Konsumklima belastet Einzelhandel im Mai

Umsatz fällt überraschend stark:Konsumklima belastet Einzelhandel im Mai

|

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher sorgt für sinkende Umsätze im Einzelhandel. Ökonomen sehen kurzfristig kaum Chancen auf eine Konsumwende in Deutschland.

Zwei Frauen stehen im Juni 2025 vor einem Modegeschäft und betrachten das Schaufenster in der Theatinerstraße in München.

Bei Nicht-Lebensmitteln verbuchten Händler sogar ein Minus von 2,2 Prozent.

Quelle: Imago

Der deutsche Einzelhandel hat im Mai überraschend die größten Einbußen seit mehr als zweieinhalb Jahren erlitten. Der Umsatz sank um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Real, also inflationsbereinigt, fiel der Rückgang mit 1,6 Prozent noch stärker aus. Ein größeres Minus gab es zuletzt im Oktober 2022.

Ökonom erwartet keine nachhaltigen Konsumsprünge

Das kommt unerwartet: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im April ein Minus von 0,6 Prozent gegeben hatte.

Das ist ein Rückschlag für den deutschen Einzelhandel.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank

Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank schließt zwar eine Gegenbewegung im Juni nicht aus. "Größere und nachhaltige Konsumsprünge sind vorerst nicht zu erwarten", fügte er aber hinzu. Das Konsumklima in Deutschland verbessere sich einfach nicht.

Auswirkungen auf Konjunkturentwicklung

Das hat auch Konsequenzen für die Konjunkturentwicklung in Deutschland insgesamt. Wachsende Konsumausgaben der Verbraucher trugen noch im ersten Quartal dazu bei, dass Europas größte Volkswirtschaft mit 0,4 Prozent überraschend kräftig wuchs.

"Das gute Wachstum im ersten Quartal wird sich damit nicht wiederholen lassen", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, angesichts des schwachen Frühjahrsgeschäfts im Einzelhandel.

Auch Internet- und Versandhandel verzeichnen Minus

Der Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln sank im Mai im Vergleich zum Vormonat real um 1,3 Prozent. Bei Nicht-Lebensmitteln verbuchten die Händler sogar ein Minus von 2,2 Prozent. Auch der Internet- und Versandhandel konnte sich dem Abwärtstrend nicht entziehen: Hier sanken die Umsätze um 1,4 Prozent.

Die privaten Haushalte bleiben vorsichtig und konsumieren in der Breite weniger.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank

Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahresmonat zogen die Umsätze noch an, und zwar um real 1,6 Prozent.

Verbraucherstimmung zuletzt gesunken

Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich zuletzt wieder eingetrübt. Das für Juli berechnete Konsumklima-Barometer sank um 0,3 Punkte auf minus 20,3 Zähler, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM) bei ihrer Umfrage unter rund 2.000 Personen ermittelten. "Nach zuvor drei Anstiegen in Folge muss das Konsumklima damit wieder einen kleinen Dämpfer hinnehmen", erklärte NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.

"Dafür ist vor allem die gestiegene Sparneigung verantwortlich." Sie konterkariere derzeit die positiven Impulse durch verbesserte Einkommensaussichten.

Eine hohe Sparneigung der Konsumenten ist auch Ausdruck ihrer anhaltenden Verunsicherung und damit fehlender Planungssicherheit.

Rolf Bürkl, NIM-Konsumexperte

Quelle: Reuters

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Mehr aus der Wirtschaft

  1. Eine Frau zeigt auf eine grüne Weltkarte. (Symbolbild)

    Untersuchung von Beraterfirma:Immer mehr Frauen in Dax-Vorständen - mit immer mehr Gehalt

    mit Video0:44

  2. Heck eines E-Autos beim Laden an Ladesäule

    Hohe Nachfrage bei Elektroautos:Lieferzeiten für E-Autos: Wieso Kunden Monate warten müssen

    von Tobias Bluhm
    mit Video1:34

  3. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann sitzt im Studio von "WISO - Wirtschaft erklärt".

    WISO - Wirtschaft erklärt:Wie sich VW und Co. gegen den China-Absturz stemmen

    von Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann
    mit Video10:13

  4. Wolken ziehen über die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main hinweg.

    EZB-Chefin scheidet aus:Duell zeichnet sich ab: Wer folgt auf Lagarde?

    mit Video2:32

  5. Händler arbeiten am 05.11.2026, auf dem Parkett der New Yorker Börse an der Wall Street in New York City, USA.

    Kursrutsch bei KI-Aktien:Warum die Börsen so nervös auf die US-Midterms reagieren

    von Richard Luttke
    mit Video2:04

  6. Baustelle des Brenner-Basistunnels

    Brenner-Basistunnel durch die Alpen:Wie Deutschland das Jahrhundertprojekt am Brenner gefährdet

    von Tobias Bluhm
    mit Video4:32

  7. Brandenburg, Lübbenau: Die Baustelle für ein Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe. Am selben Tag fand eine Medienreise in die Lausitz statt.

  8. Südkorea: Ein elektronischer Bildschirm zeigt den Schlussstand des südkoreanischen Leitindex (KOSPI) in einem Handelsraum im Hauptsitz der Hana Bank in Seoul.

    Sorgen um KI und Ölpreise:Südkoreas Börse bricht ein - Handel kurz gestoppt

    mit Video0:24