Iran-Krieg trifft Touristen:Wenn über das Kreuzfahrtschiff die Bomber fliegen
von Sven Rieken
Als der Iran-Krieg beginnt, erleben Tausende Urlauber Raketenabschüsse, dröhnende Handy-Warnungen und Chaos. Vom Auswärtigen Amt fühlt sich ein Betroffener alleingelassen.
Der Krieg am Golf trifft plötzlich auch Urlauber: Evakuierungen, Unsicherheit und leere Strände. Fernreisen brechen ein – eine Chance für deutsche Reiseziele?
27.03.2026 | 12:30 minRando Aust und seine Frau sind gerade an Bord ihres Kreuzfahrtschiffes angekommen, als der Krieg am Persischen Golf beginnt. Vom Deck aus beobachten sie, wie die US-Bomber über das Schiff fliegen in Richtung Iran.
Kurze Zeit später sind dumpfe Schläge und Explosionen zu hören. Die Luftabwehr fängt iranische Raketen ab. Mitreisende berichten später von Trümmerteilen, die neben dem Schiff ins Meer fallen.
Urlauber im Krisengebiet
Zu dieser Zeit halten sich fast eine Viertelmillion Urlauber in der beliebten Region auf - in Hotels, Appartements und auf Kreuzfahrtschiffen. Auch am Strand von Dubai ist nichts mehr wie zuvor.
Seit Beginn des Krieges gegen Iran melden die Golfstaaten zahlreiche iranische Angriffe. Auch in Metropolen wie Dubai sind die Auswirkungen spürbar.
14.03.2026 | 2:07 minAls vor dem Fairmont-Hotel auf der berühmten "Palme" von Dubai Trümmerteile iranischer Raketen herunterfallen, sind viele Urlauber nur knapp einer Katastrophe entgangen. Die Glitzermetropolen am Golf sind entzaubert.
Handy-Alarm statt Poolprogramm
In dieser Nacht schlagen zum ersten Mal alle Handys Alarm. Raketenwarnung per Cellbroadcast-Warnung. Auch Rando Aust und seine Frau erleben die bedrückende Situation auf dem Schiff.
Es ist kaum zu beschreiben, wie das ist, wenn alle Handys um Dich herum in voller Lautstärke Alarm schlagen.
Rando Aust
Schutzräume auf dem Schiff gibt es keine. Nur die Decks sind geschlossen. Die meisten Hotelgäste verbringen diese erste Kriegsnacht in den Kellern der Gebäude oder in gesicherten Bereichen. Über der Skyline von Dubai kreisen zwei Kampfflugzeuge.
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Rando Aust kann von seiner Kabine Kampfhubschrauber beobachten. Und immer wieder Bomber, die in Richtung Iran fliegen. "Glitzerwelt mitten im Krieg", beschreibt er die Situation.
Gestrandet zwischen Doha und Riad
Luftraum und Flughäfen der Emirate sind zeitweise geschlossen, reguläre Verbindungen fallen weg. Die Urlauber sitzen fest. Für die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe zeichnet sich nach rund einer Woche eine Lösung ab: zwei Flüge von Riad in Saudi-Arabien.
Wegen des Krieges im Nahen Osten ist der internationale Flugverkehr beeinträchtigt, viele Verbindungen wurden gestrichen. Unzählige Reisende saßen zu Kriegsbeginn fest.
02.03.2026 | 1:30 minFür Rando Aust und die anderen Passagiere heißt das: mehr als zwölf Stunden Nachtfahrt durch die Wüste. Vier Stunden Grenzkontrolle und erst vor Ort das erlösende Gefühl: Die Flüge starten wirklich.
"Kümmern Sie sich selbst": Kritik an Berlin
Die Lage vor Ort ist für alle neu: Das deutsche Auswärtige Amt wirkt nicht vorbereitet auf einen Krieg, der die gesamte Region erfasst. Rando Aust und die anderen deutschen Urlauber bekommen zwar einen täglichen Newsletter aus Berlin - aber keine konkrete Unterstützung. Man solle sich selbst um "kommerzielle Ausreisemöglichkeiten" kümmern, heißt es in den Mails.
Zehntausende Deutsche saßen wegen des Kriegs in der Golfregion fest. Am 3. März landete in Frankfurt der erste Rückholflug.
03.03.2026 | 1:47 minStatt eines klaren Signals "Wir sind an Ihrer Seite" erleben die Betroffenen bürokratische Hürden, beschreibt Rando Aust seine Reaktion. Von der Fahrt nach Saudi-Arabien rät das Auswärtige Amt sogar ab. Man solle in jedem Fall den Versicherungsschutz des Busses prüfen. Dabei hat den die TUI organisiert. Rando Aust empfindet die Betreuung durch das Auswärtige Amt in dieser Situation als enttäuschend und fühlt sich allein gelassen.
Reisebranche unter Druck
Auch Airlines und Reiseveranstalter geraten in den ersten Tagen an ihre Grenzen. Der Anflug der Airports in den Emiraten ist teuer. Teilweise fordern die Versicherungen die zehnfache Prämie. Das normalisiert sich erst nach und nach. Inzwischen gibt es wieder Linienverbindungen in den Nahen Osten - eine tägliche auch von und nach Hamburg.
Bei einer Nahostreise nahm Außenminister Wadephul eine gestrandete deutsche Touristengruppe aus Doha (Katar) mit nach Saudi-Arabien. Von Riad aus soll eine Sondermaschine sie nach Deutschland bringen.
12.03.2026 | 1:31 minDie Auslastung der Flüge ist gering. Einige Geschäftsleute und Reisende, die Dubai als Umsteigeflughafen nutzen. "Es ist einfach die günstigste Verbindung gen Osten", erklärt ein junges Pärchen. Sie reisen zwar mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, aber setzen auf einen sicheren Flug.
Ein Markt in Bewegung
Für die Reisebranche ist der Krieg am Golf ein erhebliches, wirtschaftliches Risiko. Kurzfristig wollen viele Reisende nicht mehr an die Küsten des Persischen Golfs. Reiseveranstalter planen um, streichen oder verschieben Angebote. In Reisebüros zeigt sich ein Trend: Fernreisen in Richtung Osten oder Nordafrika sind weniger gefragt, stattdessen rücken Balearen und Kanaren in den Fokus - oft "koste es, was es wolle".
Branchenvertreter wie Olaf Diroll vom Hamburger Büro "Reiselotsen" warnen, wie schwer es sei, ein einmal abgestürztes Produkt wieder aufzubauen. Kunden kämen nicht automatisch zurück, nur weil ein Konflikt formal beendet sei. Der Krieg am Golf hat den Tourismus der Region auf Monate, wenn nicht Jahre beschädigt.
Sven Rieken ist Reporter im ZDF-Studio in Hamburg.
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