Neue Fabrik in Magdeburg:Darum stoppt Intel den Chipfabrik-Bau
Der schnelle Bau einer Chipfabrik von Intel in Magdeburg ist vom Tisch - der Konzern verschiebt die Arbeiten um zwei Jahre. Die Hintergründe zu der Entscheidung im Überblick.
Der Mikro-Elektronik-Konzern Intel verschiebt den Bau einer geplanten Chip-Fabrik in Magdeburg um zwei Jahre. Dort sollten 3.000 neue Arbeitsplätze entstehen.
17.09.2024 | 1:29 minEine Investition für 30 Milliarden Euro und 3.000 Arbeitsplätze: Die von der Bundesregierung mit Milliarden geförderte Chipherstellung des US-Herstellers Intel in Magdeburg steht vorerst in den Sternen.
Konzernchef Pat Gelsinger hat zwar nur eine Verschiebung angekündigt. Doch wird das noch was? Die wichtigsten Antworten.
Warum will Intel überhaupt ein Werk in Deutschland bauen?
Intel fiel vor Jahren hinter die Konkurrenz zurück. Der ambitionierte Plan von Konzernchef Gelsinger ist, sich als Auftragsfertiger für andere Chipfirmen zurück zu kämpfen.
Dafür sollen für viele Milliarden Dollar neue Werke gebaut werden - in den USA, aber auch in Europa. Gelsinger stellte für Magdeburg modernste Produktionsverfahren in Aussicht. Doch das Unternehmen steht unter Druck - und muss jetzt sparen.
Warum spart das Unternehmen in Deutschland?
Intel kämpft mit Milliardenverlusten und es kommt nicht so viel Geld rein, wie Gelsinger es sich erhofft hatte. Er streicht bereits 15.000 Jobs. Auch trotz der zehn Milliarden Euro Zuschuss von der Bundesregierung hätten in Magdeburg immer noch 20 Milliarden Dollar investiert werden müssen.
Vor die Wahl gestellt, steckt Intel die Milliarden lieber in Fabriken im Heimatmarkt USA, wo es ebenfalls hohe Subventionen von der Regierung gibt und Intel als Rüstungszulieferer unverzichtbarer sein kann.
Die US-Firma Intel hat den Bau einer Chipfabrik in Magdeburg für zwei Jahre auf Eis gelegt. Was diese Entscheidung für die Wirtschaft bedeutet, erklärt Frank Bethmann.
17.09.2024 | 1:02 minWarum wollte Deutschland die Chipfabrik mit Milliarden fördern?
Die Halbleiter-Engpässe zu Beginn der Corona-Krise waren ein Weckruf. Damals standen Bänder bei Autobauern still, Laptops waren schwer zu bekommen. Die Abhängigkeit von Asien - und besonders von TSMC in Taiwan bei High-Tech-Chips - wurde im Westen als Problem erkannt.
Die USA und die Europäische Union überboten sich bei Subventionen, um schon in einigen Jahren mehr Versorgungssicherheit zu haben.
Ist die Intel-Verschiebung ein Rückschlag für die Bundesregierung?
Für Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist es ein Prestigeprojekt, Deutschland zum großen Chip-Standort in Europa zu machen.
Politisch ist die Intel-Entscheidung ein Rückschlag für Scholz und die Ampel-Koalition. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) betonte sofort, die Verschiebung sei eine rein unternehmerische Entscheidung.
Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.
Robert Habeck (Grüne), Bundeswirtschaftsminister
Scholz versicherte auf einer Reise in Kasachstan, Intel habe zugesagt, an dem Projekt festhalten zu wollen. Halbleiterproduktion in Europa und in Deutschland bleibe richtig.
Der Ausbau geht weiter.
Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler
Was passiert nun mit den eingeplanten Fördermilliarden?
Das ist offen. Der Streit in der Ampel begann unmittelbar nach der Intel-Entscheidung. Finanzminister Christian Lindner (FDP) schrieb auf der Plattform X, alle nicht für Intel benötigten Mittel müssten zur Reduzierung offener Finanzfragen im Bundeshaushalt reserviert werden.
Christian Lindner (FDP) zu Intel
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Scholz schloss nicht aus, dass ein Teil des Geldes zur Schließung von Haushaltslücken genutzt wird. Aus dem Wirtschaftsministerium dagegen hieß es, die Intel-Gelder stünden nicht dem Kernhaushalt zur Verfügung.
Denn die Fördermilliarden sollten aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, dem KTF. Für dieses Jahr sind im KTF für Intel rund vier Milliarden Euro vorgesehen, die übrigen sechs Milliarden Euro dann für die nächsten Jahre. Im KTF klafft - wie auch im Bundeshaushalt selbst - eine Milliardenlücke.
Wird die Wirtschaft - vor allem in Ostdeutschland - jetzt geschwächt?
Intel in Magdeburg ist ein Megaprojekt mit Tausenden Arbeitsplätzen - die Verzögerung verunsichert. Zwar bleibt auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) beim Prinzip Hoffnung:
Intel hält, wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung, weiter an dem Projekt fest.
Sven Schulze (CDU), Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalt
Einige im Land fürchten aber eine Hängepartie mit unsicherem Ausgang.
Das Ifo-Institut stellt fest: Die Stimmung der Unternehmen ist "im Sturzflug".
04.09.2024 | 0:45 minWas bedeutet der Schritt für die Region rund um Magdeburg?
Die Stadt Magdeburg und das Land Sachsen-Anhalt hatten in den vergangenen Wochen Gas gegeben, um die Intel-Ansiedlung voranzubringen. Der Ausbau der Straße zum Gelände hat begonnen, eine erste Baugenehmigung ist bereits erteilt. Deshalb überwiegt Enttäuschung.
Landeswirtschaftsminister Schulze kündigte an, dass Bund, Land und Stadt gemeinsam beraten werden, wie sich die Verzögerungen auf das Projekt auswirken.
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