Tanquid: Trump-Spender muss auf deutsche Pipelines verzichten

Exklusiv

Deal mit Auflagen:Trump-Spender muss auf deutsche Pipelines verzichten

von Aileen Bunte, Celine Imensek, Gunnar Krüger, Marta Orosz, Paul Schubert

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Ein US-Ölkonzern hat ein Fünftel der deutschen Öllager übernommen, muss die Kontrolle über Kerosin-Pipelines aber abgeben. Das ist Teil der Auflagen, die der Bund gemacht hat.

Archiv: Kelcy Warren

Der US-Milliardär und Trump-Spender Kelcy Warren übernimmt den größten deutschen Tanklager-Betreiber Tanquid, und Anteile an Kerosin-Fernleitungen. Die muss er nun zeitnah an den Bund verkaufen.

28.01.2026 | 1:20 min

Anfang Januar genehmigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Übernahme des führenden deutschen Tanklagerbetreibers durch einen US-Ölkonzern. Das US-Unternehmen Sunoco LP des Trump-Unterstützers Kelcy Warren kaufte Tanquid, den größten Tanklagerbetreiber Deutschlands, schon im vergangenen Jahr.

Die Investition war abhängig von der Zustimmung der Bundesregierung - denn mit der Übernahme gehören nun rund ein Fünftel der deutschen Tanklagerkapazitäten dem Konzern mit Hauptsitz in Dallas. Reiches Ministerium hatte auf Nachfrage von ZDF frontal und "Spiegel" die Genehmigung "unter Auflagen" bestätigt - zunächst ohne Details zu nennen.

Wirtschaftsministerium knüpft Tanklager-Deal an Auflagen

Experten hatten die Übernahme kritisiert, vor allem, weil Tanquid 49 Prozent eines Unternehmens besitzt, das strategisch wichtige Fernleitungen betreibt - die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft, kurz FBG. Diese liefert unter anderem Kerosin an deutsche Militärflugplätze, etwa nach Büchel, wo amerikanische Atomwaffen lagern.

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Nun wird klar: Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) knüpfte die Genehmigung des Deals an Auflagen, die die Übernahme eben dieser Pipelines verhindern sollen. So steht es in einer Stellungnahme des Ministeriums an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags, die ZDF frontal und "Spiegel" vorliegt.

Demnach ist Tanquid verpflichtet, "zeitnah" die von Tanquid gehaltenen Anteile an FBG an den Bund zu veräußern. Zurzeit hält der Bund 51 Prozent dieses Unternehmens und habe "jederzeit ein Zugriffsrecht und die Einflussmöglichkeit auf den Betrieb der Pipeline-Systeme", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Zudem sollen die Auflagen die durchgängige Versorgung mit den Tanklager-Kapazitäten von Tanquid garantieren.

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Kritik an Tanquid-Übernahme durch Trump-Spender

Experten wie Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik hatten kritisiert, dass Deutschland sich in einer Schlüsselinfrastruktur längerfristig an den Amerikaner bindet. "Es konterkariert unsere Bestrebungen, unabhängig in Schlüsselinfrastrukturen und Schlüsselbereichen zu werden", sagt Pepe im Gespräch mit ZDF frontal.

Nicht nur die Kerosin-Pipelines, auch Tanquids Tanklager gelten als Kritische Infrastruktur - und werden nun von einem Unternehmen kontrolliert, das mehrheitlich einem Trump-Unterstützer gehört. Hinter Sunoco steckt der Milliardär Kelcy Warren - ein Großspender von Trumps Wahlkampagnen. 2017 machte US-Präsident Donald Trump nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt den Weg für Warrens umstrittenes Pipelineprojekt Dakota Access frei.

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Ministerin Reiche verteidigt Zusammenarbeit mit USA

Das US-Ölunternehmen Sunoco einigte sich mit Tanquid bereits im März 2025, wie aus Konzernberichten an die US-Börsenaufsichtsbehörde hervorgeht. Demnach kaufte Sunoco das deutsche Unternehmen für rund 500 Millionen Euro und übernahm damit auch Schulden von rund 300 Millionen Euro.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, begrüßt die Auflagen, kritisiert dennoch die Zustimmung des Bundes: "Es bleibt ein schwerer Fehler kritische Infrastruktur an einen amerikanischen Öl-Milliardär und Trump-Freund zu verkaufen", sagt Kellner.

Auf Nachfrage von ZDF frontal hatte Ministerin Reiche am Montag die Genehmigung des Deals verteidigt: "Wichtig ist, dass wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika weiter gut zusammenarbeiten", sagte sie auf dem Nordseegipfel in Hamburg. Das gelte für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie genauso wie für die Wirtschaft. "Wir sind eng verflochten, unsere Wirtschaftsräume sind verflochten, die USA sind unser größter Handelspartner und der Zollstreit hat uns sehr geschadet."

Über dieses Thema berichtete ZDF frontal am 28.01.2026 in dem Beitrag "Trump-Spender übernimmt deutsche Öllager" um 14:47 Uhr und am 27.01.2026 in der Sendung ab 21 Uhr.

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