Umstrittener Mega-Deal:Trump-Spender übernimmt Kontrolle über deutsche Öllager
von Aileen Bunte, Celine Imensek, Moritz Müllender
Ein US-Ölkonzern hat die Kontrolle über Öllager und militärisch bedeutsame Fernleitungen in Deutschland übernommen. Dahinter steckt Trump-Unterstützer und Milliardär Kelcy Warren.
Ein US-Konzern hat die Kontrolle über mehrere Öllager und Pipelines in Deutschland übernommen. Dahinter steckt Trump-Unterstützer und Milliardär Kelcy Warren. ZDF frontal berichtet exklusiv.
23.01.2026 | 0:39 minDeutschlands größter Tanklagerbetreiber wurde von einem US-Ölkonzern gekauft. Seit nun einer Woche kontrolliert das US-Unternehmen Sunoco LP den führenden deutschen Tanklagerbetreiber Tanquid. Die Investition war abhängig von der Zustimmung der Bundesregierung - denn mit der Übernahme gehören nun rund ein Fünftel der deutschen Tanklagerkapazitäten und mehr als tausend Kilometer Pipelines dem Konzern mit Hauptsitz in Philadelphia.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) genehmigte den Deal - "unter Auflagen" -, wie ZDF und "Spiegel" aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BWM) erfuhren.
Kelcy Warren - Trump-Verbündeter und Pipeline-Milliardär
Sunoco gehört mehrheitlich dem Milliardär Kelcy Warren - einem Großspender von Trumps Wahlkampagnen. US-Präsident Donald Trump machte 2017 nur wenige Tage nach Amtsantritt den Weg für Warrens umstrittenes Pipelineprojekt Dakota Access frei.
Nach dem Vollzug der Übernahme von Tanquid kontrolliert Kelcy Warren nun auch einen erheblichen Teil der deutschen Infrastruktur.
Bis Ende 2027 soll die EU aus russischem Gas aussteigen. "Wir ersetzen eine Abhängigkeit mit einer anderen - und blenden die Marktmacht der USA aus", sagt der Politikwissenschaftler Raffaele Piria.
22.01.2026 | 7:06 minUnternehmen einigten sich bereits im März 2025
Das US-Ölunternehmen Sunoco einigte sich mit Tanquid bereits im März 2025, wie aus Konzernberichten an die US-Börsenaufsichtsbehörde hervorgeht. Demnach kaufte Sunoco das deutsche Unternehmen für rund 500 Millionen Euro und übernahm damit auch Schulden von rund 300 Millionen Euro.
Teil des Deals: 49 Prozent eines Unternehmens, das strategisch wichtige Fernleitungen betreibt, wechseln in US-Besitz. Die liefern unter anderem Kerosin an deutsche Militärflugplätze, etwa nach Büchel, wo amerikanische Atomwaffen lagern. Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagt:
Diese militärische Infrastruktur ist für die Einsatzfähigkeit der Luftwaffen extrem wichtig - dass sie jetzt zu 49 Prozent einem US-Unternehmen gehört, ist politisch hochbrisant.
Jacopo Maria Pepe, Stiftung Wissenschaft und Politik
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15.01.2026 | 13:05 minFür ihn ist der Verkauf von Tanquid an Sunoco allein unter militärischen Gesichtspunkten zumindest bedenkenswert: Zwar halte Tanquid über seinen Anteil an der Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG) keine Mehrheit am Nato-Pipelinenetzwerk, so Pepe, aber habe dennoch Einfluss - auch im Fall einer militärischen Konfrontation. "Denn durch den Kauf erhalten die USA Informationen über Kapazitäten und Schwachstellen im System", sagt der Experte.
Sollten Reparaturen etwa aufgrund von Verschleiß oder Sabotage anfallen, können die USA diese blockieren.
Jacopo Maria Pepe, Stiftung Wissenschaft und Politik
Die übrigen 51 Prozent der FBG gehören dem Bundesverteidigungsministerium.
Bundesregierung prüfte Investition
Das Bundeswirtschaftsministerium analysierte im Rahmen eines Investitionsprüfverfahrens, ob der Deal die Sicherheit Deutschlands oder eines anderen EU-Mitgliedstaates gefährden könnte. Am 9. Januar erteilte dann das Bundeswirtschaftsministerium die "Freigabe unter Auflagen", wie eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage von ZDF frontal bestätigte.
Die Auflagen zur Freigabe garantieren die durchgängige Versorgung mit den Tanklager-Kapazitäten des Tanquid-Konzerns.
Bundeswirtschaftsministerium
Donald Trump und die deutsche Wirtschaft: Eine bittere Bilanz nach seinem ersten Jahr im Amt.
21.01.2026 | 2:35 minTanquid beliefere hauptsächlich die Mineralölindustrie und Abnehmer im Bereich der petrochemischen Produkte, antwortet das Ministerium auf ZDF-Nachfrage und geht auf Kritik an der Übernahme strategisch wichtiger Infrastruktur durch einen US-Konzern nicht ein.
Das deutsche Unternehmen verkündete die Übernahme bereits am 16. Januar auf seiner Homepage.
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