Reform der Sozialversicherungen:Wirtschaftsweise warnen vor explodierenden Beiträgen
Bis zu 50 Prozent des Verdiensts könnten die Deutschen in Zukunft für Renten- und Sozialabgaben zahlen. Davor warnt der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Wirtschaft.
Bis Anfang Juli plant die Koalition ein großes Paket zu den Themen Steuern, Arbeit, Pflege, Rente und Bürokratieabbau. Doch bei zentralen Fragen fehlen noch klare Antworten.
27.05.2026 | 2:26 min
Die sogenannten Wirtschaftsweisen warnen vor ungebremst steigenden Sozialbeiträgen. "Gemäß den Simulationen werden die Beitragssätze bis zum Jahr 2040 in allen Sozialversicherungen steigen", heißt es im Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats Wirtschaft. Wenn die aktuelle Rechtslage so bliebe, drohten demnach Beitragssätze von fast 50 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen auf die Wirtschaft zu drücken.
Wirtschaftsweise erhöhen Druck auf Regierung
Die schwarz-rote Koalition will bereits umfassende Reformen bei der Krankenversicherung, der Pflege und der Rente auf den Weg bringen. Die Zahlen der Wirtschaftsweisen dürften den Reformdruck steigern.
Für das Jahr 2026 gilt ein Gesamtsozialversicherungs-Beitragssatz von 42,3 Prozent. Die Sachverständigen erwarten 45,4 Prozent im Jahr 2030 und 49,7 Prozent bis 2040. Es handelt sich um die Summe der Beitragssätze für Rente (heute 18,6 Prozent), Pflege (3,6 Prozent), Arbeit (2,6 Prozent) und für die Krankenversicherung (14,6 Prozent) plus durchschnittlichem Zusatzbeitragssatz (2,9 Prozent).
"Ausgaben müssen den Einnahmen angepasst werden", sagt Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts von der CDU, mit Blick auf das Reformpaket, das am 30. Juni beschlossen werden soll.
27.05.2026 | 5:09 minMehr Geld für immer älter werdende Menschen
Die Sachverständigen sagen durchweg steigende Beiträge voraus, etwa in der gesetzlichen Rentenversicherung von 18,6 auf 21,8 Prozent und in der Pflegeversicherung von 3,7 auf 5,2 Prozent. "Diese Entwicklung ist stark auf die fortschreitende demografische Alterung und den dadurch bedingten Ausgabenanstieg der Sozialversicherungen zurückzuführen."
Der erwartete Anstieg des Gesamtbeitragssatzes werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2035 um 0,5 Prozent bis 0,9 Prozent senken.
Höhere Beitragssätze dämpfen das gesamtwirtschaftliche Wachstum.
Wirtschaftsweise
Sie verteuerten die Arbeitskosten und verringerten die Nettoeinkommen der Privathaushalte.
"Bei der Rentenversicherung hat man sich sehr weit in die falsche Richtung entwickelt", so Veronika Grimm, Wirtschaftsweise, zu Sozialreformvorschlägen. Rente ab 63 müsste man daher "in Frage stellen".
03.02.2026 | 6:12 minSachverständige fordern: Kosten senken
Dabei belastet der Iran-Krieg die Wirtschaft laut dem Gutachten ohnehin schon deutlich, was sich in einer sinkenden Prognose für das BIP und einer geringen Wachstumserwartung ausdrückt. Die Sachverständigen fordern daher dringend kostendämpfende Reformen. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats, fordert:
Der absehbare Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen sollte verlangsamt werden.
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
Durch steigende Freibeträge fällt die Lohnsteuer 2026 etwas geringer aus, aber mehr Geld in der Tasche bedeutet das nicht unbedingt.
29.12.2025 | 1:18 minReformen bei Krankenversicherung und Pflege
Die Sachverständigen fordern etwa in der Krankenversicherung mehr "Ausgabensteuerung" bei Krankenhäusern und Arzneimitteln. Die Ausgaben der GKV seien seit 2005 um knapp 64 Prozent gestiegen, die Einnahmen nur um knapp 31 Prozent.
Der Rat spricht sich auch für eine Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von nicht kindererziehenden Ehepartnerinnen und Ehepartnern aus.
Die Pflegeversicherung solle als Teilversicherung erhalten bleiben, doch die Leistungen sollten "auf das fachlich empfohlene Maß begrenzt und wenig zielgenaue Maßnahmen abgeschafft" werden. Es solle Änderungen bei der Einstufung der Betroffenen geben, bestärkt der Rat Reformüberlegungen in der Koalition.
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