Woher soll Energie für KI kommen?:Kraftwerke lassen Widerstand gegen Rechenzentren wachsen
von Peter Theisen
Nirgendwo sonst in Deutschland entstehen gerade so viele Rechenzentren wie im Rhein-Main-Gebiet. Gleichzeitig wächst der Widerstand von Bürgern. Grund dafür: fossile Kraftwerke.
KI treibt den Bau riesiger Rechenzentren voran – und bringt Jobs sowie Steuereinnahmen. Doch der hohe Bedarf an Strom und Wasser sorgt für Kritik vor Ort.
14.07.2026 | 3:03 minDas Gros der Rechenzentren in Deutschland schart sich um den wichtigen Internetknoten DE-CIX in Frankfurt. Und fast im Monatstakt werden neue Investitionen in Milliardenhöhe angekündigt. Beispiel: Der amerikanische Investor Edgeconnex möchte in Maintal - ein paar Kilometer östlich von Frankfurt - ein Data Center errichten. Das verlassene Gewerbegebiet hat Edgeconnex bereits erworben.
Als Mark Behrend und Thomas Schadt, die nur wenige hundert Meter von dem geplanten Standort leben, davon Wind bekamen, fragten sie sich, woher der Strom für das große Rechenzentrum kommen soll. Und fanden heraus, dass dafür eigens ein großes Gaskraftwerk geplant ist.
"Wir kämen hier auf 72 Prozent der Emissionen des Frankfurter Flughafens auf 0,5 Prozent der Fläche. Da muss man sich doch fragen: Ist es das wert?", so der ehemalige Schiffskapitän Mark Behrend.
US-Unternehmen dominieren die Infrastruktur für KI, Hardware kommt größtenteils aus Fernost. Brüssel will die technologische Abhängigkeit reduzieren. Ein umfangreiches Gesetzespaket soll helfen.
03.06.2026 | 2:14 minProteste stoppen Projekt in Maintal - vorerst
Behrend und sein Nachbar Schadt organisierten den Protest, dem sich bald nicht nur viele Bürger anschlossen, sondern auch fast alle Parteien im Stadtparlament. Nun liegt das Projekt auf Eis.
Die parteilose Bürgermeisterin Monika Böttcher macht kein Geheimnis daraus, dass sie immer noch hofft, dass das Rechenzentrum kommt.
Edgeconnex hat uns darüber informiert, dass man prüft, ob es alternative Möglichkeiten der Energieversorgung gibt.
Monika Böttcher, Bürgermeisterin von Maintal
Diese Ergebnisse stünden noch aus, sagt Monika Böttcher. "Alles ist besser als eine Brache."
Mit ihrem Protest haben es Behrend und Schadt aber erst einmal geschafft, das Projekt zu stoppen. Viele, die sich mit dem Thema Rechenzentren beschäftigen, finden das problematisch.
In den USA sind große Datenzentren ein Milliardenmarkt, der von der Trump-Regierung gefördert wird. Der Wasserverbrauch der Rechenzentren könnte Dürren, zum Beispiel in Wyoming, verschlimmern.
22.04.2026 | 6:28 minBitkom warnt vor Deutschland als digitaler Kolonie
So glaubt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom, dass Deutschland nicht zögern dürfe mit dem Ausbau von Rechenkapazitäten, vor allem im Hinblick auf die Künstliche Intelligenz. "Wenn wir die Daten nicht hier halten, gehen sie in andere Länder, nach Irland oder die USA", sagt Rohleder.
Dann laufen wir Gefahr, zu einer digitalen Kolonie zu werden. Dann werden wir erpressbar.
Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom
Gegen Rechenzentren an und für sich - das betonen Behrend und Schadt - haben sie nichts. Ihnen gehe es um die Belastung der Umwelt und der Anwohner durch ein großes Gaskraftwerk.
Ähnlich ist es in Birstein, ein Stück weiter östlich, am Rand des Vogelsbergs. Auch dort hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, um den Bau eines Gaskraftwerks für ein geplantes Rechenzentrum zu verhindern. Auf den Hügeln um den Ort drehen sich bereits zahlreiche Windräder, doch der dort gewonnene Strom würde nicht reichen, um das Rechenzentrum zu versorgen.
Die Börsenpreise für Strom sinken oft auf null, wenn viel Sonnen- und Windstrom ins Netz eingespeist wird. Von den niedrigen Preisen könnten auch Haushalte mit flexiblen Stromtarifen profitieren.
28.04.2026 | 8:36 minGegner fordern bessere Diskussionskultur
Auf dem Acker, wo das Rechenzentrum geplant ist, steht noch das Getreide, in unmittelbarer Nähe ein Schulzentrum. "Dort wird es unerträglich heiß für die Schüler, wenn auf die jetzige Hitze noch zwei, drei Grad on top kommen", meint Steffen Ganz von der Bürgerinitiative.
Besonders verärgert sind sie hier - ähnlich wie in Maintal - über die Kommunikation der Gemeinde. Sogar eine eigene Partei haben sie deshalb gegründet, um das geplante Projekt noch irgendwie zu verhindern.
Hessen als einer der größten Rechenzentrums-Standorte in Europa leistet sich ein eigenes Digitalministerium. Kristina Sinemus von der CDU leitet es. Sie mahnt eine bessere Diskussionskultur an, um die Bürger mitzunehmen.
In den USA werden "viermal so viele Rechenzentren installiert pro Jahr wie es in Deutschland insgesamt gibt", so ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann. "Wir müssen da irgendwie mithalten."
11.11.2025 | 2:23 minDie vernetzen sich derweil immer mehr. Eine Delegation aus Birstein war jüngst bei der Bürgerversammlung in Maintal zugegen. Auch der BUND war vor Ort. Das österreichische Fernsehen auch, denn auch in der Alpenrepublik gibt es zunehmend Proteste. "Hier entsteht gerade so was wie die Antiatomkraft-Bewegung in den 70ern und 80ern", meinte einer der Besucher.
Peter Theisen ist Reporter im ZDF-Landesstudio Hessen.
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