruq offenbar nicht zufrieden. "Es sollte kürzer und schärfer sein", soll er gewünscht haben, so die Staatsanwältin. Abu Faruq habe Issa Al H. auch erklärt, wie man vor der Tat ein Video mit einem Treueeid auf den IS aufzuzeichnen habe.
Groenewald erklärt:
Abu Faruk verfügt über Mittel und Wege, dem IS entsprechendes Material zur propagandistischen Verwertung bereitzustellen.
Nele Groenewald
Auf dem Stadtfest in Solingen ging am 23.08.2024 ein Syrer mit einem Messer auf Feiernde los, drei Menschen starben, acht wurden verletzt. Am Jahrestag gedachten viele Menschen der Opfer.
23.08.2025 | 1:41 minErmittler halten Details zu möglichen IS-Kontaktmännern zurück
Zudem habe Issa Al H. in der Chat-Gruppe Kontakt mit einer Person namens "Anfaq" (Spende) gehabt, "die sich offensichtlich im Wesentlichen mit der Sammlung und Weiterleitung von Spendengeldern aus Europa an IS-Mitglieder in kurdischen Camps befasst".
Bei der dritten Person handele es sich um "Mikhal", den Leiter eines Netzwerks aus Issa Al H.s Heimatstadt Deir as-Surr. "Mikhal" sei eine "IS-nahe Person, die nicht nur IS-Propaganda verbreitet, sondern auch gewillt ist, grundsätzlich 'anschlagsgeneigte' Personen zu bestärken." Detaillierte Informationen wollte die Staatsanwältin auf Nachfrage von Abgeordneten nicht preisgeben:
Alle weiteren Ermittlungen, die diese drei Personen betreffen, insbesondere deren Aufenthalt, Identität und mögliche weitere Aktivitäten, sind Gegenstand des Ermittlungsverfahrens. Da kann ich keine Auskunft zu geben.
Nele Groenewald
Politiker nach Anschlag in Solingen in der Kritik
Der Untersuchungsausschuss im Landtag von Nordrhein-Westfalen soll mögliche Fehler und Versäumnisse der Landesregierung untersuchen und strukturelle Defizite bei Abschiebungen und Rückführungen von Ausländern in andere EU-Länder unter die Lupe nehmen. Issa Al H. hätte eigentlich den EU-Asylregeln zufolge nach Bulgarien abgeschoben werden sollen. Das scheiterte jedoch.
NRW-Fluchtministerin Josefine Paul gab im Januar ihren Rücktritt bekannt. Sie stand wegen ihres Umgangs mit dem Anschlag von Solingen in der Kritik. So berichtete das ZDF am 27.01.2026.
27.01.2026 | 2:00 minDie nordrhein-westfälische Flüchtlingsministerin Josefine Paul (Grüne) war im Januar 2026 zurückgetreten. Hintergrund waren massive Vorwürfe im Umgang mit dem Anschlag, insbesondere wegen eines als unzureichend kritisierten Krisenmanagements, einer schleppenden und teilweise unvollständigen Kommunikation gegenüber Parlament und Öffentlichkeit sowie einer erst später bekannt gewordenen SMS aus der Tatnacht.
Auch Innenminister Herbert Reul (CDU) geriet in die Kritik. Opposition und Teile der Öffentlichkeit bemängelten Kommunikationspannen und Abstimmungsprobleme innerhalb der Landesregierung nach dem Anschlag. Bis Ende des Jahres sind noch ein gutes Dutzend Ausschuss-Sitzungen geplant.
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